Das Opernglas – Ausgabe 03/2020

Die Höhepunkte: Mit einer genialen Kombination machte die Bayerische Staatsoper München aus Béla Bartóks »Herzog Blaubarts Burg« einen Tatort-Krimi, während an der Staatsoper Hamburg Verdis »Falstaff« mit Ambrogio Maestri in dessen Paradepartie Premiere hatte. Dresden feierte Christian Thielemann bei den »Meistersingern von Nürnberg« mit Klaus Florian Vogt als Stolzing und Georg Zeppenfeld als Hans Sachs, in London gab Elena Pankratova ihr Debüt als Brünnhilde in einem konzertanten »Siegfried« unter der musikalischen Leitung des künftigen Münchner GMDs Vladimir Jurowski. Große Oper auch in Berlin: Während an der Staatsoper eine Neuproduktion des »Rosenkavalier« unter Zubin Mehta für ein ausverkauftes Haus sorgte, begeisterten an der Deutschen Oper die Premiere von Brittens »A Midsummer Night’s Dream« und die Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion von Giacomo Meyerbeers »Les Huguenots« mit Anton Rositskiy als Raoul, während die Komische Oper mit Barrie Koskys Inszenierung der Operette »Frühlingsstürme« von Jaromir Weinberger punktete. Turin zeigte Erich Wolfgang Korngolds »Violanta« mit Annemarie Kremer und in Chemnitz überzeugte ein unkonventioneller »Lohengrin«.

Die Interviews: Drei dramatische Frauenstimmen zeigen ihre unterschiedlichen Facetten. Die ukrainische Sopranistin Liudmyla Monastyrska ist Spezialistin für italienische Rollen wie Lady Macbeth und Abigaille, die amerikanische Hochdramatische Christine Goerke, aktuell auf Brünnhilde und Elektra abonniert, und die niederländische Sopranistin Annemarie Kremer beweist sich in einem ausgesprochen breiten Repertoire. Dazu neben weiteren Interviews ein Gespräch mit der Regisseurin Nicola Raab über den St. Galler »Stiffelio« und mit Bariton Matthias Goerne über Beethoven.

Nachfolgend finden Sie einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen dieser Ausgabe. Eine ausführliche Liste bietet das Inhaltsverzeichnis.

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INHALTSVERZEICHNIS

INHALTSVERZEICHNIS

Ausgabe: 3/2020

Das Inhaltsverzeichnis mit allen Themen und Beiträgen
EDITORIAL
AUFFÜHRUNGEN
  • BERLIN A Midsummer Night’s Dream (Deutsche Oper) Les Huguenots (Deutsche Oper) Frühlingsstürme (Komische Oper) Der Rosenkavalier (Staatsoper)
  • HAMBURG Falstaff
  • MÜNCHEN Judith: Konzert für Orchester / Herzog Blaubarts Burg (Nationaltheater)
  • DRESDEN Die Meistersinger von Nürnberg
  • SAARBRÜCKEN Marguerite
  • FRANKFURT Tristan und Isolde
  • WIEN Salome (Theater an der Wien) Lohengrin (Staatsoper)
  • AMSTERDAM Nabucco
  • ZÜRICH Iphigénie en Tauride
  • LONDON Siegfried (Royal Festival Hall)
  • BARI La Bohème
  • TOULOUSE Parsifal
  • TURIN Violanta
  • ATHEN Die Fledermaus
DAS INTERVIEW
  • LIUDMYLA MONASTYRSKA
IM GESPRÄCH
  • CHRISTINE GOERKE
NAMEN UND DATEN
IM FOKUS
  • Salzburger Mozartwoche 2020
SPECIAL
ST. GALLER FESTSPIELE
  • STIFFELIO – DAS LEBEN OHNE EHRE
  • NICOLA RAAB
  • DIMITRIS PAKSOGLOU
  • ANNEMARIE KREMER
REPORT
  • BERLIN / WIEN / NÜRNBERG
RUNDBLICK
  • CHEMNITZ Lohengrin
  • FREIBURG Kosmos Korngold
  • LÜBECK Montezuma
  • MAGDEBURG Turandot
  • HILDESHEIM Tristan und Isolde
  • LINZ Il Trovatore
  • KAISERSLAUTERN Mazeppa
  • MÜNCHEN L’île du rêve (Prinzregententheater)
VORSCHAU
SPIELPLÄNE
TV-TIPPS
RARITÄTEN
IMPRESSUM
DAS SPIELPLÄNCHEN
  • Musiktheatertipps für Kinder und Jugendliche
NACHRUF
AUDIO / GESAMT
  • Pierantonio Tasca A SANTA LUCIA
  • Ravi Shankar SUKANYA
  • Georg Friedrich Händel ALMIRA
  • Kurt Weill EIN HAUCH VON VENUS
  • Georg Friedrich Händel AGRIPPINA
MAXIM EMELYANYCHEV
  • „Alles inspiriert mich.“
AUDIO / SOLO
  • Diana Damrau RICHARD STRAUSS
  • Alban Berg COMPLETE SONGS
  • Simone Kermes INFERNO E PARADISO
  • Hanna-Elisabeth Müller REINE DE CŒUR
MATTHIAS GOERNE / JAN LISIECKI
  • BEETHOVEN
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EDITORIAL

