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Das Opernglas – Ausgabe 02/2026

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INHALTSVERZEICHNIS


AUSGABE 02/2026

Das komplette Inhaltsverzeichnis mit allen Themen Weiter

EDITORIAL

  • EDITORIAL

    Autorin: Y. Han · Ausgabe 02/2026|| Spätestens seit der Pandemie – und erst recht angesichts der politischen Entscheidungen und Entscheider, mit denen die Weltgemeinschaft es seit einigen Jahren zu tun hat – wird uns immer wieder vor Augen geführt, dass vieles nicht mehr als selbstverständlich gegeben betrachtet werden kann. Dinge sind möglich, die man früher für unmöglich gehalten hat; und immer neue Extreme, sprachlos machende Zustände werden resigniert / erschöpft hingenommen. Die Eskalationsspirale dreht sich so schnell, dass man kaum noch hinterherkommt: welchen Brand will man löschen und bei welcher Baustelle kann man in diesem Moment einfach nur pragmatisch sein? Auch die Theaterlandschaft musste plötzlich der Tatsache ins Auge sehen, dass sie – Überraschung! – gar nicht als allgemeines Grundbedürfnis gilt, sondern im Gegenteil für viele maximal optional ist.%weiter%Die kürzlich zur Kammersängerin ernannte Nadine Lehner aus dem Bremer Ensemble beschreibt es in ihrem Interview mit uns recht treffend: „Wir alle hatten ja das Gefühl, dass wir etwas Besonderes machen und sind, aber zu der Zeit hat es die Öffentlichkeit kaum interessiert.“ Auch das On-Demand-Angebot, das in dieser Zeit unter Hochdruck ausgerollt wurde, wurde zum zweischneidigen Schwert, das schon damals die Gemüter spaltete: einerseits dringend benötigtes Lebenszeichen und qua Sprung auf die mobilen Endgeräte eine Anpassung an die heutige Zeit, andererseits die kapitulierende Einreihung und Assimilierung in die große und beliebige Welt des endlosen Online-Angebots. Doch wie soll und kann das adrette Musiktheater sich zwischen TikTok-Clips, Instagram-Reels, YouTube-Videos und den sich inflationär vervielfachenden Streaming-Dienstleistern seinen genuinen Reiz bewahren? Oper ist nichts Beliebiges, das sich über Bildschirme und die dazugehörigen Lautsprecher so konsumieren lässt, wie es die Kunstform verdient hat und gemacht ist. Und auch wenn in der „Demokratisierung“ solch eines niedrigschwelliger werdenden Angebots zweifelsohne viel Gutes liegt, kann darin allein nicht das Heil für die Branche im Ganzen liegen. Der digitale Konzertsaal kann und darf nicht denselben Stellenwert wie der reale erlangen, und es liegt in der Verantwortung aller Macher, sich nicht im Handlungsspielraum immer weiter zurückdrängen zu lassen, sich auf dieselbe Stufe wie ein YouTube-Video zu stellen und Zugeständnis um Zugeständnis zu machen, bis das Musiktheater totgespart und in die Belanglosigkeit hineinrationalisiert wurde. Denn wo das digitale Produkt höher gehängt und angepriesen wird, werden auf Dauer immer weniger Menschen einsehen, warum sie mehr Ressourcen in das haptische stecken sollen, obwohl der große Konsens sich allerorts gegenseitig versichert, wie viel mehr Freude das Haptische, das Echte bereitet. Nur investieren will darin niemand mehr. Sicherlich ist es unvermeidlich – wie oft gesagt –, dass Dinge sich ändern, schließlich bedeutet Theater immer auch Wandel, wie die eingangs schon zitierte Kammersängerin ebenfalls sagt; aber Wandel sollte sich nicht allein im ständigen Zugeständnis und atemlosen Hinterherrennen äußern. In hektischen Maßnahmen liegt selten langfristiger Erfolg… Nachdem auch Kinos immer mehr auf verlorenem Posten gegen Netflix und co. kämpfen (und ganz ehrlich, selbst im Kinosaal leuchtet hier und da gern mal ein Handybildschirm auf), sind unsere Theater inzwischen fast der letzte verbliebene Ort, an dem ein Handy wirklich einmal verstummen und aus bleiben muss und man einige selige Stunden lang vor der Welt und ihrer Dauererreichbarkeit verschont bleibt. Lassen Sie uns diesen „letzten Mohikaner“ mit vereinten Kräften schützen und bewahren. Denn so wie unser Titelkünstler sagt: „Wenn nicht in der Kunst, wo dann?“|| Ihre Yeri Han

