Das Opernglas – Ausgabe 01/2021

Lange erwartet: Roberto Alagnas Rollendebüt als Lohengrin. Die Neuproduktion an der Berliner Staatsoper fand statt – wenn auch ohne Publikum. Ebenfalls ohne Applaus mussten die Stars einer Münchner »Bohème« auskommen: Jonas Kaufmann und Rachel Willis-Sørensen. Auch das Donizetti-Festival in Bergamo ließ sich nicht beirren und fand statt. Die Mailänder Scala wich anstelle der traditionellen Neuproduktion zur Eröffnung auf eine speziell für ein Streaming zugeschnittene Gala aus, in Amsterdam gelang ein überzeugender »Figaro«, und das Landestheater Niederbayern riskierte für das neue Format ein ungewohntes musikalisches Bild von Puccinis »Madama Butterfly«. Weitere gestreamte Premieren waren »Falstaff« aus München, aus Köln gar zwei: »Die tote Stadt« und »Written on Skin«.

Die Interviews: Einer der ganz Großen feiert im Januar seinen 80. Geburtstage: Plácido Domingo. Und die, die die Karriere noch vor sich haben, stehen aktuell vor großen Problemen. Dazu ein Gespräch mit Prof. Susanne Rode-Breymann, Präsidentin der Hochschule für Musik in Hannover.

Nachfolgend finden Sie einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen dieser Ausgabe. Eine ausführliche Übersicht bietet das Inhaltsverzeichnis.

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INHALTSVERZEICHNIS

INHALTSVERZEICHNIS

Ausgabe: 1/2021

Das Inhaltsverzeichnis mit allen Themen und Beiträgen
EDITORIAL
STREAMING
  • BERLIN Lohengrin (Staatsoper)
  • MAILAND A riveder le stelle (Teatro alla Scala)
  • ATHEN Madama Butterfly (Greek National Opera)
  • MÜNCHEN La Bohème (Nationaltheater) Falstaff (Nationaltheater) Anna Bolena (Staatstheater am Gärtnerplatz)
  • AMSTERDAM Le nozze di Figaro
  • MADRID Rusalka (Teatro Real)
  • WIEN Le nozze di Figaro (Theater an der Wien)
  • VENEDIG Petite Messe Solennelle (Teatro La Fenice)
  • KÖLN Written on Skin (Staatenhaus) Die tote Stadt (Staatenhaus)
  • LANDESTHEATER NIEDERBAYERN Madama Butterfly
DAS INTERVIEW
  • Plácido Domingo
NAMEN UND DATEN
FESTIVAL
  • Bergamo Donizetti-Festival
IM BLICKPUNKT
  • Der Nachwuchs
MELDUNGEN
RUNDBLICK
  • STUTTGART Das Lied von der Erde
  • HALLE La Traviata
  • HANNOVER Tristan und Isolde
  • KARLSRUHE Der späte Strauss
  • REGENSBURG Dame Kobold
  • HEIDELBERG Summernightdreamers
  • MALMÖ Falstaff
  • KOLDING Rigoletto
STIMMEN
  • Brünnhilde im Laufe der Zeit
VORSCHAU
BÜCHER
  • Biografie, Wissenschaft, Ästhetik
AUDIO / GESAMT
  • Giacomo Puccini IL TABARRO
  • Benjamin Britten PETER GRIMES
  • Alessandro Stradella IL TRESPOLO TUTORE
  • Antonio Vivaldi ARGIPPO
  • Joseph Haydn IL RITORNO DI TOBIA
  • Marin Marais ALCIONE
IMPRESSUM
STREAMING-TIPPS
TV-TIPPS
AUDIO / SOLO
  • Iñaki Encina Oyón/ Adriana Gonzáles DUSSAUT & COVATTI
  • Aleksandra Kurzak DESIRE
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EDITORIAL