EDITORIAL

Autor: Y. Han · Ausgabe 3/2020

„Finden Sie nicht auch, dass stets das erste Mal besonders nachhaltig im Herzen bleibt?“, fragt Christine Goerke im Gespräch unseren Korrespondenten zurück, als dieser wissen möchte, welche der vielen »Ring«-Produktionen, auf die sie bereits zurückblicken kann, ihr die liebste sei. Eine schöne Gelegenheit, auch bei sich selbst noch einmal nachzuforschen – zumal 2020 ein an »Ringen« reiches Jahr ist, das nicht nur ganz neue Produktionen in Paris und bei den Bayreuther Festspielen bringt, sondern auch in Saarbrücken und Würzburg, wo jeweils mit dem »Rheingold« der Startschuss zu einer neuen Tetralogie gesetzt wird, während in Göteborg sowie in Landshut in dieser Spielzeit mit der »Walküre« (der ersten in Niederbayern überhaupt!) bereits das zweite Kapitel geöffnet wurde/wird und in Kassel (März) und in Chicago (April) mit »Götterdämmerung«-Premieren wiederum »Ringe«, diese beispiellosen Mammutprojekte, zur Vollendung kommen werden.
Die persönlichen Erfahrungen und Annäherungsgeschichten, die mit dem »Ring des Nibelungen« verbunden sind, sind bekanntermaßen mannigfaltig – die einen lernen ihn, ermutigt und herangeführt von ihren Eltern, bereits als Kinder kennen, andere erst als Erwachsene; die einen lieben ihn von Anfang an oder lernen ihn mit der Zeit zu lieben, die anderen werden mit ihm allen Bestrebungen und Bemühungen zum Trotz nie so richtig warm. „Also wenn man einen ‚Game of Thrones‘-Marathon durchsitzen kann … da kann ich versprechen: der »Ring« ist deutlich cooler“, hat Christine Goerke schon an anderer Stelle gesagt. Und wahrscheinlich ist ein bisschen was dran – der »Ring« holt uns in eine Welt von Göttern und Fabelwesen, bestes Fantasyepos-Material, durchsetzt mit zum Teil schonungslosen Geschichten von Macht, Gier, Verrat, Begehren, Liebe und Tod, Verlust, Schmerz, das alles verpackt in vielschichtigste Musik. Was will man mehr – ist das nicht ein Stoff, der geradezu prädestiniert ist, in die Oper zu locken?
Wer nicht zu den Menschen zählt, die einen unmittelbaren Zugang zu Wagners Werk gefunden haben, kennt vermutlich nur zu gut die mal längere, mal kürzere Geschichte des Sich-Heranarbeitens an dessen Opern(-kosmos). Es ist nicht nur aufgrund der berühmt berüchtigten Spieldauer, sondern auch dank der Komplexität der Komposition in Kombination mit dem Operntext ein zeitaufwendiger und ein reges inneres Engagement erfordernder Prozess, der aber auch exemplarisch steht für die generelle Wichtigkeit und den enormen Wert, nicht davor zurückzuschrecken viel zu hören, viel zu sehen, und das im Optimalfall live im Opernsaal. Nur wer immer wieder die bewusste Begegnung mit einem bestimmten Stück sowie mit einer Vielzahl an Werken sucht, lernt ein solches in all seinen Facetten kennen und weitet seinen Horizont auf wertvolle, in vielerlei Hinsicht bereichernde Weise, denn der Konsum von Oper ist nicht nur ein intellektueller, sondern auch ein sehr emotionaler Vorgang, der ein gewisses Maß an Disziplin sowie Empathie und Aufgeschlossenheit voraussetzt. Dazu gehört aber genauso, immer wieder von Gewohntem und Altbekanntem abzuweichen und Neues zu wagen, denn gerade hier warten oft spannende und unvergessliche Neubegegnungen, die wie das von Frau Goerke heraufbeschworene „erste Mal“ ewig im Herzen nachbeben.
Ein jeder von uns kann sicherlich auf solche Erlebnisse zurückblicken, die das Raster an musikalischen Vorlieben nachhaltig beeinflusst haben – und ein jeder hat auch seine ganz persönliche Geschichte des ersten Opernbesuchs zu erzählen. Für mich waren es als Teenager Brittens »A Midsummer Night’s Dream« und kurz danach »Falstaff« – was gemessen am Durchschnitt vermutlich eher unkonventionelle Erstlinge und vor allem auch recht späte Einstiege sind; eine gute Freundin aus Schultagen wiederum, die als Mittzwanzigerin bei ihrem allerersten Opernbesuch überhaupt (Händels »Almira«, 2014) noch eingeschlafen war, ist nun dank junger Stars wie dem auch in den Sozialen Medien so zugkräftigen und auf unterschiedlichste Zielgruppen wirkenden Jakub Józef Orlinski ein begeisterter Barock-Fan geworden, hochmotiviert, den Opernstar, auf den man durch Instagram und YouTube aufmerksam geworden ist, nun auch live auf der Bühne zu erleben. So verbinden uns alle ganz unterschiedliche Geschichten und Wege mit der Oper – ein weiterer Beweis dafür, wie lebendig, vielseitig und reich an Potenzial das Genre weiterhin ist, wenn man es den Menschen auch entsprechend vermitteln kann.
Wir können das hoffentlich, und so wünsche ich Ihnen mit unserer einmal wieder prall gefüllten März-Ausgabe viel Lese-Vergnügen.
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INTERVIEWS

