Ihre Karriere verläuft wie das Ergebnis perfekter Manifestation – jetzt hat Justina Gringytė sogar ihr erstes Arien-Album herausgebracht. Darüber, wie...
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Ihre Karriere verläuft wie das Ergebnis perfekter Manifestation – jetzt hat Justina Gringytė sogar ihr erstes Arien-Album herausgebracht. Darüber, wie viel Disziplin, Arbeit und Selbstkenntnis dazugehören, sprach die litauische Mezzosopranistin mit Ursula Ehrensberger.
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Foto: Gabriela Vrobel
IM GESPRÄCH · SEITE 30
Helen Donath
Neuntes Lebensjahrzehnt
Während der Proben zu »Pique Dame« empfing uns Helen Donath in ihrer Garderobe an der Staatsoper Hannover. Ihre umjubelte Gräfin...
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Während der Proben zu »Pique Dame« empfing uns Helen Donath in ihrer Garderobe an der Staatsoper Hannover. Ihre umjubelte Gräfin hatte in mehrfacher Hinsicht Neuland für sie bedeutet: So sang die Künstlerin erstmals in russischer Sprache und wechselte vom lyrischen Sopran in eine deutlich tiefere Lage. Ein Gespräch mit Dr. Stefan Mauß über diese Herausforderung, ihr vermeintliches Karriereende sowie die ungebrochene Freude am Singen.
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Foto: Clemens Manser Photography
NACHGEFRAGT · SEITE 68
Bruno de Sá
Zwischen musikalischen Welten
Sopranist Bruno de Sá hat ein neues Album herausgebracht, „Uyaras – The Enchanted Voice“, das ins geheimnisvolle Reich der Meerjungfrauen,...
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Sopranist Bruno de Sá hat ein neues Album herausgebracht, „Uyaras – The Enchanted Voice“, das ins geheimnisvolle Reich der Meerjungfrauen, Gestaltenwandler und Sirenen entführt. Was die vom Barock bis zur Romantik reichende Zusammenstellung ihm bedeutet und wie es sich für ihn anfühlt, in seiner Muttersprache zu singen, verriet er Yeri Han.
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Auf den BühnenPREMIEREN & RUNDBLICK
Foto: Jung
KÖLN
Der Rosenkavalier
Nach vierzehn Jahren Sanierung ist die Oper Köln endlich wieder „zohus“. Zur Wiedereröffnung wird die Feldmarschallin bei Marie-Ève Signeyrole zur...
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27. September · Autor: Thomas Molke
Nach vierzehn Jahren Sanierung ist die Oper Köln endlich wieder „zohus“. Zur Wiedereröffnung wird die Feldmarschallin bei Marie-Ève Signeyrole zur Filmproduzentin, die der verrinnenden Zeit mit einem Kostümfilm beikommen will. Eine Idee mit Tücken – während Bianca Andrew und das Gürzenich-Orchester unter Andrés Orozco-Estrada musikalisch reichlich Grund zum Feiern liefern.
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Foto: Rittershaus
BERLIN
Lear
Ein Flughafenhangar als Schauplatz des Weltuntergangs – Barrie Koskys Idee, Reimanns »Lear« nach Tempelhof zu verlegen, erweist sich als Geniestreich....
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3. Oktober · Komische Oper · Autor: T. Kliche
Ein Flughafenhangar als Schauplatz des Weltuntergangs – Barrie Koskys Idee, Reimanns »Lear« nach Tempelhof zu verlegen, erweist sich als Geniestreich. Zwischen Tribünen, Gräbern und einer zur Banketttafel umfunktionierten Brücke entfaltet sich ein beklemmendes Macht- und Familiendrama, in dem Scott Hendricks die mörderische Titelpartie mit Bravour meistert. Ein Saisonauftakt von überwältigender Wucht.
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Foto: Julian Roeder
BERLIN
Mittwoch aus Licht
Helikopter, Weltparlament und ein Kamel aus dem All – mit Stockhausens »Mittwoch aus Licht« beginnt Aviel Cahn seine Berliner Intendanz...
