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Das Opernglas – Ausgabe 06/2026 ePaper

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INHALTSVERZEICHNIS


AUSGABE 06/2026

Das komplette Inhaltsverzeichnis mit allen Themen Weiter

EDITORIAL

  • EDITORIAL

    Autorin: Y. Han · Ausgabe 06/2026|| Das „von bis“ im Musiktheater ist immer wieder spannend zu beobachten – von der komfortabel in traditionalistischen Bildern erzählten Inszenierung über das mitreißende Ideenspektakel bis hin zur hochabstrakten Regiearbeit, die einen kontinuierlich fordert mitzudenken und die Symbole zu knacken; allzu oft scheitert man an dieser wortlos gestellten Aufgabe und verlässt eine Vorstellung ohne finale Antworten beziehungsweise nur einer diffusen Ahnung, was diese oder jene Szene zu bedeuten haben könnte. Schlimm ist das nicht – vorausgesetzt es lag ein gewisser Unterhaltungswert vor. Und manchmal ist das Unbestimmte, Geheimnisvolle, das uns nach Hause begleitet, sogar ganz schön, weil es a) nachhallt und b) einen fordert, über die Zeit die richtigen Worte für das Gesehene und Gefühlte zu finden. (Gerade in diesem Beruf kann das eine vertrackte Aufgabe sein.) Das „von bis“ ist aber auch in anderen (durchaus verwandten) Bereichen ein interessantes Spektrum. Die Frage, wie tief man heute in ein Werk einzugreifen berechtigt ist, spaltet seit jeher die Geister; bis zu welchem Punkt ist es noch ein berechtigter, weil geistreicher Kunstgriff, und wo beginnt die empörende, weil respektlose Verschandelung eines doch eigentlich intakten Kunstwerks aus früherer Zeit? Auch hier ist es kurioserweise oftmals der Unterhaltungswert, der darüber entscheidet, wie nachsichtig der Zuschauer mit den Entscheidungen des Produktionsteams zu sein bereit ist – jeder Einzelfall entscheidet aufs Neue, wie schon Tobias Kratzer in der vergangenen Ausgabe sagte, und sein St. Galler Kollege Jan Henric Bogen, der sich für die vorliegende Nummer Zeit für ein Gespräch genommen hat, sieht es ähnlich.%weiter% Eigentlich ist das auch absolut naheliegend: immerhin bewegen wir uns im Unterhaltungssegment; und auch wenn diese spezifische Sparte gern als E-Musik bezeichnet wird, also „ernst“, wollen die, die sich ein Ticket kaufen, letzten Endes doch auch nur unterhalten werden, sei es auf geistreiche, anspruchsvolle, lustige oder eben melancholische Art. Umso mehr stellt sich die Frage, was alles noch in den Bereich des „Unterhaltsamen“ hineinfällt, gerade auch vor dem Hintergrund, dass das Musiktheater durchaus etwas sehr Politisches ist – aber wollen wir wirklich immer wieder auf der Bühne von Donald-Trump-Doppelgängern heimgesucht werden, so als genüge nicht schon die tägliche Nachrichtenlage? Und wollen wir an einem Opernabend mit so drastischen Worten wie „cunt“ (die deutsche Übersetzung erspare ich uns...) und expliziten Vergewaltigungsszenen konfrontiert werden? So relevant die unschönen Themen auch sind – manchmal möchte man meinen, sie werden schon an anderer Stelle mit genügend Sinnhaftigkeit und dem richtigen Tonfall verhandelt; muss da wirklich auch die Opernbühne noch herhalten und explizite Gewalt darstellen? Die aktuelle Ausgabe widmet sich diesem „von bis“ in all seiner Vielschichtigkeit – thematisch, stilistisch, zeitlich, global – und zeigt auf, wie breit das Spektrum sein kann, wo sich Geister ein weiteres Mal scheiden und wo für große Freude gesorgt wurde. Das Musiktheater ist ein dynamisches Ding – und das erleben und begleiten zu dürfen ein Privileg, für das wir immer wieder aufs Neue dankbar sind, so wie unsere Gesprächspartner Jan Henric Bogen und Ekaterina Bakanova, die für uns aus der Sängerinnen- und Intendantenperspektive auf die Szene schauen. Ich bin gespannt, was Ihnen beim Lesen ge- oder missfällt! In diesem Sinne: eine inspirierende Lektüre! ||Ihre Yeri Han

