ePAPER Ausgabe 12/2012

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München feierte begeistert die Uraufführung von »Babylon«, die Deutsche Oper Berlin ihr 100-Jähriges mit einem neuen »Parsifal«. In Sevilla war Plácido Domingo in Massenets »Thaïs« zu erleben, diesmal als Bariton, Nino Machaidze sang die Titelpartie, in Tallinn gab sich Ain Anger teuflisch in Gounods »Faust«, und in Bonn sorgte eine »Norma« in „Asterix“-Ästhetik für Aufregung. Das Wexford Festival bot neben Chabriers »Le roi malgré lui« gleich noch zwei weitere spannende Raritäten. Die Interviewthemen: Sopranistin Danielle de Niese, die bereits mit 19 Jahren an der New Yorker Met debütiert und schon mit 16 einen Emmy verliehen bekommen hat, Karan Armstrong, die anlässlich des Jubiläums der Deutschen Oper Berlin über ihre Zeit mit Götz Friedrich, aber auch über Pläne, Aufgaben und Möglichkeiten in einer langen Karriere spricht, sowie die junge Anett Fritsch, derzeit Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf.

Nachfolgend erhalten Sie einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen dieser Ausgabe. Eine ausführliche Liste aller Inhalte finden Sie im Inhaltsverzeichnis. Sie möchten weiterlesen? Das komplette Magazin steht Ihnen sowohl als Print-Ausgabe als auch als PDF-Version zum Download zur Verfügung. Bei Interesse an einzelnen Artikeln finden Sie diese auch als reine Textdatei im Text-Archiv.

INHALTSVERZEICHNIS

Inhaltsverzeichnis

Ausgabe: 12/2012

Das komplette Inhaltsverzeichnis mit allen Themen

EDITORIAL
AUFFÜHRUNGEN
  • MÜNCHEN Babylon (Nationaltheater)
  • Catharina Cornaro (Prinzregententheater)
  • SEVILLA Thaïs (Teatro de la Maestranza)
  • BERLIN Parsifal (Deutsche Oper)
  • KARLSRUHE Tannhäuser
  • WIEN Il Trittico (Theater an der Wien)
  • NÜRNBERG Tristan und Isolde
  • STRASBOURG Der ferne Klang
  • BRÜSSEL Lulu
  • LYON Macbeth
  • SAN FRANCISCO I Capuleti e i Montecchi
  • WEXFORD L’Arlesiana
  • A Village Romeo and Juliet
  • Le roi malgré lui
  • TALLINN Faust
DAS INTERVIEW
  • DANIELLE DE NIESE
IM GESPRÄCH
  • KARAN ARMSTRONG
VORGESTELLT
  • ANETT FRITSCH
NAMEN UND DATEN
RUNDBLICK
  • ESSEN Pelléas et Mélisande
  • BONN Norma
  • WÜRZBURG Macbeth
  • HANNOVER Lady Macbeth von Mzensk
  • LEIPZIG Rigoletto
  • DORTMUND Wozzeck (Konzerthaus)
  • SANKT GALLEN La Wally
  • LÜBECK Elektra
  • GRAZ Manon Lescaut
  • MANNHEIM La Fanciulla del West
NACHRUF
VORSCHAU
SPIELPLÄNE
RARITÄTEN
TV-TIPPS
IMPRESSUM
AKTUELL
BÜCHER
  • Siebenjahrbuch DEUTSCHE OPER BERLIN 2004-2011
  • Christian Thielemann MEIN LEBEN MIT WAGNER
  • Jonathan Cott LEONARD BERNSTEIN
  • Alfred A. Fassbind JOSEPH SCHMIDT
  • Ursula Magnes ANGELIKA KIRCHSCHLAGER - LIEDERREISEBUCH
DVDs
  • Giacomo Puccini LA BOHÈME
  • Giacomo Puccini TOSCA
  • Camille Saint-Saëns SAMSON ET DALILA
CD-NEWS
  • Philippe Jaroussky THE VOICE
  • Leonardo Vinci ARTASERSE
CD-SPECIAL
  • JUBILÄUM, JUBILÄUM!
  • Boxenweise CD-Editionen für die Jubilare in 2012 und 2013
NEUE CDs
  • Rolando Villazón VILLAZÓN VERDI
  • Richard Strauss DER ROSENKAVALIER
  • Joseph Mysliveček MEDONTE
  • Giovanni Pacini L’ULTIMO GIORNO DI POMPEI
  • Salvatore Sciarrino MACBETH
  • Bedřich Smetana TAJEMSTVÍ
  • Georg Friedrich Händel IL PASTOR FIDO
  • Renate & Daniel Behle GENERATION
  • Jonathan Harvey WAGNER DREAM
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EDITORIAL

