ePAPER Ausgabe 01/2013

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Große Oper: Londons Royal Opera präsentierte Meyerbeers »Robert le diable« mit Bryan Hymel und Patrizia Ciofi, José Cura sang und inszenierte in Liège das Doppelpack »Cavalleria« & »Pagliacci«, Anna Netrebko begeisterte konzertant in der Alten Oper Frankfurt in Tschaikowskys »Iolanta«. Hamburg feierte eine neue »Butterfly«, die New Yorker Met brachte mit Giuseppe Verdis »Maskenball« und Thomas Adès' Oper »The Tempest« mit Simon Keenlyside als Prospero gleich zwei Neuproduktionen. Und in Buenos Aires ging der mit Spannung erwartete „Ring kompakt“ über die Bühne des prachtvollen Teatro Colón.

Die Interviewthemen: José Carreras, der im Exklusivinterview über die Erfolge seiner Stiftung spricht, aber auch zurückblickt auf seine große Karriere, James Rutherford, der als junger Hans Sachs in den »Meistersingern von Nürnberg« bei den Bayreuther Festspielen berühmt wurde, und Cord Garben, Schöpfer der neuen Strichfassung von Richard Wagners »Ring des Nibelungen«.

Nachfolgend erhalten Sie einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen dieser Ausgabe. Eine ausführliche Liste aller Inhalte finden Sie im Inhaltsverzeichnis.

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INHALTSVERZEICHNIS

Inhaltsverzeichnis

Das komplette Inhaltsverzeichnis mit allen Themen

EDITORIAL
AUFFÜHRUNGEN
  • LONDON Robert le diable (Royal Opera House)
  • FRANKFURT Iolanta (Alte Oper)
  • WIEN Iphigénie en Aulide (Theater an der Wien)
  • Alceste (Staatsoper)
  • Die Hochzeit des Figaro (Volksoper)
  • Die Meistersinger von Nürnberg (Staatsoper)
  • HAMBURG Madama Butterfly
  • LIÈGE Cavalleria rusticana / Pagliacci
  • BERLIN Das Rheingold / Die Walküre (Philharmonie)
  • NEW YORK The Tempest (Metropolitan Opera)
  • Un ballo in maschera (Metropolitan Opera)
DAS INTERVIEW
  • JOSÉ CARRERAS
IM GESPRÄCH
  • JAMES RUTHERFORD
NAMEN UND DATEN
REPORT
  • LONDON / CHICAGO / SAN FRANCISCO / DORTMUND / DRESDEN / ULM
IM BLICKPUNKT
  • BUENOS AIRES: DER „COLÓN – RING“
HINTERGRUND
  • CORD GARBEN
RUNDBLICK
  • KÖLN Così fan tutte (Palladium)
  • BREMEN Die Sache Makropulos
  • LUDWIGSHAFEN Götterdämmerung
  • SCHWERIN Der Musikfeind / Die Opernprobe
  • NÜRNBERG Orpheus in der Unterwelt
  • HAGEN Don Carlo
  • WIESBADEN Lucia di Lammermoor
  • FREIBURG Ariadne auf Naxos
  • MÜNCHEN I pazzi per progetto / Le Bal (Prinzregententheater)
  • PASSAU Beatrice di Tenda
AKTUELL
FOKUS
  • HEIDELBERG
VORSCHAU
NACHRUF
SPIELPLÄNE
TV-TIPPS
RARITÄTEN
IMPRESSUM
CD-SPECIAL
  • OPERETTE – MIT SCHWUNG INS NEUE JAHR
  • Gustave Kerker DIE OBEREN ZEHNTAUSEND / BURNING TO SING OR SINGING TO BURN
  • Legenden der Operette KÖTH, ROTHENBERGER, SCHWARZKOPF, SCHOCK, WUNDERLICH
  • Gabrielle Heidelberger / Armin Kolarczyk DIE WELT IST OPERETTE!
NEUE CDs
  • Chen Reiss LE ROSSIGNOL ET LA ROSE
  • Jochen Kupfer WINTERREISE
  • Danielle de Niese BEAUTY OF THE BAROQUE
  • Stephen Sondheim SWEENEY TODD
  • Johann Christian Bach AMADIS DE GAULE
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EDITORIAL

