Das Opernglas - Ausgabe 06/2011

Die New Yorker Met glänzte bei ihrer neuen »Walküre« mit Sängerstars wie Jonas Kaufmann, Bryn Terfel und Deborah Voigt, die Staatsoper in Berlin zeigte vom selben Werk eine Übernahme aus der Mailänder Scala, in Sofia wurde diese Oper zum ersten Mal überhaupt gespielt. Der »Ring« in Hannover ist bereits beim »Siegfried« angekommen mit dem Titelhelden im Superman-Kostüm.
Die Salzburger Osterfestspiele zeigten »Salome«, in Frankfurt gab es Pizzettis seltenen »Mord in der Kathedrale« mit John Tomlinson in der Rolle des Thomas Becket, und an der Semperoper in Dresden die späte Erstaufführung von Monteverdis »L’incoronazione di Poppea«.

Dazu ausführliche Interviews mit Joyce DiDonato, Hans Christoph Begemann und Petra Weber-Schuwerack, die nach ihrer eigenen Gesangskarriere ein erfolgreicher Sängerscout geworden ist.

Nachfolgend erhalten Sie einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen dieser Ausgabe. Eine ausführliche Liste aller Inhalte finden Sie im Inhaltsverzeichnis.

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INHALTSVERZEICHNIS

Inhaltsverzeichnis

Ausgabe 06/2011

Das komplette Inhaltsverzeichnis mit allen Themen.

EDITORIAL
AUFFÜHRUNGEN
  • ZÜRICH Un ballo in maschera
  • BERLIN Samson et Dalila (Deutsche Oper)
  • OSTERFESTSPIELE SALZBURG Salome (Großes Festspielhaus)
  • MÜNCHEN Eugen Onegin (Herkulessaal)
  • FRANKFURT Murder in the Cathedral
  • HANNOVER Siegfried
  • DRESDEN L’incoronazione di Poppea (Staatsoper)
  • NEW YORK Die Walküre (Metropolitan Opera)
  • BRESLAU Parsifal
  • STOCKHOLM Stiffelio
  • BERLIN Parsifal (Philharmonie)
  • BERLIN Wozzeck (Staatsoper im Schillertheater)
  • BERLIN Die Walküre (Staatsoper im Schillertheater)
DAS INTERVIEW
  • JOYCE DIDONATO
DAS PORTRÄT
  • HANS CHRISTOPH BEGEMANN
NAMEN UND DATEN
REPORT
  • WIESBADEN / BERLIN / HAMBURG
  • KÖLN / BRÜSSEL / DARMSTADT
RUNDBLICK
  • DORTMUND Hamlet
  • KARLSRUHE La Gioconda
  • BERN Die tote Stadt
  • BASEL Parsifal
  • MARIBOR La forza del destino
  • HAMBURGER OSTERTÖNE Aura
  • SOFIA Die Walküre
  • FREIBURG Otello
  • MÖNCHENGLADBACH Joseph Süß
MELDUNGEN
VORGESTELLT
  • PETRA WEBER-SCHUWERACK
VORSCHAU
SPIELPLÄNE
RARITÄTEN
TV-TIPPS
IMPRESSUM
CD-NEWS
  • Georg Friedrich Händel ARIODANTE
  • Georg Friedrich Händel ORESTE
  • Jean-Philippe Rameau LES PALADINS
  • Marc-Antoine Charpentier DAVID + JONATHAN
  • Marc-Antoine Charpentier ACTÉON
  • Francesco Cavalli LA DIDONE
  • José de Nebra AMOR AUMENTA ES VALOR
NEUE COMPACT-DISCS
  • Johann Rudolph Zumsteeg DIE GEISTERINSEL
  • Ludwig van Beethoven FIDELIO
  • Wolfgang Amadeus Mozart DON GIOVANNI
  • Nino Machaidze ROMANTIC ARIAS
  • Anna Prohaska SIRÈNE
  • Jane Archibald HAYDN ARIAS
  • Sandrine Piau APRÈS UN RÈVE
  • Michael Volle LIEDER
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EDITORIAL

Editorial

Autor: R. Tiedemann · Ausgabe 06/2011

„Casta diva”: Douze points, 12 Punkte! Wer hätte gedacht, dass tatsächlich Bellinis Norma auf der Beliebtheitsskala des Opernpublikums auf Platz 1 landen würde? Im Vorfeld des populären TV-Großereignisses „Eurovision Song Contest“, das Mitte Mai ganz Europa nach Düsseldorf blicken ließ, hatte die Deutsche Oper am Rhein als passendes Pendant ­ einen „Grand Prix de l’Opera“ veranstaltet. Es galt, die schönste Opernarie zu wählen. Und siehe da, Verdis Tenor-Hit „La donna è mobile“ landete nur auf Platz 6, verdrängt von (in dieser Reihenfolge) Puccinis „Nessun dorma“ und „O mio babbino caro“, der Gralserzählung aus »Lohengrin« und Dvoráks „Lied an den Mond“ aus »Rusalka«!