Editorial

Autor: R. Tiedemann · Ausgabe 12/2012

Stellen Sie sich vor, es gibt moderne Oper – und alle wollen hin! So geschehen in München, wo die Uraufführung von Jörg Widmanns neuer Oper »Babylon« gerade einen regelrechten Run auslöste. Neue Musik als Stadtgespräch! Der Komponist, den wir in der vergangenen Ausgabe aus eben jenem Anlass im Interview präsentierten, konnte den am Ende über ihn und sein Team hereinbrechenden Jubel kaum fassen, der sich zudem an jedem weiteren Abend vor ausverkauftem Haus wiederholen sollte. 

Ein Kassenschlager der besonderen Art, den sich offenbar niemand entgehen lassen wollte. Zahlreiche Interessierte mit „Suche Karte“-Schildern vor dem Nationaltheater unterstrichen das eindeutige Signal: Die Oper lebt – und wie! So ein Erfolg ist nicht selbstverständlich. Wohl aber kann man alles daran setzen, einem Werk das jeweils Bestmögliche angedeihen zu lassen, was Haus, Werkstätten und versammelte Künstlerschar zu leisten im Stande sind. So und nicht anders sollte man neuen Opern wie auch allseits bekannten Standards begegnen. Man kann leicht auch mit einer »Tosca« scheitern, wenn man sie halbherzig umsetzt und so der größten Kunst qualitätsarm und unter Wert begegnet. Es ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung an Intendanz und künstlerische Leitung, einen interessanten Spielplan so zu gestalten, dass wichtige Werke neu hinterfragt, gelungene Inszenierungen dann aber auch bewusst gepflegt und im Repertoire gehalten werden. Karan Armstrong, die wir anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Deutschen Oper Berlin zum Gespräch gebeten haben, bringt den Gedanken aus eigener, mit einer ganzen Ära verbundenen Erfahrung auf den Punkt: „Man sollte genau hinsehen, ob eine Produktion wirklich erneuert werden muss.“ Recht hat sie! Und zwar nicht nur angesichts der Kosten von Neuproduktionen. Zu oft werden gut funktionierende, beim Publikum beliebte Produktionen geopfert zugunsten eines neuen Regieansatzes, der nicht selten schon dazu geführt hat, dass wichtige Repertoirestücke nach einer dann doch missratenen „Erneuerung“ auch noch komplett in der Versenkung verschwinden, weil sie in dieser Form schlichtweg niemand sehen will. Hier im Besonderen ist der Gedanke an leichtfertig versenkte Gelder durchaus angebracht, wobei keinesfalls einem rückwärtsgewandten Traditionalismus das Wort geredet sein soll. Im Gegenteil: Nichts ist spannender, als eine intelligent herausgearbeitete Interpretation, die eine bekannte Oper in neuem Licht erscheinen lässt, uns im Heute etwas sagt und zu eigenen Gedanken anregt. Wie bei allen nachschöpfenden Künsten macht ja gerade Interpretation und deren Vielfältigkeit den besonderen Reiz des Musiktheaters aus und bewahrt dessen Lebendigkeit. So sind über die Jahr(zehnt)e großartige Produktionen entstanden, die es durchaus verdient haben, im Repertoire gehalten und als beredte Zeitzeugen bewahrt zu werden. Gewiss ließen sich an manchem Opernhaus auch noch ein paar herausragende Regiearbeiten finden, die im Fundus ihrer lohnenden Wiederbelebung harren. Und vielleicht darf gerade an der Schwelle zu einem gesteckt vollen Jubiläumsjahr die Frage erlaubt sein, ob eine qualitätsvolle Auffrischung von einigen der hoch spannenden Wagner- und Verdi-Inszenierungen der vergangenen Jahre nicht zuweilen lohnenswerter wäre, als die schon fast irrationale Fülle neuer »Ring«-Zyklen. Das zu Ende gehende Jahr hat auch ohne die ganz großen Jubiläen spannendes Musiktheater geboten. Wer für Feiertage und Jahreswechsel noch nach dem passenden Programm sucht, wird in dieser Ausgabe viele Anregungen finden, die „Spielpläne“ sind ebenso gut gefüllt wie unsere beiden großen Rubriken mit ihren ausführlichen Premierenbesprechungen. Und für einen attraktiv bestückten Gabentisch lohnt sicher der Blick in den extra üppig angelegten Medien-Teil, der das Spannendste aus den Bereichen CD, DVD und Bücher für Sie bereithält. In diesem Sinne eine anregende Lektüre und eine schöne, besinnliche Adventszeit!

