ePAPER Ausgabe 02/2014

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Zum Abschluss des Verdi- und Wagner-Jahres 2013 gab es in München eine Premiere von Verdis »La forza del destino« mit Jonas Kaufmann, während Dortmund mit einem neuen »Tannhäuser« für Aufsehen sorgte. Die New Yorker Metropolitan Opera beging den Jahreswechsel schwungvoll mit einer Neuinszenierung der »Fledermaus«, und an der Oper Frankfurt hatte Regisseur Hans Neuenfels Enescus »Œdipe« für seine Inszenierung eigens ins Deutsche übersetzen lassen. In London wurde Jacques Offenbachs Oper »Fantasio« wiederentdeckt, Antwerpen versuchte mit dem Opern-Regie-Debüt von Oscar-Preisträger Christoph Waltz zu punkten. Spannende Raritäten hatten in Braunschweig, Schwetzingen und Innsbruck Premiere.

Die Interviewthemen: Alex Esposito, der sich nicht allein durch stimmliche Bravour einen Namen gemacht hat, sondern auch als Sängerdarsteller regelmäßig die Bühne dominiert, Rolando Villazón, der sich aktuell vorwiegend Mozart-Rollen widmet, die britische Mezzosopranistin Sarah Connolly und der israelische Wagner-Tenor Guy Mannheim.

Nachfolgend erhalten Sie einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen dieser Ausgabe. Eine ausführliche Liste aller Inhalte finden Sie im Inhaltsverzeichnis.

Sie möchten weiterlesen? Das komplette Magazin steht sowohl als Print-Ausgabe als auch als PDF-Version zum Download zur Verfügung. Bei Interesse an einzelnen Artikeln finden Sie diese auch als reine Textdatei im Text-Archiv.

INHALTSVERZEICHNIS

Inhaltsverzeichnis

Ausgabe 02/2014

Das komplette Inhaltsverzeichnis mit allen Themen.

EDITORIAL
AUFFÜHRUNGEN
  • Frankfurt Œdipe
  • LONDON Fantasio (Royal Festival Hall)
  • Parsifal (Royal Opera House)
  • MÜNCHEN La forza del destino (Nationaltheater)
  • DORTMUND Tannhäuser
  • ANTWERPEN Der Rosenkavalier
  • NEW YORK Die Fledermaus (Metropolitan Opera)
  • SAN FRANCISCO Il Barbiere di Siviglia
  • LEIPZIG Die Walküre
  • WIEN Lazarus (Theater an der Wien)
DAS INTERVIEW
  • ALEX ESPOSITO
DAS PORTRÄT
  • SARAH CONNOLLY
IM GESPRÄCH
  • ROLANDO VILLAZÓN
VORGESTELLT
  • GUY MANNHEIM
NAMEN UND DATEN
RUNDBLICK
  • INNSBRUCK Mara
  • FREIBURG I Vespri Siciliani
  • HALLE Schahrazade
  • SCHWETZINGEN Ifigenia in Tauride
  • BREMERHAVEN Otello
  • BRAUNSCHWEIG Die Reise des Edgar Allan Poe
  • GELSENKIRCHEN Don Quichotte
AKTUELL
  • Nicht nur Walzer
REPORT
  • LEIPZIG / WIESBADEN / ROM
VORSCHAU
BLICKPUNKT
  • GLUCK 2014
SPIELPLÄNE
RARITÄTEN
TV TIPPS
IMPRESSUM
LESERBRIEFE
NACHRUF
CD-NEWS
  • RAMEAU 2014
ERINNERT AN
  • CLAUDIO ABBADO
NEUE CDs
  • Wolfgang Amadeus Mozart LE NOZZE DI FIGARO
  • Tonight WELTHITS VON BERLIN BIS BROADWAY
  • Giuseppe Verdi RIGOLETTO
  • Sophia Brommer AUFBRUCH
  • Erika Sunnegardh BEETHOVEN / WAGNER / STRAUSS
  • Lisa Tjalve BERG / SCHOENBERG / MAHLER
  • Engelbert Humperdinck HÄNSEL UND GRETEL
  • Manfred Trojahn OREST
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EDITORIAL

Editorial

Autor: R. Tiedemann · Ausgabe 02/2014

Das zurückliegende Jahr war in vielerlei Hinsicht ein besonderes. Nicht nur feierte die Musikwelt ausgiebigst die Jubilare Verdi & Wagner, erlebte man viele großartige Vorstellungen, aufregende Rollendebüts und so manche spannende Uraufführung. – Es war auch ein Jahr der Abschiede, im Kleinen wie im ganz Großen, die einen Moment des Innehaltens nahelegen.