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20. September · Deutsche Oper · Autorin: Ursula Ehrensberger
Helikopter, Weltparlament und ein Kamel aus dem All – mit Stockhausens »Mittwoch aus Licht« beginnt Aviel Cahn seine Berliner Intendanz denkbar ungewöhnlich. Musikalisch ist die seltene Begegnung mit dem Mammutwerk ein Ereignis. Susanne Kennedys Inszenierung lässt einen allerdings eher den Riten einer geheimnisvollen Sekte beiwohnen – und nicht jeden bis zum Schluss hellwach bleiben.
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Foto: Klenk
ULM
La Juive
Eine Grand Opéra im Stadttheater, dazu eine Verletzung und gleich mehrere Erkrankungen im Ensemble – die Vorzeichen für Halévys »La...
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9. Oktober · Autor: J.-M. Wienecke
Eine Grand Opéra im Stadttheater, dazu eine Verletzung und gleich mehrere Erkrankungen im Ensemble – die Vorzeichen für Halévys »La Juive« waren alles andere als günstig. Dass der Abend dennoch zum Triumph wurde, verdankte sich bewundernswertem Einsatz und erstaunlicher musikalischer Qualität. Besonders aufhorchen ließ ein junger Tenor: Joshua Spink als Léopold.
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Foto: Sigmund
STUTTGART
Lucia di Lammermoor
Diese Lucia mordet mit Kalkül: Katie Mitchell macht aus Donizettis Oper einen packenden Historienkrimi, der auch die sonst verborgenen Hintergründe...
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3. Oktober · Autor: J.-M. Wienecke
Diese Lucia mordet mit Kalkül: Katie Mitchell macht aus Donizettis Oper einen packenden Historienkrimi, der auch die sonst verborgenen Hintergründe des Familiendramas offenlegt. Die aus London übernommene Produktion bescherte Stuttgart einen opulenten Saisonauftakt – mit Chelsea Lehnea in der Titelpartie und einem kurzfristig eingesprungenen Paul Lungu, der als Edgardo auf Anhieb begeisterte.
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Foto: Wiener Staatsoper / Marcel Urlaub
WIEN
Eine florentinische Tragödie / Herzog Blaubarts Burg
Zwei Einakter, eine Paartherapie: Vasily Barkhatov verschränkte Zemlinskys »Florentinische Tragödie« mit Bartóks »Herzog Blaubarts Burg« zu einem Beziehungsdrama, dessen Abgründe...
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6. Oktober · Staatsoper · Autor: Thomas Rauchenwald
Zwei Einakter, eine Paartherapie: Vasily Barkhatov verschränkte Zemlinskys »Florentinische Tragödie« mit Bartóks »Herzog Blaubarts Burg« zu einem Beziehungsdrama, dessen Abgründe sich vor allem nach der Pause erschlossen. Asmik Grigorian glänzte in beiden Frauenrollen, während Alain Altinoglu im Graben eine Klangwelt entfesselte, deren bedrohlicher Intensität man sich kaum entziehen konnte.
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Foto: Bernd Uhlig
PARIS
Hamlet
Ein neuer Hauptdarsteller kann eine ganze Inszenierung verändern. Für die Wiederaufnahme von Warlikowskis »Hamlet« griff Paris zur Tenorfassung – und...
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9. Oktober · Opéra Bastille · Autor: M. Lehnert
Ein neuer Hauptdarsteller kann eine ganze Inszenierung verändern. Für die Wiederaufnahme von Warlikowskis »Hamlet« griff Paris zur Tenorfassung – und landete mit John Osborn einen Glückstreffer. Seine vorbehaltlose Hingabe an den zwischen Klinikalltag und Erinnerung gefangenen Prinzen machte das Konzept plötzlich packend. Auch mit Adela Zaharia als Ophélie wurde daraus gesanglich ein Ereignis.
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Foto: Björn Hickmann
GELSENKIRCHEN
Wozzeck
Ist Wozzeck nur Opfer – oder längst selbst Täter? Ilaria Lanzino versetzte Bergs Oper in die NS-Zeit und machte ihren...
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4. Oktober · Autor: Thomas Molke
Ist Wozzeck nur Opfer – oder längst selbst Täter? Ilaria Lanzino versetzte Bergs Oper in die NS-Zeit und machte ihren Titelhelden zum aufstiegswilligen SS-Anwärter. Eine schonungslose Lesart, die auch Marie Schuld auflud und das vertraute Ende veränderte. Am Musiktheater im Revier begann die neue Intendanz mit Bildern und Klängen, die unter die Haut gingen.