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INTERVIEWS

Das Interview: DANIELLE DE NIESE - Großes Glück

Autor: Dr. Andreas Laska · Ausgabe 12/2012

Früher Beginn, große Erfolge, gleich mehrere Karrieren. An der New Yorker Met debütierte die Sopranistin, die wegen ihres guten Aussehens gerne als „Exotic beauty“ bezeichnet wird, bereits im Alter von 19 Jahren.

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Im Gespräch: KARAN ARMSTRONG – Immer voller Energie

Autor: Ursula Ehrensberger · Ausgabe 12/2012

Mit ihrem Ehemann Götz Friedrich steht sie für eine der wichtigsten Epochen in der Geschichte der Deutschen Oper Berlin. Ein Gespräch über schöne Erinnerungen und neue Aufgaben.

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Vorgestellt: ANETT FRITSCH – Sicherheit in vertrauter Umgebung

Autor: Yeri Han · Ausgabe 12/2012

Arbeit, Leidenschaft und Hingabe sind wichtige Faktoren für die junge Sopranistin, die Intendant Christoph Meyer von Leipzig an die Düsseldorfer Oper geholt hat.

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AUFFÜHRUNGEN

MÜNCHEN Babylon

27. Oktober · Nationaltheater · Autor: K.-F. Schulter · Ausgabe 12/2012

Eine Oper über das legendäre Babylon. Jörg Widmann vereint in seiner Komposition musikalische Vielfalt und sicheres Gespür für theatralische Wirkung zum atemberaubenden Abbild der Stadt.

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SEVILLA Thaïs

25. Oktober · Teatro de la Maestranza · Autor: B. Kempen · Ausgabe 12/2012

Die für Domingos Auftritt in der Bariton-Partie des Athanael maßgeschneiderte Inszenierung vom März 2012 aus Valencia war nun im Rahmen des ersten „Plácido Domingo Festivals“ auch in Sevilla zu erleben.

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KARLSRUHE Tannhäuser

7. Oktober · Badisches Staatstheater · Autor: J.-M. Wienecke · Ausgabe 12/2012

Mit Rosalies bildgewaltiger Ausstattung und einem überzeugenden Ensemble konnte das Badische Staatstheater erfolgreich an die große Karlsruher Wagnertradition anknüpfen.

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WEXFORD A Village Romeo et Juliette

26. Oktober · Opera House · Autor: J. Gahre · Ausgabe 12/2012

Mit Werken von Cilea, Delius und Chabrier überraschte die auf Unbekanntes spezialisierte Wexford Festival Opera in diesem Jahr mit gleich drei Opern, die alle durch ein bekanntes Musikstück eine besondere Popularität erlangt haben.

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ESSEN Pelléas et Mélisande

6. Oktober · Aalto-Theater · Autor: B. Kempen · Ausgabe 12/2012

Mit der Eröffnungspremiere seiner fünfzehnten und letzten Saison als Intendant am Aalto-Theater erwies Generalmusikdirektor Stefan Soltesz dem 150. Geburtstag von Claude Debussy gebührende Ehre in Nikolaus Lehnhoffs beeindruckender Neuinszenierung.

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BONN Norma

28. Oktober · Opernhaus · Autor: A. Laska · Ausgabe 12/2012

Ein Backstage-Eifersuchtsdrama bei einer Aufführung von Bellinis »Norma« in Asterix-Kostümen: Regisseur Florian Lux hatte sich ein Konzept gebastelt, das nicht jedem gefiel.