So zeigt ein Blick in unsere „Spielpläne“ inzwischen eine prominente Lücke: Die aktuell laufende Saison ist die erste ohne einen Eintrag der New York City Opera. 70 Jahre lang hatte sie das kulturelle Angebot der Metropole am Hudson bereichert und in ihren besten Jahren der Metropolitan Opera höchst erfolgreich Paroli geboten, mehr als die Hälfte der Zeit in einträchtiger Nachbarschaft zur „großen Schwester“ im Lincoln Center. Künstlerpersönlichkeiten wie Laszlo Halasz, Julius Rudel und Beverly Sills haben das Haus als Direktoren geprägt, unzählige Sängerkarrieren hier ihren Anfang genommen. Auch das finanzielle Konzept einer „People’s Opera“, die mit sehr günstigen Eintrittspreisen einer breiten Bevölkerung den Zugang zum Live-erlebnis Musiktheater zu ermöglichen suchte, ist nun seit der Insolvenz im vergangenen Herbst Geschichte. Da darf man auch bei uns einmal nachdenklich werden, zumal die Abwicklung einer derartigen Institution in einem so bevölkerungsstarken, mit Opernhäusern aber nur punktuell bestückten Land wie den USA ein ziemlicher Schlag ins Kontor ist.
Auch der Tonträgermarkt, schon seit Jahren in beträchtlicher Bewegung, verzeichnete im vergangenen Jahr durch großdimensionierte Firmenübernahmen einen prominenten Abschied. Zu realisieren, dass der Name EMI Classics nunmehr der Vergangenheit angehört, dürfte für viele von uns ein durchaus emotionaler Moment sein, ist hier doch eine Ära zu Ende gegangen, die unsere Hörgewohnheiten über Jahrzehnte geprägt hat. Ich bin mir sicher, dass auch Sie, liebe Leser, unzählige liebgewonnene Aufnahmen mit dem auffälligen roten Logo, das so untrennbar mit den Namen vieler hochrangiger Künstler verbunden ist, im Regal stehen haben werden. Doch dieses Ende soll nur ein Übergang sein: Nach der Firmenübernahme erscheinen die Stars von EMI Classics bei Warner Classics, die Aufnahmen des französischen Imprints Virgin Classics bereichern nun das Angebot von Erato Records. Und der riesige, historisch unschätzbar wertvolle Backkatalog? Auch er wird natürlich bleiben, vielfach wohl einfach umetikettiert, im besten Fall aber mit akustischem Gewinn remastert und sorgfältig neu ediert. Ein großes Erbe, das behütet und gepflegt werden will.

Etwas bleibt. Niemand geht ganz. Dies sind tröstende Worte auch wenn es gar nicht mehr weiter geht, wenn sich Türen für immer schließen, wenn ein nahestehender Mensch von uns gegangen ist. Am Silvestermorgen ist Brigitte Kempen, langjährige freie Autorin von „Das Opernglas“, nach halbjähriger Krankheit im Alter von nur 50 Jahren verstorben. Mit ihrem Tod verlieren wir nicht nur eine hoch geschätzte Mitarbeiterin, wir trauern um einen wunderbaren, ansteckend optimistischen Menschen. So zeichnete sich ihre journalistische Arbeit nicht nur durch Kompetenz und Einsatzbereitschaft aus, sondern vor allem durch eine grundsätzlich positiv gestimmte Herangehensweise, die sich in ihrer stets ausgewogenen Berichterstattung niederschlug. Ihre Aufgeschlossenheit und Unvoreingenommenheit waren beispielhaft. Sie besuchte die Neuproduktionen an kleineren Stadttheatern mit gleicher Neugier und gleichem Enthusiasmus wie die großen Premieren der europäischen Spitzenhäuser. Für interessante Künstlerbegegnungen nahm sie ohne zu Zögern weiteste Reisen in Kauf; zahlreiche schöne, aufschlussreiche Interviews, zuletzt mit Emily Newton, Julia Lezhneva und Jonas Kaufmann, zeigten sie als sachkundige, einfühlsame Gesprächspartnerin.