DIE INTERVIEWS

  • EKATERINA BAKANOVA – Charakterdarstellerin

    Die in der Ural-Region geborene Ekaterina Bakanova hat schon lange ihre Wahlheimat in Italien gefunden, wo sie – neben ihren Auftritten in ganz Europa – regelmäßig an den großen Theatern gastiert. 2015 gelangte sie schlagartig zu internationaler Bekanntheit, als sie innerhalb weniger Tage für Sonya Yoncheva als Violetta am Royal Opera House Covent Garden einsprang. Mit Yeri Han unterhielt sie sich über Karriereentscheidungen, Wunschpartien und die Pläne der Zukunft. ||(Foto: Muzzarini)
  • JAN HENRIC BOGEN – Erntezeit

     Seit der Spielzeit 2020/21 wirkt Jan Henric Bogen inzwischen in St. Gallen – zunächst als Direktor der Opernsparte, seit 2023 dann als Gesamtverantwortlicher für das Vierspartenhaus. Vor kurzem hat er seinen Vertrag verlängert und wird nun bis mindestens 2031 bleiben. Über die Lehren der vergangenen Jahre, Wünsche für die Zukunft und die anstehenden ersten St. Galler Festspiele im Großen Haus sprach er mit Yeri Han. ||(Foto: Thalmann)

PREMIEREN

  • MÜNCHEN||Of one Blood

    10. Mai • Nationaltheater • Autor: Jörg-Michael Wienecke||Elisabeth I. und ihre Cousine Maria Stuart waren zwar schon häufig Gegenstand von romantisierten Weiter-Verwertungen; in Brett Deans an der Bayerischen Staatsoper zur Weltpremiere gebrachten Oper über die beiden Königinnen war jedoch keine literarische Vorlage die Basis, sondern historische Quellen und Schriftstücke. ||(Foto: Rittershaus)
  • LEIPZIG||Regina

    13. Mai • Autor: Jürgen Gahre||So biedermeierlich, wie er dank seiner Spielopern gern wahrgenommen wird, war Albert Lortzing gar nicht – seine Oper »Regina«, die im Rahmen des Leipziger Lorzting-Festivals zur Aufführung kam und im Arbeitermilieu spielt, macht das so deutlich wie kein anderes seiner (ebenfalls selten gespielten) Werke.||(Foto: Schulze)
  • GENF||Medusa

    5. Mai • Autor: Jürgen Gahre||Auch die neuste Brüsseler Uraufführung drehte sich um eine bereits hinreichend beleuchtete (hier allerdings fiktive) Frauenfigur: die Medusa. Die bekannte Ovid-Erzählung wurde von Lydia Steier, hier sowohl für die Regie als auch das Libretto verantwortlich zeichnete, aus einer entschieden weiblichen Perspektive neu gedeutet – und das in aller Schonungslosigkeit.||(Foto: van Rompay)
  • BERLIN||Giulio Cesare in Egitto

    25. April • Deutsche Oper • Autorin: Ursula Ehrensberger||David McVicars »Giulio Cesare«, 2005 in Glyndebourne erstmals gezeigt und auch auf DVD archiviert, dann mit ebenso großem Erfolg an die New Yorker Met übernommen, zählt dank seines immensen Unterhaltungsfaktors zu den populärsten Operninszenierungen überhaupt. Nun kam auch das Berliner Publikum in den Genuss dieser ideenreichen und humorvollen Produktion – und war offenkundig verliebt.||(Foto: Jesse)
  • WIESBADEN||Tristan und Isolde

    1. Mai • Autor: Marc Fiedler||Wenn ein Autor inszeniert, muss offenbar viel mitgelesen werden – so zumindest im »Tristan« der Internationalen Maifestspiele Wiesbaden, der nicht nur in einem Archiv spielte, sondern passend dazu gleich auch mit einer Flut an Textschildern daherkam, die neu verfasste Texte des Regisseurs enthielten.||(Foto: Borchardt)
  • MANNHEIM||Nabucco

    9. Mai • Autor: Kai Scharffenberger||Wenn »Nabucco«, dann dieser, lautet das überzeugte Fazit am Ende einer Neuproduktion, die die beliebte Verdi-Oper nicht als Historienspektakel, sondern aus der Perspektive der Shoah erzählt und mit klugen Regiehandgriffen nachdenklich machende neue Ebenen erschließt.||(Foto: Kleiner)
  • ZÜRICH||La clemenza di Tito