EDITORIAL

Autor: Y. Han · Ausgabe 1/2021

2020 geht zu Ende – zum Glück, werden viele von Ihnen sicherlich denken, auch wenn der Jahresausklang in diesem Jahr stiller und besinnlicher ausfällt, als es normalerweise der Fall gewesen wäre. Still ist es auch in musikalischer Hinsicht zuletzt vielerorts geblieben – aber nicht gänzlich. In Abwesenheit von Publikum hat so manches Haus nicht klein beigegeben, sondern seine Produktionen und Konzerte in live gestreamter Form dem im Saal nicht zugelassenen Publikum verfügbar gemacht. Im Reigen der oft stargespickten Angebote lag ein besonderes Augenmerk sicherlich auf dem Berliner »Lohengrin« an der Lindenoper mit Roberto Alagnas lange und mit Spannung erwartetem Rollendebüt in der Partie des Schwanenritters, das unsere Januar-Ausgabe eröffnet. 
Konsumieren auch Sie das digital oder per Live-Übertragung im TV-Programm verfügbare Angebot, liebe Leser? Die einen beklagten diese „Konserve“ schon kurz nach ihrem Aufkommen im Frühling, andere begrüßen sie nach wie vor als rettende Kreativleistung. Ist auch das einer dieser Transformationsprozesse, die der Dirigent Constantin Trinks schon auf der Höhe der ersten Welle im Frühjahr in einem sehr treffenden Artikel analysierte und der auch jetzt von der Präsidentin der Musikhochschule Hannover kritisch unter die Lupe genommen wird? Wird ein sich immer breiter aufstellendes Digital-Angebot der Opernhäuser uns auch in Zukunft erhalten bleiben? Und wenn ja – was bedeutet es für das Kulturleben? Führt es zu Vergrößerung oder im Gegenteil zu sukzessiver Verkleinerung? Die Zeit wird zeigen, wie lange uns das Thema Corona tatsächlich noch begleiten und Folgeerscheinungen nach sich ziehen wird – das wird besonders deutlich, wenn man sein Augenmerk auf die richtet, die noch darauf warten, Teil des „Opernzirkus“ zu werden: Wie die Baumringe in der Natur kann erst in einigen Jahren die Nachwuchslage Aufschluss darüber geben, welche Wellen 2020 und die sich anschließende Konsolidierungsphase geschlagen haben. 
Wie treffend, dass wir somit mit zwei scheinbar gegensätzlichen, gleichzeitig aber doch auch verwandten Themen in das neue Jahr starten: mit dem Blick nach vorn in eine ungewisse Zukunft sowie mit dem Blick zurück einer Sängerlegende, deren internationale Bühnenkarriere in ihrer Länge und mit über 150 Opernpartien beispiellos ist und die sich trotzdem den mitfühlenden Blick auf den Nachwuchs bewahrt hat – den Domingo wie kein anderer mit seiner „Operalia“ fördert, ihn in immer wieder prominente Karrieren katapultiert und auf den ersten großen Schritten begleitet. Am 21. Januar wird Plácido Domingo 80 Jahre alt und denkt noch immer nicht ans Aufhören. Die trotz Belästigungsvorwürfen ungebrochene Welle an Begeisterung vonseiten seiner Fans, der Zuspruch durch seine Bühnenkollegen und seine Liebe zur Musik und zur Bühne dürften ihn darin bestärken. 
Es war ein bewegtes, für viele sicherlich auch erschöpfendes Jahr. Lassen Sie es besinnlich ausklingen und starten Sie mit stets offenen Herzen und Ohren in das neue Jahr 2021 – wir freuen uns, dass Sie sich dabei von unserer Januar-Ausgabe begleiten lassen, und blicken mit ungebrochenem Optimismus auf die kommenden Monate. In diesem Sinne: ein frohes neues Jahr! 
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INTERVIEWS

Das Interview: PLÁCIDO DOMINGO – Der Jahrhundert-Sänger

Autor: Y. Han · Ausgabe 1/2021

Es gibt wohl kaum eine vergleichbare Karriere in der Musikgeschichte: als Tenor, als Bariton, als Dirigent, als Operndirektor zeitgleich in Washington und Los Angeles. Plácido Domingo ist sicherlich der bedeutendste und einflussreichste Künstler seiner Generation. Am 21. Januar 2021 feiert er seinen 80. Geburtstag.
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Im Blickpunkt: DER NACHWUCHS – Ein Gespräch mit Prof. Susanne Rode-Breymann

