AKTUELLES HEFT: Ausgabe 09/2021

Umjubelte Festspielereignisse gab es in diesem Sommer: »Don Giovanni« unter der Leitung von Teodor Currentzis in Salzburg oder den »Fliegenden Holländer« mit Asmik Grigorian als Senta in Bayreuth. Mit besonderer Spannung erwartet wurde auch das Tristan-Debüt von Jonas Kaufmann in München. In Erl spielte man zum »Ring«-Auftakt das »Rheingold« und zeigte außerdem Humperdincks »Königskinder«. Eine zwiespältige Aufnahme fand eine Rarität bei den Bregenzer Festspielen, wo man im Festspielhaus Arrigo Boitos unvollendeten »Nerone« zur Diskussion stellte. Eine Rarität auch bei den St. Galler Festspielen: »Notre Dame« von Franz Schmidt, und bei den „Weißen Nächten“ in St. Petersburg gab sich Anna Netrebko die Ehre. Eine Premiere zum Saison-Ausklang: »Werther« in Stuttgart mit Arturo Chacón-Cruz.

Die Interviews: Der Countertenor Jakub Józef Orliński, der eine Fortsetzung seines Debütalbums vorstellt, die Mezzosopranistin Ekaterina Semenchuk, die den Sprung von den großen dramatischen Rollen des Verdi-Fachs zur Kundry in Bayreuth wagt, und der junge Schweizer Dirigent Lorenzo Viotti, neuer Musikdirektor in Amsterdam.

Nachfolgend finden Sie einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen dieser Ausgabe. Eine ausführliche Übersicht bietet das Inhaltsverzeichnis.

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EDITORIAL

EDITORIAL

Autor: Y. Han · Ausgabe 09/2021

Wir sind zurück aus der Sommerpause – wobei das Wort „Sommerpause“ genau genommen nicht ganz zutreffend ist, schwärmen wir zwischen den Spielzeiten doch in alle Richtungen aus, um uns mit einer prallen Festival-Ausbeute bei Ihnen zurückzumelden. Auch dieser Pandemie-Sommer war wieder ein guter, der europaweit viel Programm, darunter auch die „light“-Rückkehr der Bayreuther Festspiele mit reduzierter Besucherzahl, ermöglicht hat, mancherorts waren Aufführungsbesuche sogar ganz ohne die in Vorstellungen doch auch strapaziöse Maskenpflicht möglich, strenge Kontrollen von Impf-, Genesungs- oder Testnachweisen vorausgesetzt, wie sich versteht.
Wir alle sind an diese Regularien inzwischen so gewöhnt – Veranstalter bieten schon längst reibungslose Abläufe wie am Schnürchen und diesen wird von den herbeiströmenden Besuchern mit absoluter Selbstverständlichkeit begegnet. So mancher wird inzwischen aber sicherlich auch schon die Erfahrung gemacht haben, dass die Schere im Umgang mit Abständen auseinanderzuklaffen beginnt. Im bulgarischen Varna beispielsweise sitzen die Gäste bereits wieder dicht an dicht, schütteln sich begeistert die Hände, in St. Petersburg verströmen die zum Bersten gefüllten Konzert- und Opernsäle vorübergehend die Illusion, dass Corona vorbei sei, und auch im Passionsspielhaus von Erl kam man sich deutlich näher, als man es zuletzt gewohnt gewesen war, und das sogar ganz ohne Maske! Hin und wieder hört man dazwischen den Satz „Wie normal das alles geworden ist!“ – und fragt sich bei der Gelegenheit in der Tat, wie schnell die Rückumgewöhnung in die alte Normalität uns wohl gelingen wird, nachdem wir zwei Jahre unter Einhaltung von Abstandsregeln, getrennt von mehreren Plätzen und Reihen voneinander Musiktheater erlebt und gelebt haben. Distanzen prägen uns, schließlich ist der Mensch nicht als Insel, sondern als Gemeinschaft brauchendes Wesen gemacht. Keine Auflage aber kann musikalisches Glück trüben, selbst wenn darunter bei hochsommerlichen Temperaturen der Schweiß in Strömen rinnt und das Atmen zum Akt werden kann. Dass Musik symbolisch stehen kann für Gemeinsamkeit, Solidarität, Teamgeist ist während der zurückliegenden Monate immer wieder betont worden. Und auch wenn die Aussage, dass Musik darüber hinaus auch die Kraft hat zu heilen, manchem übertrieben pathetisch vorkommen mag, ist es vielleicht trotzdem ratsam, dem einen gewissen Raum einzuräumen, denn diese Zeiten, in denen sich menschliche Abgründe offenbart haben, Scheren zwischen Gesellschaften erschreckend weit auseinandergegangen sind, man Mitmenschen mit anderen Augen zu sehen begonnen hat, sind heilende Faktoren leider bitter notwendig. Lassen Sie uns also nicht den Kraftakt vergessen oder als selbstverständlich ansehen, mit dem im zweiten Corona-Jahr in Folge allen Widrigkeiten zum Trotz Opernfestspiele auf die Bühnen gehoben, spannende Neuinszenierungen einstudiert und aufgeführt worden sind. Letzten Endes ist es ein Privileg, Kultur zu seinen Grundbedürfnissen zählen zu können. Ich hoffe, dass diese September-Ausgabe mit ihrem ausgiebigen Überblick über die bisherigen Festspielfreuden einige lebhafte Eindrücke des Sommers vermittelt – der ja noch lange nicht vorbei ist! „To be continued…“, wie es so schön heißt.
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INTERVIEWS