    3. Mai • Autor: Thomas Baltensweiler||Nicht immer bringt ein Happy End ein aufrichtiges Gefühl von zufrieden stellender Auflösung. Auch Damiano Michieletto scheint der titelgebenden Milde des Herrschers, mit der dieser dem groben Vertrauensmissbrauch durch seinen engsten Kreis begegnet, nicht so recht Glauben schenken zu wollen.||(Foto: Suter)
  • ST. GALLEN||Così fan tutte

    2. Mai • Autor: Thomas Baltensweiler||»Così« lädt wie kaum eine andere Oper zu immer neuen Deutungsvarianten ein – und ist darüber hinaus sehr gnädig mit Lücken zwischen Interpretation und Wortlaut. In St. Gallen wurde nun sehr gekonnt das bekannte Sozialexperiment ins Rollen gebracht – allerdings stand hier nicht die weibliche Treue, sondern das Konzept das Partnertauschs im Mittelpunkt des Geschehens.||(Foto: Dufajedyta)
  • MÜNCHEN||Il trovatore

    9. Mai • Nationaltheater • Autor: Jörg-Michael Wienecke||Ein „polnisches Duell“ erster Güte trug sich in der Wiederaufnahme des »Troubadour« zu, als Titelheld Piotr Beczała und der Graf Luna von Artur Ruciński aufeinandertrafen und ihre Ausnahmestimmen in den Ring warfen. Ebenfalls zu dem musikalischen Fest steuerte Rachel Willis-Sørensen als Leonora bei.||(Foto: Schied)

SPECIAL

  • IM BLICKPUNKT||Bayreuth in Shanghai

    Eine besondere Premiere gab es Ende April in Shanghai zu erleben: Katharina Wagners Neuinszenierung der »Walküre« – die erfreulicherweise keine runtergekochte Heldensaga war, sondern ein anspruchsvolles Deutungsangebot, das den zweiten Teil der Tetralogie als großes „Spiel“ präsentiert, innerhalb dessen sogar die Götter am Ende nur Gefangene sind… ||(Foto: Dong)
  • FOKUS||Opera Forward Festival

    10 Jahre OFF – auch in diesem Jahr war man gespannt, welche Neukreation, welches neue Format, welche neue Idee Musiktheater zu machen das Festival in die Welt entsenden würde. Wie schon in den vergangenen Jahren war man auch diesmal wieder nah am Zahn der Zeit – so standen unter anderem Verschwörungstheorien, politische Verfolgung, Transzendentales, aber auch Einsamkeit im Mittelpunkt der musikalischen Aufbereitungen.||(Foto: Borggreve)

NAMEN UND DATEN

  • CATHERINE FOSTER

    Sie ist die Brünnhilde unserer Tage: CATHERINE FOSTER. Dies hat die Sopranistin im fertig geschmiedeten Wuppertaler »Ring« erst kürzlich wieder erneut unter Beweis gestellt (OG 5/2026). Nun gestaltet sie Wotans Lieblings-Walküre im Rahmen eines Auftragswerks der Oper Dortmund und der Bayreuther Festspiele einmal anders. In »Brünnhilde brennt« mit der Musik von Bernhard Lang und einem Libretto von Michael Sturminger singt und spielt Foster zwei Frauenfiguren, eine Opernsängerin sowie die Brünnhilde, die in Wahrheit ein und dieselbe Person sind und für die Bühne (deren Leben) „brennen“. Da die Sanierung und der Umbau des Bayreuther Friedrichsforums (ehemalige Stadthalle) nicht rechtzeitig fertig werden, findet die Uraufführung am 3. August nun in konzertanter Form statt. Die erstmalige szenische Aufführung ist am Theater Dortmund für den 4. April 2027 angesetzt. Regie führt Neil Barry Moss, der designierte Intendant des Theater Münster.||(Foto: Arens)
  • PENE PATI

    „Ehrlich gesagt fällt es mir immer noch schwer, das zu glauben!“ Mit diesem Erstaunen kommentiert PENE PATI den Erhalt des prestigeträchtigen Ordens „Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres“, der ihm am 11. Mai in einer vom französischen Kulturministerium in Paris ausgerichteten Zeremonie verliehen worden ist. „Frankreich hat mir so viel gegeben – nicht nur eure Musik, sondern auch einen Ort, der sich wirklich wie ein zweites Zuhause angefühlt hat. Merci, dass ihr mich aufgenommen, unterstützt und mir dieses wunderschöne Repertoire anvertraut habt. Ich werde weiter hart arbeiten und mein Bestes geben, um dieser Ehre würdig zu sein“, so Pati in seiner auf Französisch gehaltenen Dankesrede nach einem Konzertauftritt im Théâtre des Champs-Élysées.