Editorial

Autor: R. Tiedemann · Ausgabe 01/2013

Es beginnt! Mit enormem Vorlauf und einem Aufwand in fast schon einschüchterndem Ausmaß hat sich das doppelte Jubiläumsjahr bereits über Monate angekündigt: Giuseppe Verdi und Richard Wagner, die beiden Fixsterne der Oper, die allein mit ihren großen Werken ein Gutteil des Musiktheaterbetriebs weltweit bedienen, werden anlässlich der 200. Wiederkehr ihrer Geburtstage das Jahr 2013 beherrschen – und tun es schon jetzt.

Keine Bühne, die nicht auf irgendeine besondere Weise den Jubilaren huldigt. Schon zu Saisonbeginn listeten die Spielpläne der Opernhäuser Wagner- und Verdi-Premieren in Serie, um quasi mit Anlauf frühestmöglich dabei zu sein; am »Ring« schmieden einige Theater schon seit Jahren – für gezielte Punktlandungen termingerecht fertiggestellter Zyklen. Oder man stellt provokante Fragen: Ist der »Ring« vielleicht zu lang? Braucht man den ganzen Zyklus? Sollte man also Wagner kürzen – darf man das überhaupt? Und wenn ja: Wie? Antworten auf diese durchaus heiklen, fast rhetorisch klingenden Fragen suchte ganz real das Teatro Colón in Buenos Aires, das mit einer Kompaktfassung der Tetralogie die Probe aufs Exempel machte. Wenn das kein diskussionswürdiger Auftakt zum Wagner-Jahr war. Und Cord Garben, der sich unerschrocken an dieses Sakrileg einer Strichfassung gewagt hatte, verrät im exklusiven „Opernglas“-Gespräch, dass er schon die nächsten Überraschungen in der Hinterhand hat – weitere Steinchen im schon jetzt rasant anwachsenden, schillernd bunten Jubiläums-Mosaik für einen Komponisten, dessen Œuvre für Musiktheater an sich recht übersichtlich ist. Kein Wunder, dass man sich mit Ideen gegenseitig nur so zu überbieten sucht, von einzig- bis eigenartig. Auch das ungleich üppigere Opernschaffen Giuseppe Verdis wie auch – nicht zu vergessen! – des Dritten im Bunde, Benjamin Britten, dessen 100. Geburtstag ja ebenfalls zu feiern ist, reizt Veranstalter und Kreative zu vielen ungewöhnlichen Projekten. Wie immer haben Sie, liebe Leser, durch „Das Opernglas“ all diese Pläne frühzeitig parat, und es wird sicher auch für Sie spannend sein zu verfolgen, welche Ausein­andersetzungen wirklich lohnen. Wir bleiben dran. Die beiden großen Sänger-Interviews der vor Ihnen liegenden ersten Ausgabe 2013 stehen ebenfalls in Bezug zu den Jubiläen. James Rutherford war einer der jüngsten Sachs-Interpreten der Bayreuther Festspielgeschichte und hat diese Partie auch an anderen Häusern bereits mit Erfolg gesungen; im Januar feiert er am Opernhaus in Graz Premiere – als Falstaff. Für José Carreras, den schon immer eine besondere Liebe zu den Werken Giuseppe Verdis umgetrieben hat, bedeutet das nun beginnende Jahr dagegen ein noch weit wichtigeres Datum: Nachdem er seine schwere, lebensbedrohende Leukämie-Erkrankung hatte überwinden können, feiert die daraufhin von ihm gegründete Stiftung inzwischen bereits „Silbernes“. Seit 25 Jahren sammelt sie Jahr für Jahr – in besonderem Maße auch in Deutschland – beträchtliche Spendengelder und leistet damit ganz wesentliche Unterstützung im Kampf gegen die heimtückische Krankheit. Die traditionelle „Carreras-Gala“ gehört seit Jahren zu den Fixpunkten im vorweihnachtlichen TV-Programm und stellt regelmäßig neue Spendenrekorde auf. Die Bereitschaft, sich gezielt für soziale Projekte zu engagieren, ist bei Opernsängern generell sehr groß. Erst in der vergangenen Ausgabe hatte Danielle de Niese über ihren Einsatz für Kinder und Jugendliche berichtet; und viele andere Stars wie Anna Netrebko oder Rolando Villazón, um nur zwei besonders prominente Künstler zu nennen, investieren seit Jahren nicht nur Geld, sondern vor allem auch Zeit, um den Projekten, die ihnen am Herzen liegen, Nachdruck zu verleihen und oftmals auch persönlichen Beistand anzubieten. Ein ganz wunderbarer, anerkennenswerter Zug, der uns alle – nicht nur zu Feiertagen – anregen und ermutigen sollte. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen der gesamten Redaktion einen guten Start in ein schönes, friedliches und gesundes Jahr 2013!

