
EDITORIAL
Autorin: Y. Han · Ausgabe 09/2025||Willkommen zurück, liebe Leser – zu einer Ausgabe, Sie kennen es, zwischen Festspielzeit und neuer Saison, in der wir gemeinsam so manchen Festivalmoment rekapitulieren. Was war besonders lohnend? Was gräbt sich ins Gedächtnis? Bayreuth, das sich in den Augen vieler mit Tobias Kratzers »Tannhäuser« eine inzwischen geradezu verklärte Messlatte gesetzt hat, die es nach Möglichkeit erneut zu erreichen, wenn nicht zu überbieten gilt, konnte mit farbenfrohen und auch musikalisch Glanzpunkte setzenden »Meistersingern« punkten – und stellt sich auch für die kommenden Jahre vielversprechend auf, wie man hört. Wenn da alle (auf Jahre) halten können, was ihre Karriere jetzt verspricht, warten vielleicht die ersehnten neuen Höhepunkte.
Aber was greife ich auf die kommenden Seiten vorweg – wir möchten Sie schließlich nicht nur zur neuen Ausgabe nach der Sommerpause willkommen heißen, sondern zu einer ganz besonderen: nämlich der 500. Ausgabe vom
„Opernglas“! Ein selbst für uns, die wir Meilensteine und Ähnliches in norddeutscher Manier nie an die große Glocke gehängt haben, schöner Anlass, der nach schwierigen Corona-Jahren und inmitten von Zeiten immer weiter voranschreitender Einschnitte in Kultur und Feuilleton ein klares Zeichen dafür setzt, dass es diese vermeintliche „Nische“ Musiktheater unbedingt wert ist, im Gespräch zu bleiben und mediale Sichtbarkeit zu bekommen. Fünfhundert Ausgaben haben ihren Weg stetig und verlässlich zu Ihnen gefunden, den langjährigen wie immer wieder neu hinzukommenden Lesern, und das ganz nach dem Motto „come rain come shine“. The show must go on, so groß die Herausforderung etwa zu der erwähnten Pandemie-Zeit auch mal gewesen sein mag.
Fünfhundert Ausgaben – das ist inzwischen eine kleine Chronik dessen, wo das Opernbusiness einmal war, wie es sich gewandelt hat und wohin es jetzt (vielleicht?) gerade unterwegs ist. Als „Das Opernglas“ geboren wurde, gab es viele alles überstrahlende Sängernamen, Produktionen, derer sich bis heute Menschen gern erinnern; und natürlich eine mit viel Geld und Aufwand betriebene Aufnahmeindustrie, die ihrerseits Tondokumente und Gesamtaufnahmen von bis heute gültigem Vorbildcharakter hervorgebracht hat. Studio-Gesamtaufnahmen sind heute zum Luxus geworden, Tageszeitungen drucken immer weniger Premierenberichte, Fachzeitschriften erscheinen weltweit in immer niedrigerer Frequenz oder werden sogar ganz aufgegeben. Umso größer sind Stolz und Freude, dass das „Opernglas“ es allen Unkenrufen und gelegentlichen Widrigkeiten zum Trotz bis hierhin geschafft hat, voller Überzeugung und in ungebrochener Liebe zum Musiktheater. Es war uns daher eine große Freude, zu diesem Anlass erneut mit dem Mann zu sprechen, der die Opernbranche noch länger begleitet hat, von ihren goldenen Zeiten durch alle Wechselfälle hindurch bis jetzt – und offenbar noch weiter hinaus: Plácido Domingo, der mit seiner beispiellos langlebigen Karriere nicht nur für die Glanz einer Opern-Ära steht, sondern mit seiner Jahr für Jahr Stars von morgen hervorbringenden „Operalia“ ganz exemplarisch auch für gelingende Nachwuchsförderung.
Und so wie unser Titelkünstler lassen auch wir es uns nicht nehmen, weiter mit voller Fahrt voraus den Blick nach vorn gerichtet zu lassen, denn so viel ist gewiss: Die Theaterlandschaft wird auch in der nahen wie weiten Zukunft Unvergessliches für uns bereithalten und neue Legenden schreiben.
In diesem Sinne: Auf zum nächsten Jubiläum!
||
Ihre Yeri Han und die gesamte Opernglas-Familie