Es scheint doch immer wieder einen besonderen Reiz auszuüben, Ranglisten zu erstellen, Favoriten zu küren, auch wenn dies immer nur ein kurzes, prägnantes Schlaglicht auf eine momentane, subjektive Stimmungslage sein kann. Jeder von uns hat da sicher so seine eigene „Top 10“-Liste der großartigsten Opernerlebnisse oder besten CD-Einspielungen im Kopf, zumindest aber die eine oder andere Aufnahme für die berühmte einsame Insel. Die Auswahl fällt allerdings zunehmend schwer, das Angebot ist schier unüberschaubar geworden. Zudem ist in Zeiten des Internets ein Großteil aller jemals offiziell eingespielten, legal oder illegal mitgeschnittenen Musik bereits online verfügbar. Im Mai ging nun sogar ein Dienst ans Netz, der über 10.000 rare Tondokumente aus den Jahren 1901 bis 1925 zur freien (!) Verfügung stellt. Unter dem Namen „National Jukebox“ bietet die Library of Congress in Washington historische Aufnahmen aus den Archiven von Victor Records, RCA, Columbia und anderen Firmen an, auf denen auch die großen Opernstars jener Zeit zu erleben sind, u.a. natürlich Nellie Melba und Enrico Caruso, der allein bereits mit über 170 Titeln vertreten ist – und die Seite ist erst im Aufbau. Ein Schatz, für jedermann zugänglich. Die Portale überbieten sich geradezu mit attraktiven Angeboten. Peter Gelb hat als ausgewiesener Medien-Fan längst die Archive der Metropolitan Opera öffnen lassen, berechtigterweise gegen Gebühr. Zahlreiche Livemitschnitte aus der glorreichen Geschichte des New Yorker Traditionshauses stehen inzwischen bereit, von einer »Götterdämmerung« aus dem Jahre 1936 mit Marjorie Lawrence und Lauritz Melchior bis zu »Fanciulla«, »Don Carlo« oder »Don Pasquale« aus der laufenden Saison. Und auch Orchester ziehen nach, die ganz Großen schneiden ohnehin seit Jahrzehnten fast alles mit. Die Berliner Philharmoniker haben seit einiger Zeit gar einen digitalen Konzertsaal, in den man sich live einloggen kann: bequemer Konzertgenuss auf der Couch. Alles wird archiviert, alles verfügbar gemacht. Unser akustisches Vermächtnis wächst stündlich, schon jetzt sind Hunderte Interpretationen von Beethovens Neunter festgehalten. Aber brauchen wir alle? Die Berliner Philharmoniker erteilen zum Thema „brauchen und gebraucht werden“ gerade eine ganz besondere Lektion. Sie haben sich nach endlosem Verhandlungspoker tatsächlich von den Salzburger Osterfestspielen getrennt. Gerüchte und offene Diskussionen um eine Abwanderung hatte es seit Jahren immer wieder gegeben. Nun wird die seit 1966 bestehende Zusammenarbeit nach der »Carmen« im kommenden Jahr enden. Bestürzung an der Salzach, Jubel an der Oos: Baden-Baden soll das neue Frühlingsdomizil der Berliner werden. Man ahnte es, doch ist die endgültige Entscheidung ein kulturpolitischer Coup, der hohe Wellen geschlagen hat – und sicher noch weitere nach sich ziehen wird.

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INTERVIEWS

Das Interview: JOYCE DIDONATO – Mezzostar mit Charme und Meinung

Autor: Dr. Richard Erkens · Ausgabe 06/2011

Joyce DiDonato ist eine der gefragtesten Sängerinnen unserer Zeit. Ein Gespräch über Rollenvielfalt, Internet und die Verantwortung des Künstlers.