Neben all den Texten bleiben vor allem ihre so positive, offene Einstellung wie auch die schier unbegrenzte, mitreißende Begeisterungsfähigkeit als prägendste Eigenschaften in Erinnerung – vorbildhaft für uns als Redaktion und Autoren, aber auch für uns alle als Publikum. Nehmen wir dies mit auf unseren Weg, wenn wir Abschied nehmen und dabei ganz in ihrem Sinne aufgeschlossen und optimistisch in die Zukunft schauen.

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INTERVIEWS

Das Interview: ALEX ESPOSITO

Autor: Marc Fiedler · Ausgabe 2/2014

Ob als Leporello – wie in diesem Monat in Kasper Holtens Neuproduktion in London – Mustafa oder Figaro: Alex Esposito ist ein Sänger, der die Opernbühne auch szenisch dominiert. Begegnung mit einem Sängerdarsteller par excellence, bei dem sich komödiantisches Talent und stimmliche Bravour verbinden.
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Das Porträt: SARAH CONNOLLY – „The Big Struggle”

Autor: Dr. Andreas Laska · Ausgabe 2/2014

Es war ein mühevoller Weg; doch für Sarah Connolly sollte er sich lohnen. Im Sommer letzten Jahres verlieh die Royal Philharmonic Society in London der gefragten britischen Mezzosopranistin den Titel „Sängerin des Jahres“.
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Im Gespräch: ROLANDO VILLAZÓN – Mozart als Ziel

Autor: Ursula Ehrensberger · Ausgabe 2/2014

Neue alte Liebe: Warum sich der Startenor jetzt vorwiegend Mozart widmet. Hat er das romantische Repertoire nun aufgegeben?
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Vorgestellt: GUY MANNHEIM – Die Liebe zu Wagner

Autor: Sebastian Barnstorf · Ausgabe 2/2014

Während in seinem Heimatland die Opern Richard Wagners nicht gespielt werden, erobert sich der junge israelische Tenor hierzulande erfolgreich das deutsche Heldenfach — auch mit Wagner. In Leipzig war er gerade der Siegmund in einer neuen »Walküre«.
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AUFFÜHRUNGEN

FRANKFURT Œdipe

3. Januar · Opernhaus · Autor: K.G. v. Karais · Ausgabe 2/2014

Es kam zu einer großartigen, äußerst dichten Aufführung – obwohl (oder gerade weil?) Regisseur Hans Neuenfels bei seiner Einrichtung, für die er Enescus lyrische Tragödie vom Französischen ins Deutsche hatte übersetzen lassen, kräftig den Rotstift angesetzt hatte.
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LONDON Fantasio

15. Dezember · Royal Festival Hall · Autor: M. Lehnert · Ausgabe 2/2014

Jacques Offenbachs Oper »Fantasio« kann als „Missing Link“ zwischen seinen komischen Operetten und Singspielen und seinem berühmten »Hoffmann« gelten. In London wurde die Oper mit Sarah Connolly in der Titelpartie jetzt wiederentdeckt.
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MÜNCHEN La forza del destino

22. Dezember ∙ Nationaltheater · Autor: J.-M. Wienecke · Ausgabe 2/2014

Jonas Kaufmann, gebürtiger Münchner Startenor, machte bei dieser Premiere am Nationaltheater das Verdi-Glück vollkommen, und die Inszenierung wartete mit kongenialen Raumlösungen auf.
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DORTMUND Tannhäuser

1.Dezember · Opernhaus · Autor: S. Mauß · Ausgabe 2/2014

Viel monumentale Video-Technik, aber extrem spannend gemacht. Ein Theaterabend, der niemanden im Publikum unberührt gelassen haben dürfte.
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ANTWERPEN Der Rosenkavalier

15. Dezember ∙ Vlaamse Opera · Autor: G. Rademachers · Ausgabe 2/2014

Großer Auflauf mit viel angereister Prominenz. Der zweifach Oscar-Preisträger Christoph Waltz versuchte sich erstmals als Opernregisseur. Ein kunstvoll gebackenes Publicity-Soufflé?
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LEIPZIG Die Walküre