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INTERVIEWS

Das Interview: JOSÉ CARRERAS - Schlichtweg überwältigend

Autor: Ralf Tiedemann · Ausgabe 1/2013

Seit 25 Jahren engagiert sich José Carreras mit seiner Stiftung im Kampf gegen Leukämie. Besonders seine alljährliche Spendengala in Deutschland erzielt regelmäßig Rekorde. In seiner Heimatstadt Barcelona sprach der Startenor exklusiv über Dankbarkeit und Glücksgefühle in einem ausgefüllten Künstlerleben.

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Im Gespräch: JAMES RUTHERFORD – Geschaffen für lange Abende

Autor: Dr. Thomas Baltensweiler · Ausgabe 1/2013

James Rutherford ist als ungewöhnlich junger Sachs bereits in Bayreuth und an der Wiener Staatsoper aufgetreten. Im Januar singt er Falstaff. Eine Standortbestimmung.

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Hintergrund: CORD GARBEN – Ring kompakt

Autor: Ralf Tiedemann · Ausgabe 1/2013

Er hat es gewagt, Hand an Richard Wagners Tetralogie zu legen. Ein Gespräch über die Hintergründe der gekürzten »Ring«-Fassung, die gerade in Buenos Aires ihre Uraufführung erlebte. Und weitere Projekte zu Wagner sind bereits geplant...

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AUFFÜHRUNGEN

LONDON Robert le diable

8. Dezember · Royal Opera House · Autor: M. Lehnert · Ausgabe 1/2013

In dem frühesten der drei zentralen Werke aus dem Schaffen von Giacomo Meyerbeer liegt zugleich die Keimzelle des romantischen Balletts von »La Sylphide« bis »Schwanensee«. Londons Royal Opera brachte nun eine Neuinterpretation, dieser im 19. Jahrhundert überaus erfolgreichen Oper.

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FRANKFURT Iolanta

18. November · Alte Oper · Autor: J.-M. Wienecke · Ausgabe 1/2013

Die konzertante Aufführung dieser in Russland zum Standardrepertoire zählenden Tschaikowsky-Oper wurde zu weit mehr als einer One-Woman-Show, selbst wenn die Titelpartie Anna Netrebko praktisch auf den Leib geschrieben scheint.

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HAMBURG Madama Butterfly

11. November · Staatsoper · Autor: Y. Han · Ausgabe 1/2013

Fast fünf Jahrzehnte hatte die Vorgängerinszenierung erfolgreich im Hamburger Repertoire gestanden. Nun war es Zeit für eine Neubefragung von Puccinis populärer japanischer Tragödie.