DIE INTERVIEWS

  • DENNIS ORELLANA||WENN NICHT IN DER KUNST, WO DANN?

    Im honduranischen San Pedro Sula geboren und aufgewachsen wagte der junge Sopranist Dennis Orellana mit siebzehn Jahren den Sprung nach Europa, um in Madrid und Stuttgart Gesang zu studieren. Es folgte eine sich rasant entwickelnde Karriere, die ihn schon jetzt, mit Mitte zwanzig, an die Mailänder Scala und zu den Salzburger Festspielen geführt hat. Darüber, wie er die zurückliegenden Jahre erlebt hat, unterhielt er sich mit Yeri Han.||(Foto: Macías Barba)
  • NADINE LEHNER||KAMMERSÄNGERIN

    Seit über 21 Jahren singt sie im Ensemble des Theaters Bremen und hat sich nach dem Beginn im Soubrettenfach allmählich große Partien wie Kundry, Marschallin, Ortrud und nun Renata (»Der feurige Engel«) erarbeitet. Für ihre „herausragende künstlerische Leistung“ hat der Bremer Senat Nadine Lehner jüngst den Ehrentitel „Kammersängerin“ verliehen. Markus Wilks sprach mit der Sopranistin über diese Auszeichnung und den Berufsalltag im Ensemble.||(Foto: HfK_Berderow, Kirchner, Ölker)
  • MAXIMILIAN HABERSTOCK||FASZINATION ORCHESTER

    Maximilian Haberstock ist schon an der New Yorker Carnegie Hall sowie mit Lang Lang im Schloss Bellevue aufgetreten – sein Mentor war bis zu dessen Tod kein Geringerer als Mariss Jansons. Doch damit nicht genug: Auch sein eigenes Orchester hat der junge Dirigent schon gegründet, das „Junge Philharmonische Orchester München“, das in Kürze auf Konzerttournee geht. Mit Yeri Han unterhielt Haberstock sich über das, was ihn an seinem Beruf so fasziniert, aber auch herausfordert.

PREMIEREN

  • BERLIN||Fedora

    27. November ⋅ Deutsche Oper ⋅ Autorin: Ursula Ehrensberger||Der Erfolg einer »Fedora« steht und fällt mit der Titelbesetzung – und mit Vida Miknevičiūtė hatte die DOB das Glück, eine geradezu ideale russische Fürstin aufbieten zu können, die – nächster Glücksfall – mit Jonathan Tetelman ein vokal wie visuell große Freude bereitendes Liebespaar bildete.||(Foto: Stöß)
  • BERLIN||Les Contes d’Hoffmann

    16. November ⋅ Staatsoper Unter den Linden ⋅ Autorin: Ursula Ehrensberger||Nicht in Paris, sondern in New York muss Hoffmann in der neuen Staatsopernproduktion prägende Stationen seines Lebens noch einmal durchleben. Liegt es an Kindheitstraumata oder doch eher an den dubiosen Milieus, in denen der Dichter sich hier herumtreibt, dass er selbst so ein fragwürdiger Charakter ist?||(Foto: Uhlig)
  • BONN||Die Ameise

    14. Dezember ⋅ Autor: Jürgen Gahre||Während seines tragisch kurzen Lebens galt Peter Ronnefeld als Mann mit großer musikalischer Zukunft – heute ist sein Name in Vergessenheit geraten. Seine ehemalige Wirkungsstätte, die Oper Bonn, hat sich nun seiner 1935 uraufgeführten Oper »Die Ameise« angenommen, die kafkaeske Geschichte um einen alternden Gesangslehrer, der in ungesunder Obsession einer Schülerin verfallen ist.||(Foto: Stöß)
  • ZÜRICH||Die Fledermaus