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Foto: Rückschloß
ANNABERG-BUCHHOLZ
Schmetterling
Eine Oper, an der reihenweise die Tenöre sterben, eine geheimnisvolle Standuhr und eine Zukunft voller geklonter Künstler: Daniel Behles zweite...
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14. Oktober · Text: G. Helbig
Eine Oper, an der reihenweise die Tenöre sterben, eine geheimnisvolle Standuhr und eine Zukunft voller geklonter Künstler: Daniel Behles zweite Operette »Schmetterling« hat es in sich. In Annaberg-Buchholz wird daraus eine fantasievolle Reise durch die Zeiten, die mit Kalauern und musikalischen Anspielungen unterhält – und am Ende überraschend eindringlich für Menschlichkeit und Kultur eintritt.
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Namen & DatenAKTUELLES
Foto: Konvalin
MÜNCHEN
Simon Rattle
Gemeinsam bis 2033
Simon Rattle bleibt dem Symphonieorchester und dem Chor des Bayerischen Rundfunks bis 2033 als Chefdirigent erhalten. Sein Vertrag wurde ab...
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Simon Rattle bleibt dem Symphonieorchester und dem Chor des Bayerischen Rundfunks bis 2033 als Chefdirigent erhalten. Sein Vertrag wurde ab der Saison 2028/29 um weitere fünf Jahre verlängert. Der 71-Jährige zeigte sich über die Fortsetzung seiner Arbeit in München begeistert: „Ich war noch nie glücklicher“, erklärte er und erinnerte an Herbert Blomstedts Wunsch zu seinem 70. Geburtstag, ihm mögen noch möglichst viele Jahre mit diesem Orchester vergönnt sein. BR-Intendantin Katja Wildermuth würdigte Rattles künstlerische Strahlkraft und seinen Entdeckergeist, vor allem aber auch seinen Einsatz dafür, junge Menschen für Musik zu begeistern und ihnen kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.
Foto: Peter Adamik
BERLIN
Thielemann & Sobotka
Kontinuität bis 2034
Christian Thielemann und Elisabeth Sobotka bleiben der Staatsoper Unter den Linden bis zum 31. Juli 2034 verbunden. Die Verträge des...
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Christian Thielemann und Elisabeth Sobotka bleiben der Staatsoper Unter den Linden bis zum 31. Juli 2034 verbunden. Die Verträge des Generalmusikdirektors und der Intendantin wurden vorzeitig verlängert; die Unterzeichnung erfolgte am 14. Oktober durch Kultursenator Stefan Evers im Beisein von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Damit setzt das Haus auf Kontinuität an seiner seit 2024 amtierenden Spitze. Sobotka sieht in der Verlängerung die Möglichkeit, auf dem guten Start der gemeinsamen Arbeit aufzubauen. Thielemann freut sich auf die weitere Zusammenarbeit mit ihr und der Staatskapelle Berlin – und darauf, neben der Pflege des Kernrepertoires auch Neues zu entdecken.
Audio / SoloNEUE AUFNAHMEN
Foto: Chris Gonz
NEU GEHÖRT
Christian Van Horn
The Debut Solo-Album
Ein Debütalbum, bei dem man sich fragt, warum es so lange auf sich warten ließ: Christian Van Horn präsentiert große...
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Ein Debütalbum, bei dem man sich fragt, warum es so lange auf sich warten ließ: Christian Van Horn präsentiert große Arien seines Fachs mit einer Selbstverständlichkeit, die selten geworden ist. Der hohe Bass verfügt über eine stupende Technik, mühelos verbundene Register und ein sicheres Stilempfinden – Voraussetzungen, die gerade bei den dämonischen Verführern des Repertoires den Unterschied machen. Boitos Mefistofele braucht bei ihm beispielsweise weder künstliche Schwärze noch übertriebene Effekte, um seine Wirkung zu entfalten. Ebenso überzeugend gelingen Verdis Zaccaria und Filippo, deren innere Konflikte in dieser unprätentiösen, dabei höchst intensiven Gestaltung unmittelbar erfahrbar werden. Das Kaunas City Symphony Orchestra unter Constantine Orbelian ist ihm ein aufmerksamer und kraftvoller Partner. Ein Ausnahmebass auf der Höhe seiner Kunst – mit einem kleinen Wermutstropfen für CD-Sammler: „The Debut Solo-Album“ erscheint im November zunächst digital. Für Dezember ist eine signierte, auf 1000 Exemplare limitierte Vinyl-Ausgabe vorgesehen.