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LIÈGE Cavalleria rusticana / Pagliacci

17. November · Opéra Royal de Wallonie· Autor: B. Kempen · Ausgabe 1/2013

José Cura hat es sich nicht nehmen lassen, neben den Besetzungen als Turiddu und Canio in Liège auch als Regisseur und Bühnenbildner aktiv zu werden.

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BERLIN Das Rheingold / Die Walküre

22./ 24. November · Philharmonie · Autor: U. Ehrensberger · Ausgabe 1/2013

Als Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin bringt Marek Janowski seit 2010 in loser Folge alle Wagner-Opern des Bayreuther Kanons konzertant zur Aufführung und anschließend auf CD heraus. Zum zweiten Mal schmiedet er nun einen »Ring« für Tonträger.

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NEW YORK The Tempest

23. Oktober · Metropolitan Opera · Autor: F. Plotkin · Ausgabe 1/2013

Prospero als Impresario der Mailänder Scala – Robert Lepage verhalf Thomas Adès' Oper nach Shakespeares »Sturm« auch an der New Yorker Met zu einem großen Erfolg.

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MELDUNGEN / INFO

IM BLICKPUNKT: BUENOS AIRES Der Colon-Ring

Autor: R. Tiedemann · Ausgabe 1/2013

Schnelle Nummer als lange Sitzung: Eingefleischten Wagnerianern dürfte ganz anders werden ob all der Auslassungen, allein in der »Walküre«: Siegmund verknappt seine Wälsungen-Erzählung auf das Wesentliche, zieht das Schwert in Ermangelung der entsprechenden Passage erst zum Aktfinale aus dem Stamm, und Brünnhilde tritt später als gewohnt und dann ohne „Hojotoho“-Rufe erstmals auf…. Doch ganz so abwegig, wie das Konzept des sogenannten „Colón-Rings“ von außen betrachtet daherkommen mag, ist es nicht. Das Ergebnis der Aufführung von rund 7 Stunden Musik klingt in der Summe sogar erstaunlich gut.

NAMEN UND DATEN

ASHER FISCH übernimmt im Rahmen der Premierenserie des neuen »Parsifal« an der Metropolitan Opera in New York mit Jonas Kaufmann in der Titelpartie die Dirigate am 5. und 8. März. Aktuell leitet der in Jerusalem geborene Dirigent »Manon Lescaut« an der Hamburgischen Staatsoper und »Carmen« an der Bayerischen Staatsoper in München. Fisch, der bereits eine Gesamtaufnahme von Wagners »Ring« auf CD vorgelegt hat, wird im Wagner-Jahr »Ring«-Zyklen in Seattle, »Holländer« in München und »Tristan und Isolde« an der Semperoper in Dresden dirigieren.

REPORT

NEMORINISIMO

Die Sonne Italiens strahlte im November im Herbstnebel der britischen Hauptstadt zumindest auf der Bühne des Royal Opera House auf Laurent Pellys Strohhaufen, auf dem ein putzmunterer Roberto Alagna einmal mehr demonstrierte, dass man den naiven italienischen Bauern, dem Gaetano Donizetti in seinem unverwüstlichen »L’elisir d‘amore« so viele Noten in die Kehle komponiert hat, wohl bis an ein - hoffentlich in sehr weiter Ferne liegendes – Karriereende singen kann. Mit umwerfender Präsenz kostete er nicht nur den Charakter in vollen Zügen aus, sondern nutzte jede sich bietende Gelegenheit zur fein vollendeten stimmlichen Gestaltung.

AKTUELL

KEIN WELSER-MÖST IN SALZBURG

Franz Welser-Möst hat nicht nur sein Dirigat von »Così fan tutte« im Festspielsommer 2013 bei den Salzburger Festspielen abgesagt, sondern zugleich auch die musikalische Leitung der beiden anderen für die Folgejahre geplanten Da-Ponte-Opern Mozarts. Als Grund nannte er eine den Sängern nicht zuzumutende zu enge Taktung der Aufführungen von »Così«. Salzburgs Intendant Alexander Pereira bezeichnete die langfristigen Absagen als „vollständig unproportional“ und sieht den Grund eher im „Auseinanderleben zweier Menschen“. Für Ersatz war rasch gesorgt: Christoph Eschenbach wird nun den Zyklus in Zusammenarbeit mit Regisseur Sven-Eric Bechtolf erarbeiten.