    7. Dezember ⋅ Autor: Thomas Baltensweiler||Wer sich die »Fledermaus« vornimmt, wagt sich an einen gefährlichen Drahtseilakt, bei dem ein zu forsches Zupacken dem gesamten Werk seine so oft gerühmte Perfektion rauben kann: Wer origineller sein will als das Original, bringt es aus dem Lot. In diese Falle ist Zürichs Neuinszenierung des Klassikers getappt – konnte aber immerhin große musikalische Glanzmomente bieten.||(Foto: Prammer)
  • OSLO||The Turn of the Screw

    17. Januar ⋅ Autorin: Dimitra Will||Es muss nicht immer die effektvolle Patina sein – man kann auch ganz pur aus der Handlung heraus Atmosphäre bauen, so wie jetzt in Oslo geschehen, wo Brittens »Turn of the Screw« ohne große Effekthascherei, aber in cleanen, ästhetischen Bildern, das Publikum erschaudern ließ.||(Foto: Berg)
  • WUPPERTAL||Die Walküre

    18. Januar ⋅ Autor: Thomas Molke||Der konzertante »Ring« in Wuppertal geht weiter – und auch die lange im Vorfeld ausverkaufte »Walküre« konnte wie schon der „Vorabend“ einmal mehr das Publikum begeistern, mit atmosphärischen Lichtstimmungen in der Alten Stadthalle und zahlreichen musikalischen Höhepunkten.||(Foto: Dietrich)
  • BIELEFELD||Die diebische Elster

    16. Dezember ⋅ Autorin: Gabriele Helbig||Fast nur Superlative kommen einem in den Sinn, denkt man an »La gazza ladra« in Bielefeld zurück. Dabei geht es in dieser Neudeutung von Rossinis kurzweiliger opera semiseria nicht nur heiter zu – auch Gewalt, Vorurteile, Hass werden in diesem Werk um eine unschuldig des Diebstahls verdächtigte junge Frau gekonnt thematisiert.||(Foto: Stöß)
  • LAUSANNE||Barbe-Bleue

    22. Dezember ⋅ Autor: Thomas Baltensweiler||Beim schweizerischen Operettenschwerpunkt zum Jahreswechsel mischte auch die Oper Lausanne tatkräftig mit – und das mit großem Erfolg. Die Übernahme von Laurent Pellys »Barbe-Bleue« aus Lyon begeisterte das Publikum mit mitreißendem Unterhaltungspotenzial, tollen Stimmen und Dialogen. Nie war ein Frauenmörder fröhlicher!||(Foto: Parodi)
  • MÜNCHEN||La Bohème

    15. Dezember ⋅ Nationaltheater ⋅ Autor: Jörg-Michael Wienecke||Schon die Erstbegegnung mit Otto Schenks Münchner »Bohème« im Jahr 1980 hatte für unvergessliche Freude gesorgt – jetzt konnte eine Wiederbegegnung im Rahmen der vorweihnachtlichen Vorstellungsserie der legendären Produktion dieses Opernglück erneut bestätigen, auch dank eines gesanglich auftrumpfenden Benjamin Bernheims.||(Foto: Schied)

INFO

  • NAMEN UND DATEN

    AILYN PÉREZ hat sich mit der Aida eine neue Partie erarbeitet und wird diese an der Dresdner Semperoper erstmals am 11. Juni präsentieren. Aktuell gastiert sie als Tosca an der Staatsoper in Budapest (7., 12., 14.2.) sowie kurz darauf als Cio-Cio-San in »Madama Butterfly« an der Metropolitan Opera in New York. Zurück in Europa ist die amerikanische Sopranistin erneut als Tosca an der Bayerischen Staatsoper in München zu Gast (6., 9., 12.4.). Danach reist sie nach Rom, um an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Verdis »Messa da Requiem« mitzuwirken. Ein weiteres Highlight in ihrem vollen Terminkalender dürfte zudem die Elisabetta in Verdis französischer »Don Carlos«-Version darstellen, welche das Teatro Municipal in São Paulo mit ihr am 18., 20., 23. und 26. September auf den Spielplan gesetzt hat. ||(Foto: Howard)
  • NAMEN UND DATEN