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Foto: Tim Tronckoe
NEU GEHÖRT
Jeanine De Bique & Terry Wey
Addio Amore
Aus einer verhinderten Bühnenbegegnung kann durchaus etwas Schönes entstehen. Jeanine De Bique und Terry Wey sollten 2020 gemeinsam in Händels...
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Aus einer verhinderten Bühnenbegegnung kann durchaus etwas Schönes entstehen. Jeanine De Bique und Terry Wey sollten 2020 gemeinsam in Händels »Giulio Cesare« auftreten, doch die Pandemie machte den Plan zunichte. Dass ihre Stimmen hervorragend miteinander harmonieren, hatten die beiden dennoch längst bemerkt – und beschlossen, diese Entdeckung auf einem Album festzuhalten. „Addio Amore“ versammelt barocke Arien und Duette über Abschied und Trennungsschmerz, die hier mit so viel Empfindung gesungen werden, dass man sich dem traurigen Thema ausgesprochen gern anvertraut. Schon in Musik aus »Meride e Selinunte« verbinden sich Sopran und Countertenor zu einem beglückenden Miteinander, dessen Krönung Händels „Io t’abbraccio“ aus »Rodelinda« bildet. Auch die Beiträge von Albinoni, Hasse und Giacomelli lohnen das genaue Hinhören und machen die Zusammenstellung für Barockfreunde reizvoll. Das Kammerorchester Basel begleitet präzise und mit feinem Gespür für die beiden Solisten.
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Foto: Simon Fowler
NEU GEHÖRT
Fatma Said
The Pyramids Recital
Vor den Pyramiden von Gizeh zu singen, war für Fatma Said ein Herzenswunsch. Mit „The Pyramids Recital“ liegt nun der...
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Vor den Pyramiden von Gizeh zu singen, war für Fatma Said ein Herzenswunsch. Mit „The Pyramids Recital“ liegt nun der Mitschnitt eines privaten Konzerts an jenem Ort vor, dessen Geschichte und Atmosphäre die ägyptische Sopranistin nach eigener Aussage bis in ihren Gesang hinein inspirierten. Das Programm reicht in fünf Sprachen von Mozart, Händel, Puccini und Saint-Saëns bis zu Chansons und arabischen Liedern. Neben „O mio babbino caro“ stehen „La vie en rose“ und „Für mich soll’s rote Rosen regnen“; mit dem einst von Dalida gesungenen „Helwa ya baladi“ verneigt sich Said vor ihrer Heimat. Das apart verhangene, an Ileana Cotrubas erinnernde Timbre entfaltet dabei seinen besonderen Reiz. Gleichwohl bleibt bei dieser makellos konfektionierten Zusammenstellung die Frage, wohin die stimmliche Reise gehen soll. Zu sehr scheint sich das Programm dem seidenen Klang unterzuordnen, zu selten wagt die Sängerin in den Opernarien einen Schritt über die sorgsam abgesteckten Grenzen hinaus. So hört man ein sehr persönliches, klangschönes Album einer Künstlerin mit unverwechselbarer Ausstrahlung – und wünscht sich bei aller Bewunderung gelegentlich etwas mehr Risiko.