NACHRUF

GALINA WISCHNEWSKAJA

ist im Alter von 86 Jahren in Moskau verstorben. Die am 25. Oktober 1926 in Leningrad geborene Sopranistin galt als eine der stärksten Persönlichkeiten der russischen Kultur. Ihre bewegte Biografie markiert jene Höhen und Tiefen, denen sich zahlreiche sowjetische Schriftsteller, Komponisten, Interpreten und Künstler ausgesetzt sahen, die noch bis vor fünfundzwanzig Jahren im Zeitalter des Ost-West-Konfliktes nur unter ständiger Furcht um Leib und Leben wirken konnten.

In dritter Ehe verheiratet mit dem weltberühmten Cellisten und Dirigenten Mstislaw Rostropowitsch waren beide Künstler im Russland der Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts privilegiert. Wischnewskaja galt nach Anfängerjahren (Debüt 1944 in Leningrad) bald als führende Sopranistin des Bolschoi-Theaters. Tamara Milaschkina, die Gattin von Wladimir Atlantow, in all den Jahren als Nummer Zwei. Ausgezeichnet mit den höchsten Orden der UdSSR war sie Aushängeschild der Nation, gastierte international unter anderem als Tosca und Liu und brillierte in ihren Paradepartien der Tatjana in »Eugen Onegin« oder Marina in »Boris Godunow«. Benjamin Britten hat den Sopranpart seines »War Requiems« für sie komponiert. In ihrer 1986 bei Lübbe erschienenen Autobiografie (1993 auch als Paperback erschienen) schildert sie, wie es ihr versagt wurde, die Uraufführung zu singen. Brittens schriftliche Interventionen sind abgedruckt. Erst im darauffolgenden Frühjahr durfte sie in der Londoner Royal Albert Hall an einem Konzert und an der Plattenaufnahme teilnehmen. Es war die Zeit, in der der beste Freund des Ehepaares, der Komponist Dimitri Schostakowitsch (den Sopranpart in seiner 14. Sinfonie komponierte er für sie), zunehmend unter der Breschnjew-Regierung litt. Der Freundeskreis von Wischnewskaja und Rostropowitsch war die intellektuelle und künstlerische Crème de la Crème des Landes. Sie beherbergten den Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn jahrelang in ihrer Datscha, bevor er ausreisen durfte. Diese lag in Nachbarschaft von derjenigen Andrej Sacharows und Jelena Bonners. Beider Paare Kinder waren befreundet. Kein Wunder, dass der gemeinsame Kampf um Freiheit immer stärkere Repressalien von Seiten des Staats- und Kulturapparates mit sich brachte. Leonard Bernstein hatte über Präsident Kennedy entscheidend dazu beigetragen, auf das Schicksal des immer mehr schikanierten Künstlerehepaares aufmerksam zu machen. Leonid Breschnjew genehmigte schließlich zwei Jahre Urlaub im Ausland, die 1974 zunächst Rostropowitsch allein und zwei Monate später auch die Wischnewskaja zusammen mit beiden Töchtern das Land verlassen ließ. Ihre Wohnsitze waren fortan in den USA und in Paris. „Mein Mann hätte sich sonst aufgehängt oder wäre zum Alkoholiker geworden“, erinnerte sich die Sängerin noch im vergangenen Jahr in einem Interview. 1978 folgte die Aberkennung der sowjetischen Staatsbürgerschaft. Nach der politischen Wende durfte sie ab 1990 wieder in ihrer Heimat auftreten. Der französische Komponist Marcel Landowski schrieb eine Oper über ihr bewegtes Leben, die unter dem Titel »Galina« 1996 in Lyon uraufgeführt wurde. 2007 war Wischnewskaja noch einmal auf der Kinoleinwand als Schauspielerin zu erleben. Unter ihren Gesamtaufnahmen finden sich eine bei der Deutschen Grammophon erschienene »Tosca« und ebenfalls unter Rostropowitschs Leitung bei EMI die Originalfassung der »Lady Macbeth von Mzensk« ihres gemeinsamen Freundes Schostakowitsch. »Tosca« stand auch für die Schikanen, denen das Künstlerehepaar zuvor in Moskau ausgesetzt war: Morgens war noch in einer dreistündigen Aufnahmesitzung der erste Akt mit beiden produziert worden, und am selben Abend trat eine Alternativbesetzung mit der Milaschkina, Atlantow und Yuri Masurok in den gleichen Studioräumen vor die Mikrofone. In ihren Erinnerungen nimmt Wischnewskaja auch bei der Beschreibung dieses Krimis kein Blatt vor den Mund. Nach dem Tod von Galina Wischnewskaja am 11. Dezember 2012 sprach Regierungschef Dmitri Medwedew den Angehörigen der Verstorbenen sein Beileid aus. Die Trauerfeier fand am 13. Dezember in der Moskauer Christ-Erlöser-Kirche und die Beisetzung am 14. Dezember auf dem Prominenten vorbehaltenen Neujungfrauen-Friedhof in Moskau statt, wo auch der bereits 2007 verstorbene Rostropowitsch liegt.