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STRASBOURG Der ferne Klang

19. Oktober · Opéra du Rhin · Autor: J.M. Wienecke · Ausgabe 12/2012

Ein rundum gelungener Abend, an dem es gleich mehrfach etwas zu feiern gab: Seit 40 Jahren existiert die erfolgreiche Opernehe am Oberrhein, die Kooperation von Straßburg, Colmar und Mulhouse. Und auch für die Jubiläumsaison war wieder ein Programm zusammengestellt worden, das hinsichtlich seines qualitativen Anspruchs als exemplarisch gelten darf. Schrekers Künstleroper »Der ferne Klang« erlebte dabei in Straßburg seine erste szenische Produktion in Frankreich überhaupt.

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MELDUNGEN / INFO

NAMEN UND DATEN

JOCHEN KUPFER gastiert im Januar /Februar 2013 als Wolfram im »Tannhäuser« am New National Theatre in Tokio und in der gleichen Partie in der Neuinszenierung von Keith Warner an der Opéra National in Strasbourg (24.,30. März und 2., 5., 8. April 2013). Am Staatstheater Nürnberg singt er am 14. April und 5. Mai den Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«.

SILVESTERÜBERRASCHUNG

JONAS KAUFMANN begleitet die Opernfreunde am Silvesterabend auf TELE 5 ins Neue Jahr. Bis in die frühen Morgenstunden wird Kaufmann gemeinsam mit Moderatorin Bettina von Schimmelmann selbst durch das Programm führen. Zu sehen gibt es die ganze Nacht u.a. von Clasart Classics produzierte Aufzeichnungen der Opern »Tosca« und »Carmen« aus Zürich und den ersten sowie den dritten Akt »Faust« von der Met. Wie TELE 5 Geschäftsführer Kai Blasberg mitteilte, wird es keine Werbeunterbrechungen geben. Jonas Kaufmann: „Ich freue mich darauf, an Silvester einige meiner Lieblingsopern vorzustellen und hoffe, ein neues Publikum für die faszinierende Welt der Oper zu gewinnen.“

AKTUELL

FESTAKT IN INGOLSTADT

Mit einem Festakt feierte der Automobilhersteller Audi Mitte November ein doppeltes Kultur-Jubiläum: Vor 50 Jahren hatte sich auf Eigeninitiative aus der Belegschaft das heute als Bläserphilharmonie bekannte Werksorchester gegründet, und seit genau dieser Zeit engagiert sich der Konzern auch in Sachen Kultur. Bayreuth-Chefin Katharina Wagner inszenierte auf einer eindrucksvollen Gerüstbühne abwechslungsreich und mit einer stimmungsvollen Lightshow illuminiert eine fünfstündige Gala mit 150 Künstlern, unter denen auch der chinesische Sheng-Künstler Wu Wie und Startrompeter Till Brönner begeisterten.

NACHRUF

HANS WERNER HENZE

Seine letzte Uraufführung hatte wenige Tage vor seinem Tod stattgefunden – als Auftragswerk der Deutsche Oper Berlin für deren 100-jähriges Bestehen. Die fünfminütige Komposition für großes Orchester „Ouvertüre zu einem Theater“ ist am 20. Oktober im Rahmen des Jubiläumskonzerts an der Bismarckstraße aufgeführt worden.