VORSCHAU

  • AILYN PÉREZ

    HOUSTON · Die Houston Grand Opera (HGO) eröffnet die Spielzeit 2026/27 mit der Oper »Susannah« des US-amerikanischen Komponisten Carlisle Floyd (23., 25., 31.10. + 6., 8.11.). Untermalt von einer genreübergreifenden Partitur, die von Revival-Hymnen und Appalachen-Volksliedern durchzogen ist sowie einem Libretto, ebenfalls von Floyd, wird die Oper in einer neuen Inszenierung der gefeierten Sopranistin und Regisseurin Patricia Racette präsentiert. Die erste Neuproduktion im neuen Jahr wird Verdis »Aida« (22., 24., 27., 30.1.+ 3., 5., 7.2.). In einer Inszenierung von Kaneza Schaal und unter der Leitung von Michele Gamba (Hausdebüt) singen Ailyn Pérez als Aida sowie Jonathan Tetelman und Adam Smith als Radames. Der Bariton Lucas Meachem gibt sein Rollendebüt als Aidas Vater Amonasro, die Mezzosopranistin Raehann Bryce-Davis singt die Amneris.||(Foto: Howard)
  • BRUNO DE SÁ

    LUDWIGSBURG · Bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen stehen im Sommer 2026 mehrere Musiktheater- und Vokalproduktionen auf dem Programm. Am 13.6. erklingt im Schlosstheater Händels »Orlando« in konzertanter Ausführung, mit Aude Extrémo in der Titelpartie unter der musikalischen Leitung von Marc Minkowsi am Pult seiner Musiciens du Louvre. Die offizielle Festspieleröffnung gebührt dann einem – ebenfalls konzertanten – »Nabucco« am 14. Juni, ein Gastspiel der Oper Mannheim mit ihrer Neuproduktion (siehe Aufführungen). Es singen Luca Salsi, Sung Min Song, Sung Ha, Csilla Boross. Mit »Aminta e Fillide« widmen sich die Schlossfestspiele einem frühen Bühnenwerk Georg Friedrich Händels (26., 27.6.), zu Gast ist hierfür Sopranist Bruno de Sá.||(Foto: Mauser)

AUDIO GESAMT

  • ELEKTRA - Richard Strauss

    Edward Gardner macht die Partitur der »Elektra« von Richard Strauss mit einer Neuaufnahme wieder in der Entwicklungsgeschichte der Oper erneut zum Wegweiser zur Moderne. Mit heute ungewohnter Schroffheit arbeitet er die brutalen Akzente heraus, entfernt die Partitur von der Walzerseligkeit, die der stampfende Tanzrhythmus auch hervorrufen kann. Seine Bergener Philharmoniker setzen dabei auf Kraftentfaltung, und beide scheuen sich nicht, klangliche Gegensätze herauszuarbeiten und die Brutalität der Partitur zu betonen. Dafür ist eine gute Besetzung zusammengekommen, die mit stimmlicher Kompetenz und der erforderlichen Stamina ihre Partien mehr als nur beherrscht.
  • MAZEPPA - Clémence de Grandval

    In der Ukraine ist der 1639 bei Kiew geborene Iwan Mazeppa ein Nationalheld, dessen Porträt auf der Zehn-Hrywnja-Banknote prangt, Voltaire (in „Histoire de Charles XII.“) und Lord Byron haben über ihn geschrieben, auch Puschkin (in „Poltawa“) und andere. Franz Liszt hat eine Tondichtung »Mazeppa« (1850) komponiert, und Peter Tschaikowsky hat nach seinem großen Erfolg mit »Eugen Onegin« (Moskau 1879) die Oper »Mazeppa« (Moskau 1884) folgen lassen. Und jetzt, wo die Zeit reif ist für die Wiedergutmachung an vergessenen Komponistinnen, taucht – mehr oder weniger aus dem Nichts – eine Oper von Clémence de Grandval (*1830) auf, deren Titel ebenfalls »Mazeppa« lautet.