7. Dezember ∙ Opernhaus · Autor: S. Barnstorf · Ausgabe 2/2014

Nach 40 Jahren wird in Leipzig wieder ein »Ring« geschmiedet. Regie führt eine aus England stammende ehemalige Tänzerin, die schon im »Rheingold« die gesamte Handlung durch Tänzer hatte illustrieren lassen.
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INNSBRUCK Mara

7. Dezember · Landestheater · Autor: W. Kutzschbach · Ausgabe 2/2014

Eine Landesbühne kann die Oper eines einheimischen Komponisten ausgraben – eine seltene Gelegenheit. Der 1808 im österreichischen Zams geborene und 1864 in Graz verstorbene Josef Netzer erfuhr durch das Engagement des Innsbrucker Intendanten Johannes Reitmeier für Opern mit Tirol-Bezug eine Wiederentdeckung.
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FREIBURG I Vespri Siciliani

10. Januar ∙ Theater · Autor: Th. Baltensweiler · Ausgabe 2/2014

Verdis »Vesper« hat es in sich, die Partien gehören zum Anspruchsvollsten, das der Komponist geschrieben hat. In Freiburg hatte wegen Krankheitsfällen im Ensemble die Premiere nicht wie geplant stattfinden können, und auch am neuen Termin hatten für die Sopran- und die Tenorpartie nicht die ursprünglich vorgesehenen Interpreten zur Verfügung gestanden.
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SCHWETZINGEN Ifigenia in Tauride

15. Dezember ∙ Schlosstheater · Autor: J. Gahre · Ausgabe 2/2014

Das vom Heidelberger Theater veranstaltete Barock-Fest „Winter in Schwetzingen“, schon in den vergangenen Jahren um die „opera napoletana“ bemüht, stellte diesmal Tommaso Traettas »Ifigenia« als deutsche Erstaufführung vor.
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MELDUNGEN / INFO

BLICKPUNKT

GLUCK 2014

Am 2. Juli 1714 wurde in der Oberpfalz einer der bedeutendsten Tondichter und Opernschöpfer des 18. Jahrhunderts geboren: Christoph Willibald Gluck. Er galt als einer der ersten internationalen „Stars“ unter den Komponisten, und seine Reformen prägten nachfolgende Komponistengenerationen maßgeblich. Von den insgesamt etwa 50 Opern, die er komponiert hat, finden heutzutage nur noch eine Handvoll regelmäßig ihren Weg in die Spielpläne. Anlässlich seines 300. Geburtstages in diesem Jahr beehren ihn eine Reihe von Bühnen mit Neuinszenierungen und Raritäten. Ein Überblick.
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NAMEN UND DATEN

PATRIZIA CIOFI ist im Februar als Amina in »La Sonnambula« am Gran Teatre del Liceu in Barcelona neben Juan Diego Flórez als Elvino zu hören. Im März werden beide Künstler in London in Donizettis »La Fille du Regiment« gastieren. Eine Aufführungsserie von Rossinis »Tancredi« führt die Sopranistin im Mai nach Paris an das Théâtre des Champs-Elysées. Infos und Auftrittstermine weiterer Künstler in „Namen und Daten“: Christiane Karg, Elena Mosuc, Jochen Kupfer, Thomas Hampson und viele andere.

REPORT

KÖHLERS GALA ZUM 90.

Mit einem emotionsgeladenen Galakonzert gratulierten das Hessische Staatstheater Wiesbaden und die Mozart-Gesellschaft Wiesbaden Siegfried Köhler nachträglich zum 90. Geburtstag. Das Motto dieses besonderen Konzerts war mit „WirbelWind und WonneWolken“ umschrieben und geht auf eine Revueoper aus der Feder Köhlers zurück. Denn trotz seiner Komponistenlieblinge Wagner und Strauss hat der am 30. Juli 1923 in Freiburg im Breisgau geborene Dirigent und Tondichter stets eine Affinität zur leichten Muse gehabt. Wiesbadens Generalmusikdirektor Zsolt Hamar präsentierte einen bunten Reigen aus Stücken von Verdi, Wagner und Mozart, dessen Opern seinen Vorgänger Köhler im Laufe der Jahre immer wieder auf Trab gehalten hatten. Dieser hatte trotz angeschlagener Gesundheit dem Galakonzert beigewohnt und richtete von der Proszeniumsloge aus mit gewohnt humoriger Weise einige Worte an das Publikum: „Tut mir leid, dass es wegen mir ist. Aber ich wünsche trotzdem einen schönen Abend!“