Das Interview: JAKUB JÓZEF ORLIŃSKI – Im sonnigen Park

Autor: Y. Han · Ausgabe 9/2021

Der Countertenor Jakub Józef Orliński ist unter den berühmten Sängern unserer Zeit mit seinen 30 Jahren noch ein relativ junger, aber irgendwie auch schon erfahrener „alter Hase“, dem in seinen Konzerten die Herzen zufliegen – und das nicht nur weil er so schön unkonventionell ist und Breakdance beherrscht. Ein Gespräch über seine Opernpläne, sein neues Album und natürlich noch viel mehr.
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Im Gespräch: EKATERINA SEMENCHUK – Musiktheater ist erster

Autor: S. Barnstorf · Ausgabe 9/2021

Gerade haben die Bayreuther Festspiele bekanntgegeben, dass Ekaterina Semenchuk die Kundry in der Neuproduktion des »Parsifal« im Sommer 2023 übernehmen wird. Die in Minsk geborene Mezzosopranistin vollendete ihre Ausbildung in St. Petersburg, wo sie bereits während des Studiums 1999 am Mariinsky-Theater debütieren durfte. Ein Treffen in der Stadt, die sie heute als ihre Heimat bezeichnet.
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Nachgefragt: LORENZO VIOTTI – Leidenschaftliche Musikalität

Autor: C. Behn · Ausgabe 9/2021

Der Schweizer Dirigent stammt aus einer Musikerfamilie – sein Vater war der bekannte Dirigent Marcello Viotti, die Mutter die Geigerin Marie-Laure Viotti, seine drei Geschwister sind ebenfalls Profimusiker –, und tritt nun mit der Spielzeit 2021/22 die Stelle des Generalmusikdirektors der Amsterdamer Oper und der Niederländischen Philharmoniker an.
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AUFFÜHRUNGEN

SALZBURGER FESTSPIELE Don Giovanni

29. Juli ∙ Großes Festspielhaus · Autor: M. Schabel · Ausgabe 9/2021

Grandiose Bildwelten und ein spritziges Dirigat sorgten für einen festspielwürdigen »Don Giovanni« in Salzburg. Unter den Solisten ragten Michael Spyres als Don Ottavio und Nadezhda Pavlova als Donna Anna heraus.
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BAYREUTHER FESTSPIELE Der fliegende Holländer

25. Juli ∙ Festspielhaus ∙ Autor: S. Barnstorf · Ausgabe 9/2021

Ist Erlösung von einem Kindheitstrauma durch Vergeltung möglich? Der Holländer kehrt in seine Stadt zurück, um seine persönliche Erlösung in der Rache zu finden. Dmitri Tcherniakovs Neuinszenierung kennt keine Mystik.
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MÜNCHNER OPERNFESTSPIELE Tristan und Isolde