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CDs

Chen Reiss LE ROSSIGNOL ET LA ROSE

ONYX 4104, 1 CD ∙ Autor: S. Martens ∙ Ausgabe 1/2013

Die Dichtung von der Liebe der Nachtigall zur Rose endet traurig und ist eine der ältesten und romantischsten. Der Mythos von der „Tausendstimmigen“ und der „Königin alles Schönen“ hat viele Literaten und Musiker beschäftigt. Für das Thema entflammt ist auch Chen Reiss, die intensiv recherchiert und für „Le Rossignol et la Rose“ 25 Kompositionen von mehr als 20 Tondichtern aufgenommen hat.

Danielle de Niese BEAUTY OF THE BAROQUE

DECCA LC 000171, 1 CD ∙ Autor: B. Kempen ∙ Ausgabe 1/2013

Eine Schönheit ist die in Australien geborene Amerikanerin Danielle de Niese wahrhaftig. Und gespannt stellt man sich dem Hörerlebnis ihres dritten Solorecitals mit der Frage, ob der Inhalt ebenfalls so attraktiv ist, wie die elegant schmeichelnde Hülle. Die Arienauswahl aus der Barockmusik legt den Schwerpunkt auf bekannte Klassiker, die allein schon aufgrund ihrer kompositorischen Qualitäten mitreißen. Ein persönlichkeitsstarkes Album.

CD-NEWS

CD-SPECIAL

OPERETTE - Mit Schwung ins neue Jahr

Während EMI eine gelungene und abwechslungsreiche Sammlung fast aller Operettenschlager in einer 10-CD-Box auflegt, die insgesamt 11 Stunden populäre Melodien präsentiert, interpretiert von Künstlern wie Anneliese Rothenberger, Elisabeth Schwarzkopf, Erika Köth, Fritz Wunderlich und Rudolf Schock, widmet sich die Staatsoperette Dresden einmal mehr mit Nachdruck dem hierzulande noch immer nur an der Oberfläche erschlossenen Fundus weniger bekannter Operetten und hat sich 2009 mit dem heute nahezu vergessenen Gustave Kerker beschäftigt. Die Sopranistin Gabrielle Heidelberger und der Bariton Armin Kolarczyk behaupten auf ihrer gemeinsamen CD gar: Die Welt ist Operette!