Autor: Y. Han · Ausgabe 1/2021

Über Theaterschließungen wurde/wird leidenschaftlich diskutiert – was aber macht der Nachwuchs, der sich aktuell an all den Hochschulen in den Startlöchern befindet und einer ungewissen Zukunft entgegenblickt? Die Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover gibt einen Lagebericht.
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STREAMING

BERLIN Lohengrin

13. Dezember ∙ Staatsoper Unter den Linden ∙ Autor: U. Ehrensberger · Ausgabe 1/2021

Die Geschichte eines Rollendebüts mit Hindernissen fand vor laufenden Kameras ihren Abschluss. Roberto Alagna sang mit einer Mischung aus italienischer Belcantokultur und französischer Eleganz erstmals den Lohengrin.
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MAILAND A riveder le stelle

7. Dezember · Teatro alla Scala · Autor: W. Kutzschbach · Ausgabe 1/2021

Der neue Scala-Chef Dominique Meyer musste bei seiner ersten Saisoneröffnung umplanen. Ein im Internet gestreamter Gala-Abend präsentierte dafür zahlreiche Weltstars.
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MÜNCHEN La Bohème

30. November ∙ Nationaltheater · Autor: M. Schabel · Ausgabe 1/2021

Eine 50 Jahre alte von Otto Schenk konservativ inszenierte »Bohème« war genau der richtige Rahmen für eine groß besetzte Aufführung im Rahmen der Livestreams der Bayerischen Staatsoper.
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MADRID Rusalka

25. November ∙ Teatro Real · Autor: T. Kliche · Ausgabe 1/2021

Mit Asmik Grigorian als intensiver und menschlicher Rusalka sowie Eric Cutler und Karita Mattila als Prinz und Fremde Fürstin war der enthusiastische Beifall für alle Beteiligten dieser Produktion von Christof Loy fast vorprogrammiert.
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WIEN Le nozze di Figaro

29. November ∙ Theater an der Wien ∙ Autor: Th. Rauchenwald · Ausgabe 1/2021

„Wir spielen für Österreich“ prangte es in großen Lettern aus den leeren Sitzreihen, wenn die Fernsehkamera den Blick in den Zuschauerraum lenkte. Oper zumindest im Fernsehen machte der ORF auch für diese Neuproduktion mit dem Concentus Musicus Wien unter Leitung von Stefan Gottfried möglich.
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KÖLN Die tote Stadt

4. Dezember · Staatenhaus · Autor: A. Laska · Ausgabe 1/2021

Nein, diese Premiere durfte nicht ausfallen! 100 Jahre, auf den Tag genau, nachdem Erich Wolfgang Korngolds »Tote Stadt« zeitgleich in Köln und Hamburg das Licht der Welt erblickt hatte.
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LANDESTHEATER NIEDERBAYERN Madama Butterfly

3. Dezember ∙ Digital · Autor: M. Schabel · Ausgabe 1/2021

Ein Experiment aus der Not geboren. Wie kann man die Klangwelt Puccinis ohne großes Orchester nachstellen? In der Titelrolle war Yitian Luan in jeder Arie ein Genuss.
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BÜCHER

BÜCHER

Angelo Neumann, 1838 geboren als Josef Neumann: Sänger, Operndirektor, Impresario, Wagner-Bewunderer und Veranstalter. 1878 organisierte er den ersten „Nicht-Bayreuther“ »Ring des Nibelungen«-Zyklus und war Erfinder des reisenden Richard-Wagner-Theaters. Eine Biografie über ihn bietet spannende Einblicke in Musik- und Zeitgeschichte. Ebenso eine über den französisches Komponisten Fromental Halevy, ein Band über die Arbeit von Christoph Schlingensief oder eine Publikation über die Ästhetik des Operntheaters in der DDR.