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Das Porträt: HANS CHRISTOPH BEGEMANN - Zwischen Oper und Lied

Autor: Gisela Schunk · Ausgabe 06/2011

Zurzeit ist er mit dem Projekt „Klassik für Jugend“ in Baden-Württemberg auf Tournee, und neben Auftritten auf der Opernbühne und als Liedsänger gibt Hans Christoph Begemann auch noch Gesangsunterricht.

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Vorgestellt: PETRA WEBER-SCHUWERACK - Wettbewerbsfinale in Passau

Autor: Gabriele Helbig · Ausgabe 06/2011

Petra Weber-Schuwerack engagiert sich seit Jahren für den Sängernachwuchs, organisiert Gesangswettbewerbe, Meisterkurse und ist ständig auf der Suche nach jungen Talenten. 2009 wurde sie mit dem Bundesverdienstorden am Band ausgezeichnet.

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AUFFÜHRUNGEN

BERLIN Samson et Dalila

15. Mai · Deutsche Oper Berlin · Autor: R. Tiedemann · Ausgabe 06/2011

Deutsch-Französischer Krieg zu Beginn der 1870er-Jahre: Samson ein Freiheitskämpfer im aufflammenden Bürgerkrieg, Dalila eine jener „Grande Horizontales“, die als gesellschaftlich anerkannte Edelkurtisanen im Paris des 19. Jahrhunderts Macht und Einfluss genossen. Begeisternde Gesangsleistungen von José Cura und Vesselina Kasarova bei ihrem Rollendebüt. Der Zeitsprung des intelligenten Regieansatzes aber hin zum Holocaust ließ stark erregte Gemüter zurück.

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NEW YORK Die Walküre

22. April · Metropolitan Opera · Autor: F. Plotkin · Ausgabe 06/2011

Es ist schon schwer genug, einen »Ring« zu singen. In New York werden die Sänger auch noch einer speziellen Technik untergeordnet. Das als „The Machine“ bekannt gewordene 41 Tonnen schwere Ausstattungsteil beherrschte auch die »Walküren«-Premiere an der Met: Deborah Voigt verlor bei ihrem ersten Auftritt in ihrem Rollendebüt als Brünnhilde sogleich das Gleichgewicht und stürzte noch vor ihren Hojotoho-Rufen.

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ZÜRICH Un ballo in maschera

28. April · Opernhaus Zürich · Autor: S. Mauß · Ausgabe 06/2011

Dass dieser neue »Ballo« ein ganz großer Abend wurde, lag eindeutig an der musikalischen Seite und insbesondere an dem inzwischen fast 80-jährigen Nello Santi am Pult. Ein Verdi, wie er sich facettenreicher und packender nicht denken lässt.

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OSTERFESTSPIELE SALZBURG Salome

16. April · Großes Festspielhaus · Autor: S. Martens · Ausgabe 06/2011

Die verlangte körperlich-sexuelle Ausdrucksebene vermochte Emily Magee als Salome nicht authentisch zu tragen. Schlimmer noch: die kleine Stimme vermochte das Ohr kaum zu erreichen. Den berühmten Schleiertanz vollzogen sechs Salome-Doppelgängerinnen.

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HANNOVER Siegfried

17. April · Niedersächsisches Staatstheater · Autor: S. Mauß · Ausgabe 06/2011

Gag gut, alles gut? Beim Auftritt des Wanderers erscheint zunächst die Speerspitze in der Schmiedetür und wird langsam weiter vorgeschoben. Das dauert, denn das gute Stück ist gut 7 Meter lang. Dass der Speer viel mehr ist, als nur Phallus-Symbol des impotenten Göttervaters, geht in Barry Koskys Regie, wie so vieles, einfach unter. Hatte Kosky zwischendurch schon einmal als vorgezogenen »Ring«-Abschluss seine Sicht auf die »Götterdämmerung« in Essen präsentiert, ging es an der Leine regulär zunächst mit der Premiere von »Siegfried« weiter.

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FRANKFURT Murder in the Cathedral

1. Mai · Oper Frankfurt · Autor: S. Martens · Ausgabe 06/2011

Das kaum bekannte, aber musikalische wie inhaltlich bemerkenswerte Stück des Italieners Ildebrando Pizzetti war 1958 an der Mailänder Scala uraufgeführt worden. Die Oper Frankfurt zeigte jetzt in englischer Fassung das Drama um den englischen Lordkanzler Thomas Becket, der als Erzbischof von Canterbury in Konflikt mit König Heinrich II. gerät und zum Märtyrer wird. Martyn Brabbins setzte die packende, aber auch wunderschön elegische Musik klangvoll um.