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Yeri Han
ZUM AUFTAKT
Editorial
Oftmals wird der sogenannten Hochkultur vorgeworfen, sie repräsentiere nicht länger die breite Gesellschaft, sondern nur eine schmale Spitze – nimmt man es aber ganz genau, spiegelt sich eigentlich sehr viel von unserer heutigen Gesellschaft und ihren Gräben-ziehenden Konflikten auch in der Kultur wider: veraltete Strukturen, frappierend lange Amtszeiten, vor...Editorial vollständig lesen +
Oftmals wird der sogenannten Hochkultur vorgeworfen, sie repräsentiere nicht länger die breite Gesellschaft, sondern nur eine schmale Spitze – nimmt man es aber ganz genau, spiegelt sich eigentlich sehr viel von unserer heutigen Gesellschaft und ihren Gräben-ziehenden Konflikten auch in der Kultur wider: veraltete Strukturen, frappierend lange Amtszeiten, vor allem aber auch Uneinigkeit darüber, welche Sujets in welchem Gewand einen Platz auf unseren Bühnen verdient haben. Hier prallen die Fraktionen teils aufeinander wie im politischen Tagesgeschehen Rechts und Links – denn so wie in zweitgenanntem Diskurs den einen gern vorgeworfen wird, Themen Gewicht zu geben, die den „kleinen Mann“ herzlich wenig interessieren, versteht auch nicht jeder Operngänger, warum er sich eine Produktion zu Gemüte führen sollte, die Polizeigewalt, Menschenrechte – oder auch den Ukrainekrieg verhandelt wie die kürzlich in Warschau uraufgeführte Oper »Mothers of Kherson«, die den Kampf ukrainischer Mütter um ihre entführten Kinder thematisiert. Ist eine als Ausstattungsschlacht verpackte »Bohème« da nicht viel schöner und unterhaltsamer? Kriege ich da nicht viel mehr für mein hart verdientes Geld? Und was geht es mich an, ob mit Missy Mazzoli erstmals eine Frau einen Kompositionsauftrag der Metropolitan Opera erhalten und erfolgreich zur Uraufführung gebracht hat? Je größer die existenziellen Nöte des Alltags, desto kleiner wird – und das ist nur natürlich – auch die Muße, sich um Dinge zu scheren, die zunächst keine sichtbare Schnittmenge mit dem eigenen Leben haben. Als Kunst inszenierte Reflexionen über problematische Zustände unserer Zeit oder das Leben von Minderheiten erscheinen da sehr weit weg und vermutlich auch maximal uninteressant, wenn der Primäranspruch ist, zunächst einmal gut unterhalten zu werden. Es erfordert aktives Interesse, viel Empathievermögen und finanziellen Spielraum, um sich auch das zu geben, was uns Musiktheater jenseits von einer »Carmen« anbietet. Doch so wie im Vorfeld von Donald Trumps zweiter Präsidentschaft viele Amerikaner in Umfragen „Was interessiert mich die Ukraine?“ zu Protokoll gaben, zeigt sich auch hierzulande, dass die Toleranz für alles außerhalb unserer unmittelbaren Bedürfnisse zunehmend schwindet. Man schaut nur noch auf die Kurz-, weniger auf die Langstrecke – ungeachtet der Folgen, die das möglicherweise nach sich ziehen könnte für uns als Gesellschaft und als Demokratie.
Dabei lehrt uns gerade das Musiktheater immer wieder, wie wichtig die lange Sicht ist. Auch die vor Ihnen liegende Ausgabe besinnt sich in Interviews wie auch in den zahlreichen Rezensionen auf einige essenzielle Tugenden, die wir jetzt mehr denn je fest im Blick behalten sollten: was gut werden soll, braucht den langen Atem – vor allem aber auch das Vertrauen und den Glauben an den langen Weg, wie es uns Sängerinnen und Sänger immer wieder ganz exemplarisch vorleben. Das, was wir am Musiktheater haben, gewinnt aktuell immer akuter und stärker an Wert – und das schließt das Bestehende wie das neu Entstehende gleichermaßen ein. In einer Phase, in der besessener denn je am Bildschirm geklebt wird, mehr und mehr geködert durch KI-Clips der banalsten Sorte, halten unsere Theater das Gegengift bereit. Umso wichtiger ist es, auch für die vermeintlich sperrigen neuen Werke und ihre Geschichten einen Platz in unserem Herzen freizuhalten. Die Fähigkeit zum Blick über den Tellerrand verlernt sich schneller, als man denkt. Wir sollten sie uns bewahren!
Eine inspirierende Lektüre wünscht Ihnen auch in diesem Monat
Ihre Yeri Han
DIE GESAMTE AUSGABE
Inhaltsverzeichnis
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