Nur eine Woche später, am 27. Oktober 2012, verstarb der bedeutende zeitgenössische Komponist in einem Dresdner Krankenhaus, in das er nach einem durch seine Parkinson-Erkrankung bedingten Zusammenbruch eingeliefert worden war. Hans Werner Henze, der bereits in den 1950er-Jahren Italien zu seiner Wahlheimat erklärt hatte, war am 1. Juli 1926 in Gütersloh als ältestes Kind eines Lehrers geboren worden. Nach dem zweiten Weltkrieg setzte er sein Musikstudium, das er bereits 1942 in Braunschweig in den Fächern Klavier und Schlagzeug begonnen hatte, bei Wolfgang Fortner in Heidelberg fort. Da dieser es ablehnte, ihn in Zwölftontechnik zu unterweisen, hatte Henze sich die Schönberg‘schen Techniken selbst beigebracht und vertiefte diese Studien ab 1949 bei René Leibowitz in Darmstadt und Paris. Während seiner Zeit als musikalischer Mitarbeiter am Theater Konstanz entstand 1948 seine erste Oper »Das Wundertheater«. Bald folgten zwei Rundfunkopern sowie mehrere Sinfonien, bis die 1952 in Hannover uraufgeführte Oper »Boulevard Solitude« den endgültigen Durchbruch brachte und ihn zum führenden Komponisten seiner Generation machte. Dennoch verließ er im darauffolgenden Jahr Deutschland. Für ihn war das Klima der Adenauer-Ära zu reaktionär. Außerdem wollte er sich den Einflüssen des Darmstädter Zirkels entziehen, der serielle Musik bevorzugte und dessen Überzeugungen er als Beengung empfand, da ihm kreative Ausdrucksmöglichkeiten mehr bedeuteten als künstlerische Dogmen. Hans Werner Henze hat stets vermieden, sich auf einen bestimmten Stil zu beschränken und blieb trotz zahlreicher instrumentaler und sinfonischer Werke bis zum Schluss dem Musiktheater besonders verbunden, für das er sich immer wieder klassische Literaturvorlagen gemeinsam mit zeitgenössischen Schriftstellern erschloss. So verband ihn ab 1955 eine enge Freundschaft mit der Dichterin Ingeborg Bachmann, die in den Folgejahren die Libretti zu zwei seiner Opern verfasste: »Der Prinz von Homburg«, erstmals gespielt 1960 an der Hamburgischen Staatsoper, und zum 1965 an der Deutschen Oper Berlin unter Christoph von Dohnányi uraufgeführten Musiktheater »Der junge Lord«. Von Dohnányi war es auch, der 1966 erstmals Henzes »Die Bassariden« bei den Salzburger Festspielen dirigierte. 1976 erreichte seine Sozialkritik mit der am Royal Opera House uraufgeführten Antikriegsoper »Wir erreichen den Fluss« einen weiteren künstlerischen Höhepunkt. Nach dieser politischen Phase engagierte sich Henze vermehrt in der Nachwuchsförderung, gründete als erstes Festival zur Verbreitung Neuer Musik 1976 den Cantiere Internazionale d’Arte in Montepulciano, wo 1980 seine Kinderoper »Pollicino« uraufgeführt wurde, sowie 1988 die Münchener Biennale, deren künstlerische Leitung er bis 1996 innehatte. Sein Musiktheaterschaffen kehrte indes wieder zu traditionelleren Formen zurück – so etwa in »Das verratene Meer«, der 2003 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführten Oper »L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe«, »Phaedra«, die 2007 in der Staatsoper Unter den Linden uraufgeführt wurde oder »Gisela«, aufgeführt erstmals bei der Ruhrtriennale 2010. Bereits während seiner Arbeit zu »Phaedra« hatte Henze, der zuletzt auch von der Parkinsonkrankheit gezeichnet war, einen ersten Schwächeanfall erlitten; dennoch blieb er bis zuletzt aktiv. 2008 wurde sein künstlerisches Schaffen mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern gewürdigt. Kurz vor seinem Tod konnte der Komponist im September noch die Premiere von »Wir erreichen den Fluss« an der Dresdner Semperoper miterleben (OG 11/2012). Am 5. November wurde er im Alter von 86 Jahren auf dem Gemeindefriedhof von Marino beigesetzt.

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BÜCHER

Siebenjahrbuch DEUTSCHE OPER BERLIN 2004-2011

NICOLAI VERLAG ISBN 978-3-89479-669-3 · Autor: M. Lehnert · Ausgabe 12/2012

Die deutsche Oper Berlin feiert ihren 100. Geburtstag. Als eine der effizientesten Perioden in ihrer Geschichte darf die siebenjährige Intendanz der Götz Friedrich Schülerin Kirsten Harms gelten, in der das Haus grundlegend modernisiert wurde, auch immer wieder berühmte Sänger am Haus gastierten, vor allem aber Begegnungen mit selten gespielten Werken und Wiederentdeckungen in Szene gesetzt wurden, wie es dies in solcher Dichte an einem deutschen Opernhaus dieser Größenordnung zuvor nicht gegeben hatte. Die Leidenschaft und das Bekenntnis von Kirsten Harms und ihres Dramaturgen für die Deutsche Oper sind bis heute ebenso spürbar wie die Sympathien des sich dankbar erinnernden Publikums. Ein ansprechend aufgemachtes, recht schweres Buch lädt zum Schmökern und Vertiefen in diese besondere Periode ein. Geeignet für den Gabentisch aller Opernfreunde - nicht nur der der Deutschen Oper Berlin.