    LORENZO VIOTTI ist zum Generalmusikdirektor des Opernhauses Zürich ernannt worden. Der in Lausanne geborene Künstler übernimmt den neuen Posten ab August 2028. Die anfängliche Vertragslaufzeit ist auf zwei Jahre festgelegt und orientiert sich an der aktuellen Amtszeit des Intendanten Matthias Schulz. Dieser ließ verkünden: „Mit Lorenzo Viotti kommt ein Schweizer Dirigent, der das Haus bestens kennt und international zu den prägenden Stimmen seiner Generation gehört. Seine Musikalität und Präsenz versprechen künstlerische Strahlkraft, Mut und neue Impulse für unser Programm.“ Viotti tritt die Nachfolge von Gianandrea Noseda an.||(Foto: Bally)

MEDIEN

  • AUDIO / SOLO – Megan Kahts: DOPO NOTTE

    Die südafrikanische Sängerin Megan Kahts widmet sich auf ihrer neuen CD einem der einst berühmtesten Kastraten, Giovanni Carestini, sowie einer Frau, die wohl als die erste Diva der Operngeschichte gelten kann und den Kastraten deren Platz als unumstrittene Opernstars streitig gemacht hat: Faustina Bordoni. „Wir Mezzi sind es gewohnt, Hosenrollen zu verkörpern“, so Kahts. „Bei Nachforschungen fand ich heraus, dass mehrere Rollen, die original für Carestini komponiert wurden zu meiner Stimme ideal passen. So entwickelte sich mein Interesse für ihn und für seine Stimme. Aus diesem Grund wollte ich mich den Rollen von Händel und Hasse widmen. Händel war schon immer mein Lieblingskomponist – aber warum Hasse? Die Ehefrau von J.A. Hasse war die Mezzosopranistin Faustina Bordoni. Diese Frau sehe ich als eine Art Vorbild aus einer Zeit, in der Frauen nicht viel erlaubt war und in der Oper Kastraten als die größten Sänger galten“. Damit ist das Programm ihrer neuen CD perfekt umrissen: Arien von Händel und Hasse, zwei der berühmtesten Opernkomponisten ihrer Zeit.
  • AUDIO / SOLO - Adriana González: RONDOS FOR ADRIANA

    Die 1991 in Guatemala geborene Sopranistin Adriana González macht enorme Fortschritte. Schon vor einigen Jahren war das damals technisch noch nicht so ausgereifte Talent von Agenten und Disponenten ins Rennen auch an große Häuser geschickt worden. Seitdem ist viel geschehen, die Stimme ist natürlich gereift, und man darf sie heute als jugendlich dramatischen Sopran bezeichnen mit einer nicht so häufig anzutreffenden persönlichen Koloraturbegabung, die keineswegs auf den vordergründigen Effekt setzt, sondern ansprechende individuelle Lösungen anbietet, die die Koloratur lässt, wo sie hingehört als Ergänzung zum Gesang auf dem Atem und nicht zum Selbstzweck degradiert. Die Stimme ist rund, gesund und ausgeprägt in allen Registern, die hervorragend verblendet werden und wirkt wie auf einem guten Tiefenfundament gebaut. Gonzales erinnert ein wenig an die unvergessene Christina Deutekom und hat mit einem wunderbaren Solo-Album all ihre Kunst gebündelt. Rondos for Adriana“ nimmt den Hörer zudem mit auf eine Entdeckungsreise mit höchst interessanten Arien, alle aus dem zeitlichen Umfeld von Wolfgang Amadeus Mozart.