SPECIALS / INFO

FESTIVAL

Donizetti Festival ohne Publikum

Dass diesjährige Donizetti-Festival in Bergamo, der Geburtsstadt des Komponisten, fand ohne Publikum statt – lediglich Journalisten waren zugelassen. Eigentlich sollte das in mehreren Jahren gründlich renovierte Teatro Donizetti feierlich mit vier Opern des großen Sohnes der Stadt eingeweiht werden, wegen der Corona-Pandemie aber konnte »La fille du régiment« nicht aufgeführt werden und die restlichen drei Werke konnten nur in gestreamter Form erlebt werden, gegen eine Gebühr von 59 Euro. Um das Festival mit einer glanzvollen Oper aus Donizettis Spätphase zu eröffnen, hatte man sich für »Marino Faliero« entschieden.

STIMMEN

Brünnhilde im Laufe der Zeit

Brünnhilde, Wotans „Wunschmaid“, ist die Figur, die in Richard Wagners »Ring des Nibelungen« die größte Entwicklung, weil Läuterung durchlebt. Thomas Rauchenwald macht einen Streifzug durch einige große Rollenvertreterinnen.

NAMEN UND DATEN

Die südafrikanische Sopranistin Golda Schultz, die bis 2018 zum festen Ensemble der Bayerischen Staatsoper gehörte, wird dort die Rolle der Agathe in der Neuproduktion von Webers »Freischütz« (7., 10., 13., 17., 22., 25.2. + 2., 5.7.) und die Liù in »Turandot« singen (12., 15.7.). Als Liù präsentiert sie sich auch an der Seite von Anna Netrebko und Yusif Eyvazov unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann konzertant bei den Osterfestspielen in Salzburg: 27., 31. März + 5. April.

MELDUNGEN

Wissenschaftler des LMU Klinikums München und des UK Erlangen haben nach ihren vielbeachteten Studienergebnissen zu Corona-Ansteckungsrisiken beim Singen mit Sängerinnen und Sängern des Chores des Bayerischen Rundfunks die Resultate ihrer Studie mit dem BR-Symphonie-Orchester veröffentlicht, bei der es um die Aerosolausbreitung und damit um die mögliche Übertragung von Viren beim Spielen von Blasinstrumenten ging. Die Auswertung ergab: Zu den vor ihnen sitzenden Kollegen sollten die Musikerinnen und Musiker einen größeren Abstand einhalten als zur Seite. Immer vorausgesetzt, dass der Raum permanent gelüftet wird und damit die Aerosole regelmäßig durch Frischluft entfernt werden. Für die Trompete und die Klarinette wurden im Mittel Abstände der Wolke vom Mund von 0,9 Meter gemessen, wobei vereinzelte Musiker auch Weiten von 1,5 Meter erreichten, die Querflöte über das Mundstück sogar Weiten von bis zu 2 Meter nach vorn.

VORSCHAU

2020 hatten die Festspiele ein starkes Zeichen gesetzt, als sie trotz Corona-Pandemie ein an die Situation angepasstes Programm angeboten haben. Zwei geplante Opernproduktionen, die damals nicht realisiert werden konnten, will Intendant Markus Hinterhäuser nun im Sommer 2021 nachholen. »Don Giovanni« wird in Regie und Ausstattung von Romeo Castellucci als Eröffnungspremiere gespielt. Als Dirigent kommt Teodor Currentzis zum Einsatz.

AUDIO

AUDIO / GESAMT

Der veristische Einakter »Il Tabarro« von Giacomo Puccini steht in der unmittelbaren Nachfolge von Pietro Mascagnis »Cavalleria rusticana« als Eifersuchtsdrama, in diesem Fall am Ende einer frustrierenden Ehe. Was die etwa 50 Minuten lange Oper für einen Dirigenten so reizvoll erscheinen lasst, kann man einer Neueinspielung unter Marek Janowski ablauschen.

AUDIO / SOLO

Aleksandra Kurzak liebt die großen Emotionen und vermag das auf ihrem neuen Album „Desire“ auch wunderbar und stilvoll auszudrücken mit ihrem herrlich fokussierten Sopran, dessen leichtes Vibrato ihrem Gesang ausgesprochen guttut.