ERINNERT AN

CLAUDIO ABBADO ist am 20. Januar 2014 in Bologna im 81. Lebensjahr verstorben. Der Sohn eines Violinisten und Musiklehrers und einer Klavierlehrerin und Kinderbuchautorin wurde am 26. Juni 1933 in Mailand geboren und hatte bei einem Dirigierkurs in Siena Zubin Mehta (und den elfjährigen Daniel Barenboim) kennengelernt und war von Mehta zum weiteren Studium an Hans Swarowsky nach Wien vermittelt worden. Später nahm er in Parma einen Lehrauftrag für Kammermusik an und dirigierte dann in Triest mit »Die Liebe zu den drei Orangen« von Prokofjew seine erste Opernaufführung. Von 1961 an war er regelmäßig am Pult der Mailänder Scala (ab 1971 auch als musikalischer Direktor) zu erleben, wo er mit den Verdi-Produktionen »Un ballo in maschera«, »Don Carlo« und vor allem »Simone Boccanegra« seinen legendären Ruf als Stardirigent begründete. Dabei blieb Abbado ein Operndirigent mit verhältnismäßig kleinem, aber sehr unterschiedlichem Repertoire, da­runter Strawinskys »Oedipus Rex« und Alban Bergs »Wozzeck« und als einzige Strauss-Oper »Elektra«, die in der Premierenaufzeichnung aus der Wiener Staatsoper in der Harry Kupfer-Regie mit Eva Marton und Brigitte Fassbaender auch auf DVD erhältlich ist. Von 1986 bis 1991 war Abbado in Wien Musikdirektor in der Direktionszeit von Claus Helmut Drese. Erst 1984 hatte er am Haus debütiert und dort in der Folge insgesamt 173 Vorstellungen dirigiert, darunter weitere Premieren von Mussorg­sky, Schubert, Rossini, Mozart und Debussy.
Claudio Abbados ausgeprägtes Verständnis für das kammermusikalische Musizieren, für die Liebe zum Ensemble stand dabei klar im Vordergrund. Ein Orchester war für ihn kein großes Gebilde oder gar eine musikalische Masse, sondern ein Kollektiv von kleineren und größeren Ensembles, die sich in ihrer hohen Differenziertheit unter der Führung eines „Primus inter pares“ zusammenfinden und einen gemeinsamen musikalischen Weg gehen müssen. Wichtige Impulse für die Musik der Moderne hatte er bereits früh von Maurizio Pollini und Luigi Nono erhalten und setze eigene Akzente auf den internationalen Konzertpodien. In Wien gründete Abbado 1988 das Festival Wien Modern, das sich Aufführungen internationaler zeitgenössischer Musik widmet. Im Oktober 1989 schließlich folgte seine Berufung an die Spitze der Berliner Philharmoniker als Künstlerischer Leiter des Orchesters und Nachfolger Herbert von Karajans. Im Jahr 1994 wurde Abbado auch Leiter der Salzburger Osterfestspiele. Die Zeit in Berlin war nicht frei von Spannungen. Abbados offenes Musizierverständnis, das im Kontrast zum eher autoritären Auftreten Karajans stand, provozierte beim Orchester Widerspruch. Im Jahr 2000 erkrankte Claudio Abbado an Krebs, von dem er zwischenzeitlich geheilt war, beendete im Jahr 2002 wie bereits 1998 angekündigt seine Arbeit in Berlin und ging nach Italien zurück nach Ferrara und Bologna, wo er das Mozart Orchestra mit jungen Musikern aufbaute und wo er bis zu seinem Tod lebte. Mit diesem Orchester aus Bologna begann er später die Arbeit für den Aufbau des neu gegründeten Lucerne Festival Orchestra gemeinsam mit ihm seit langem verbundenen internationalen Musikern. Diese Art des Musizierens junger Musiker gemeinsam mit erfahrenen Solisten, die sich als Teamplayer im Orchester engagieren, war für Abbado typisch. Schon als Gründer des European Community Youth Orchestra (1978) und später des Gustav Mahler Jugendorchesters (1986) widmete er sich der Förderung des musikalischen Nachwuchses.
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NACHRUF