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MELDUNGEN / INFO

NAMEN UND DATEN

CHEN REISS, die gerade im Rahmen der Wiener Festwochen die Gilda in Luc Bondys »Rigoletto«-Neuinszenierung im Theater an der Wien singt, wird in der kommenden Saison an der Wiener Staatsoper als Sophie im »Rosenkavalier«, als Pamina in der »Zauberflöte« und als Adele in der »Fledermaus« zu hören sein. Weitere Künstlertermine und Infos unter anderem von Paul Armin Edelmann, Mariss Jansons, Anna Netrebko und Erwin Schrott.

REPORT

VIELVERSPRECHENDES DEBÜT

Anja Harteros war bei ihrem Marschallin-Debüt in Wiesbaden genau das, was der Komponist Richard Strauss in seinen Erinnerungen an die ersten Aufführungen geschrieben hatte: „eine junge, schöne Frau“ mit fast mädchenhafter Erscheinung und unterschied sich damit deutlich von majestätisch wirkenden Vorgängerinnen. Wundervolle, weit ausschwingende Bögen überzeugten schon in der ersten Szene – es sollte eine fulminante Vorstellung werden. Bereits Anfang Juni wird sie die Partie in der Wiederaufnahme des »Rosenkavalier« an der Bayerischen Staatsoper erneut interpretieren.

MELDUNGEN

SALZBURG OHNE BERLINER

Die Berliner Philharmoniker werden mit Saisonende 2012 die Zusammenarbeit mit den Salzburger Osterfestspielen beenden und stattdessen ab Ostern 2013 ein neues Festival in Baden-Baden beginnen. Peter Alward, Intendant der Osterfestspiele, teilte mit, dass die Forderungen der Philharmoniker nach einer Ausweitung des Programms, darunter die auf vier Opernaufführungen, finanziell nicht umzusetzen gewesen seien. Die Opernproduktionen der Berliner Philharmoniker in Baden-Baden werden jeweils Neuproduktionen sein. Eliette von Karajan zeigte sich über die Abwanderung des Berliner Klangkörpers „erstaunt und enttäuscht“. Die Osterfestspiele waren 1966 von Herbert von Karajan ins Leben gerufen wrden, um dort mit den Berliner Philharmonikern Opernaufführungen realisieren zu können.

CDs

Nino Machaidze ROMANTIC ARIAS

SONY 88697841742, 1 CD · Autor: S. Martens · Ausgabe 06/2011

Als Einspringerin für die schwangere Anna Netrebko bei den Salzburger Festspielen 2008 wurde sie bekannt, nun hat das vielversprechende Talent bei SONY einen Exklusivvertrag erhalten und die erste Solo-CD vorgestellt.

Johann Rudolph Zumsteeg DIE GEISTERINSEL

CARUS 83.229/00, 3 CDs · Autor: S. Mauß · Ausgabe 06/2011

Der Name Zumsteeg begegnet dem Musikfreund heute eigentlich nur noch gelegentlich in Liederabenden, denn die Balladen des Schiller-Freundes haben sich am ehesten über die Jahrhunderte gerettet. Seine Oper »Die Geisterinsel« von 1798 basiert auf Shakespeares »Tempest«, steht in vielen Punkten Mozart und der »Zauberflöte« nahe, weist aber auch schon auf die Romantik eines Carl Maria von Weber voraus. Klug ausgewählt das gute Solistenensemble der Einspielung, auf der u.a. Christiane Karg als Miranda zu hören ist.

Georg Friedrich Händel ARIODANTE

VIRGIN CLASSICS 5099907084423, 3 CDs · Autor: J. Gahre · Ausgabe 06/2011

Dem Händel-erfahrenen Alan Curtis und seinem Complesso Barocco gelingt eine bis in die feinsten Nuancen ausgelotete Interpretation. Liebevoll kümmert er sich um jedes Detail und ist den Sängern ein einfühlsamer Begleiter, der gleichsam mit ihnen „atmet“. Joyce DiDonato bewältigt die Titelpartie mit Bravour. Marie-Nicole Lemieux verleiht dem perfiden, von machiavellischen Machtgelüsten getriebenen Polinesso mit ihrem an Farben reichen Alt mephistophelische Dämonie.