Christian Thielemann MEIN LEBEN MIT WAGNER

C.H. BECK VERLAG ISBN 978-3-406-63446-8 · Autor: M. Lehnert · Ausgabe 12/2012

Wer sich für die Bayreuther Festspiele und insbesondere die klanglichen Eigenheiten des Bayreuther Festspielhauses interessiert, wird in der Literatur kaum mehr praxisbezogene Informationen finden als in dem Wagner-Buch von Christian Thielemann. „Mein Leben mit Wagner“ ist ein Bekenntnis, keine Autobiografie. Historisches und Anekdotisches ergänzen eigene Erfahrungen.

Alfred A. Fassbind JOSEPH SCHMIDT – SEIN LIED GING UM DIE WELT

RÖMERHOFVERLAG ISBN 978-3-905894-14-1 · Autor: M. Lehnert · Ausgabe 12/2012

Joseph Schmidt war der meistgehörte Sänger der frühen Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts in Deutschland, und seine Karriere war wie kaum eine andere geprägt von der zeitlich parallel wachsenden Macht der Nationalsozialisten. Alfred A. Fassbind ist eine sachlich fundierte, sehr ausführliche Lebensbeschreibung geglückt, die mit Fakten überzeugt und so umfangreich informiert, wie man es sich von jeder Biografie wünscht. Zahlreiche Bilder und Plakatabdrucke spiegeln eindrucksvoll die Popularität eines Ausnahmekünstlers wider.

DVDs

Giacomo Puccini TOSCA

EMI 50999 4 040639 8, 1 DVD · Autor: Th. Baltensweiler · Ausgabe 12/2012

Für ein Revival 2011 war die »Tosca«-Inszenierung von Jonathan Kent am Royal Opera House in London offenbar sorgfältig aufpoliert worden, sodass die Kamera recht überzeugend Stars in Nahaufnahme präsentieren konnte. Wie in der Premiere sangen Angela Gheorghiu und Bryn Terfel. Neu zur Besetzung hinzugestoßen: Jonas Kaufmann als Cavaradossi. Das sorgte für Spannung, denn Gheorghiu und Kaufmann sind ein bestens aufeinander eingespieltes Duo.

Camille Saint-Saëns SAMSON ET DALILA

ARTHAUS 101631, 1 DVD · Autor: S. Martens · Ausgabe 12/2012

Ein beachtlicher Musikfilm, in dem absolut nichts von der eigentlichen Oper ablenkt: Zwei im Oktober 2010 mitgeschnittene Aufführungen von »Samson et Dalila«, in denen Startenor José Cura nicht nur die männliche Titelpartie singt, sondern auch für die Regie, das Bühnenbild und die Kostüme verantwortlich zeichnet.

CDs

Richard Strauss DER ROSENKAVALIER

DECCA 478 1507, 3 CDs ∙ Autor: J.M. Wienecke ∙ Ausgabe 12/2012

Christian Thielemann spricht im Zusammenhang mit seiner szenischen Baden-Badener »Rosenkavalier«-Produktion gern schwärmerisch von einer „galaktischen Besetzung“, die ihm Anfang 2009 im Festspielhaus zur Verfügung gestanden hatte. Der in der Tat außergewöhnliche künstlerische Ertrag des Live-Mitschnitts, der bereits auf DVD erschienen ist, wird nun auch auf CD veröffentlicht.

Rolando Villazón VILLAZÓN VERDI

DG 0028947794608, 1 CD ∙ Autor: B. Kempen ∙ Ausgabe 12/2012

Rolando Villazón spricht mit dieser bei der Deutschen Grammophon erschienenen CD einem der ganz großen Geburtstagskomponisten des Jahres 2013 seinen Glückwunsch aus, und der ist zauberhaft gelungen, kein intimes Fest im Kerzenschein sondern ein herrlich funkelndes Feuerwerk. Die CD verfolgt vor allem das Ziel, ein ganzheitliches Repertoire-Porträt Verdis aufzufächern, und was die CD eint ist ein bestens aufgelegter und präparierter Villazón, der aus einem derzeit übervoll gesunden Fundus an stimmlichen Möglichkeiten schöpft.