29. Juli · Nationaltheater · Autor: J.-M. Wienecke · Ausgabe 9/2021

Zur Eröffnung der letzten Festspiele unter der Ägide von Nikolaus Bachler war der »Tristan« als Münchner Heimspiel und finale Herzensangelegenheit gerade gut genug. Jonas Kaufmann, der sich nach langen Monaten stark reduzierter Corona-Spielpläne ausgeruht wie selten präsentierte, erkannte ganz offensichtlich das richtige Momentum für das avisierte Debüt in der Traumpartie.
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ST. GALLER FESTSPIELE Notre Dame

25. Juni ∙ Klosterhof · Autor: Th. Baltensweiler · Ausgabe 9/2021

Die St. Galler Festspiele, die im Klosterhof vor der wunderbaren Barockkathedrale stattfinden, sind stets auf der Suche nach selten gespielten Opern, deren Handlung in einen Bezug zum Aufführungsort treten kann. Diesmal war die Wahl auf Franz Schmidts »Notre Dame« gefallen. Der Regisseur Carlos Wagner hat Esmeraldas Geschichte mit handwerklichem Geschick inszeniert, die Bühne zeigt eine riesige Rosette, in deren Maßwerk sich das Licht stimmungshaft brechen kann.
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ST. PETERSBURG – STARS OF THE WHITE NIGHTS Macbeth

19. Juni ∙ Mariinsky I ∙ Autor: S. Barnstorf · Ausgabe 9/2021

Noch zwei Tage zuvor hatte Anna Netrebko an der Wiener Staatsoper die Lady Macbeth in der Neuproduktion von Barrie Kosky gegeben, um dann für einen Abend in St. Petersburg in gleicher Rolle aufzutreten und schon zwei Tage später wiederum in »Macbeth« in Wien auf der Bühne zu stehen. Für Beteiligte und Zuschauer sicher eine „Win-Win-Situation“ in den längsten Tagen des Jahres - ihr Mann Yusif Eyvazov trat tags darauf in »Pique Dame« auf.
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TIROLER FESTSPIELE ERL Königskinder

9. Juli · Festspielhaus · Autor: Y. Han · Ausgabe 9/2021

Die herzzerreißende Geschichte von zwei Außenseitern, die an eine bessere Welt glauben und diese mit ihren Mitmenschen teilen wollen, mit ihrem Idealismus aber an einer desinteressierten Welt und ihren zynischen Bürgern zerschellen, erleidet ein Ende, wie es trauriger nicht sein könnte, und würde den Zuschauer recht betroffen und nachdenklich zurücklassen, wenn nicht gleichzeitig das große musikalische Glück für das gesehene Bühnenleid „entschädigen“ würde.
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BREGENZER FESTSPIELE Nero

2. August · Festspielhaus · Autor: J.-M. Wienecke · Ausgabe 9/2021

Das 1842 geborene Multi-Talent Arrigo Boito überarbeitete sein Schmerzenskind immer wieder, kürzte, revidierte, um anschließend neue Errungenschaften seiner künstlerischen Entwicklung zu berücksichtigen, hat es aber nicht vermocht, die Arbeit zu Lebzeiten abzuschließen. Der finale fünfte Akt, der Nero als dem Wahnsinn verfallenen Cäsaren hätte zeigen sollen, fehlt gänzlich. Der Kaiser selbst sah sich in der Doppelrolle des göttlichen Herrschers und selbst ernannten Künstlers als einzigartig. Ein Profil, das den Komponisten wohl besonders gereizt hat.
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VARNA SUMMER Gräfin Mariza

18. Juni · Opernhaus · Autor: Y. Han · Ausgabe 9/2021

In Varna ist Mariza zwar keine Aristokratin, dafür aber ein gefeierter und ebenso heiß umworbener Bühnenstar. Vera Nemirovas erst kürzlich im Opernhaus des an der bulgarischen Schwarzmeerküste gelegenen Varna zur Vor-Premiere gekommene Neuinszenierung von Emmerich Kálmáns »Gräfin Mariza« hatte mit ihrer Frische und dem schwungvollen Bühnengeschehen zwar auch die kulturaffinen Kenner entzückt, vor allem aber im Ensemble und der sehr jugendlichen Besetzung für nachhaltige Begeisterung, Inspiration und Feuer gesorgt. Eine rundum erfreuliche Opernvorstellung also, die sich in dieser Form auch für so manch anderes Opernhaus anbietet.
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SPECIALS / INFO

NAMEN UND DATEN

Elisabet Strid singt im Oktober erstmals die Eva in Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg« an der Oper Leipzig, wo sie im November auch die Senta in »Der Fliegende Holländer« singen wird. Am Teatro del Maggio Musicale Fiorentino in Florenz gastiert Strid zudem in Bruckners »Te Deum« zur Eröffnung des neuen Hauses unter der Leitung von Zubin Mehta und debütiert dort im Januar 2022 als Leonore in »Fidelio«.