CARL SCHULTZ, am 14. März 1934 in Los Angeles geborener Bass-Bariton, bleibt vor allem dem Hamburger Opernpublikum unvergesslich mit seinem nie versiegenden Humor und der profunden Stimme. Charly Schultz, wie er liebevoll genannt wurde, war sich nie zu schade für die kleinsten Partien und konnte in den größten seines Faches ebenso „abräumen“. Insgesamt 42 Jahre lang stand Schultz in der Hansestadt auf der Opernbühne, wo er am 23. Mai 1963 als Komtur in Mozarts »Don Giovanni« debütiert hatte. Der Don Pasquale, den er am 20. Januar 1994 noch zu seinem 30-jährigen Bühnenjubiläum gesungen hatte, war eine seiner Leib- und Magenpartien. Aber auch als Ramphis, König Philipp, Sarastro, Dulcamara, Titurel und auf dem Konzertpodium war er zu hören. Zwei Jahre zuvor, 1992, war er zum Hamburger Kammersänger ernannt worden. Er hat dem Haus bis 1999 in etwa 150 Partien die Treue gehalten. Die unglaubliche und rekordverdächtige Zahl von 3253 Vorstellungen ist da in 36 Jahren zusammengekommen. Studiert hatte Schultz übrigens an der Musikhochschule Stuttgart und bei dem legendären deutschen Tenor Franz Völker. Schultz verstarb bereits in der Nacht vom 17. auf den 18. Juni 2013.

CDs

Wolfgang Amadeus Mozart LE NOZZE DI FIGARO

SONY 88883709262, 3 CDs ∙ Autor: A. Laska ∙ Ausgabe 2/2014

Jenseits aller Exzentrik in Tempi und Verzierungen liegt das große Kapital im Ensemblegeist dieser Neuaufnahme, die neugierig macht auf die weiteren Mozart-Einspielungen unter Teodor Currentzis. »Così fan tutte« jedenfalls ist schon im Kasten und soll Ende des Jahres erscheinen.

Silvesterkonzert TONIGHT

DEUTSCHE GRAMMOPHON 4792483, 1 CD ∙ Autor: M. Lehnert ∙ Ausgabe 2/2014

Wer das jüngste Silvesterkonzert aus der Sächsischen Staatsoper nicht am TV gesehen hat, kann jetzt auf CD das amerikanische Showwunder Renée Fleming beim Servieren der leichten Muse und dem vokal fulminanten Herumtanzen um ihren Partner Klaus Florian Vogt bewundern. Christian Thielemann gerät die erforderliche Leichtfüßigkeit niemals aus dem Fokus.

Erika Sunnegardh BEETHOVEN / WAGNER / STRAUSS

ITUNES / AMAZON, 1 CD ∙ Autor: M. Lehnert ∙ Ausgabe 2/2014

Die schwedisch-amerikanische Sopranistin Erika Sunnegardh hat als Executive Producer ein Recital mithilfe von über eine Online-Plattform gesammelter Spenden produziert, das jedoch nicht nur als Download, sondern auch als CD erhältlich ist.

JEAN-PHILIPPE RAMEAU 2014

Rameaus fünfte Oper »Dardanus« zählt heute zu den bekanntesten Werken des französischen Komponisten, dessen 250. Todestages in diesem Jahr gedacht wird. Selbstverständlich verzichtet eine Neueinspielung nicht auf die aktuelle „Rameau-Spezialistin“, die Sopranistin Sabine Devieilhe, die gleichzeitig mit dem „großen Liebestheater“ - „Le grand théâtre de l’amour“ – ein dramaturgisch klug gestaltetes Rameau-Programm auf CD präsentiert. Das zu Zeiten des Komponisten nur als „Ballett“ betitelte Werk »Les Surprises de l‘Amour« wird in der ersten kompletten Einspielung der überarbeiteten Version aus dem Jahr 1758 auf CD vorgestellt.