VORSCHAU

Zum Ende seiner letzten Saison als Intendant der Komischen Oper Berlin inszeniert Barrie Kosky »Falstaff« – Scott Hendricks ist der Titelheld, Ruzan Mantashyan Alice Ford. Ab Sommer 2022 soll das Haus in der Behrenstraße dann für voraussichtlich fünf Jahre wegen einer Generalsanierung geschlossen werden.

IM BLICKPUNKT

Brucknerfest Linz

Das Internationale Brucknerfest Linz steht dieses Jahr unter dem Motto „Mutige Impulse-Bruckner und seine Schüler*innen“ und widmet sich der Generation von Musikschaffenden, auf die Bruckner in seiner 50-jährigen Lehrtätigkeit am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde sowie an der Universität Wien und im Rahmen privater Kompositionsstunden einen prägenden Einfluss hatte. Auch Raritäten stehen auf dem Programm, von denen kaum eine je im Brucknerhaus Linz zu hören war – von Schülern Bruckners etwa. Ein weiteres bewährtes Highlight der in diesem Jahr zum vierten Mal unter der Intendanz von Dietmar Kerschbaum stehenden Festspiele ist die Linzer Klangwolke: eine Reihe von drei Freiluftkonzerten, die 1979 ins Leben gerufen wurde und seither Millionen Besucher in den Linzer Donaupark zieht. Das Motto der diesjährigen „Klangwolke“: PANTA RHEI, was altgriechisch ist und so viel bedeutet wie „Alles bewegt sich, alles fließt“.

AUDIO

AUDIO / SOLO

Marian Elina-Blanche Anderson gilt auch heute noch, beinahe 30 Jahre nach ihrem Tod am 8. April 1993, als eine US-amerikanische Ikone. Die Altistin war an jenem legendären 7. Januar im Jahre 1955 die erste afroamerikanische Sängerin, die auf der Bühne der alten Metropolitan Opera in New York als Solistin auftrat. Im Jahr 1939 hatte die konservative Frauen-Vereinigung „Töchter der amerikanischen Revolution“ in ihrem Heimatland Andersons geplanten Bühnenauftritt in der Constitution Hall von Washington verhindert. Die immer äußerst couragierte Präsidentengattin Eleanor Roosevelt trat daraufhin nicht nur aus der Organisation aus, sondern das Ehepaar Roosevelt organisierte am Ostersonntag des gleichen Jahres ein Open-Air-Konzert an dem rund 75000 Menschen teilnahmen. Bei SONY ist jetzt ein wunderbarer Erinnerungsband mit tollen Fotos (u.a. mit dem jungen Leonard Bernstein, mit dem Anderson 1947 in New York vor knapp 2000 Zuschauern auftrat) gleichermaßen als Bilderbuch und CD-Box mit 15 historischen Aufnahmen herausgekommen, die alle Facetten von Andersons Gesang abbilden.

DVD / BLURAY

DVD / BLURAY

2017 war die Oper »Ariodante« von Georg Friedrich Händel die Sensation der Salzburger Pfingstfestspiele gewesen. Jetzt ist die vielgerühmte Inszenierung von Christof Loy in einem vorzüglich gelungenen Livemitschnitt auf DVD erhältlich. Schon das Coverbild macht neugierig auf diese Produktion: Wir sehen Cecilia Bartoli in der Titelrolle mit schwarzem Vollbart und einem Schwert in der Hand. Nicht minder gelungen ein Mitschnitt der Oper »Mireille« von Charles Gounod aus der Pariser Oper mit Inva Mula in der Titelrolle und Charles Castronovo als verliebtem Vincent.