Das Interview: LIUDMYLA MONASTYRSKA – Oper ist Teamwork!

Autor: T. Baltensweiler · Ausgabe 3/2020

Wenn es anspruchsvolle Partien wie die Abigaille in »Nabucco« oder die Lady Macbeth zu besetzen gilt, ist die ukrainische Sopranistin international eine feste Größe. Ein Gespräch über die Herausforderungen ihrer Karriere.
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Im Gespräch: CHRISTINE GOERKE – Karriere und Kinder

Autor: S. Burianek · Ausgabe 3/2020

Diese Frau kann man einfach nur liebhaben! Für ihre bodenständige Art fliegen Christine Goerke in Amerika die Herzen zu. In Chicago ist sie im April die Brünnhilde im neuen »Ring«. Aber auch im deutschsprachigen Raum wird man sie bald besser kennen. Bei den Bayreuther Festspielen singt sie in diesem Sommer die Brünnhilde in der »Götterdämmerung«.
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St. Galler Festspiele: ANNEMARIE KREMER – Energie auf Bühnenfiguren übertragen

Autor: M. O‘Neill · Ausgabe 3/2020

Ob Verdi, Strauss und Wagner oder Puccini und Korngold – die niederländische Sopranistin hat sich vom dramatischen Koloratursopran in eine ausgesprochen vielseitige Sängerin gewandelt. Im St. Galler Festspielsommer interpretiert sie in Verdis »Stiffelio« die Pastorengattin Lina.
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St. Galler Festspiele: NICOLA RAAB – Süchtig nach Musiktheater

Autor: M. Wilks · Ausgabe 3/2020

Für Nicola Raab ist der »Stiffelio« in St. Gallen ihre erste Open-Air-Produktion. Die Regisseurin erzählt, warum sie so gern mit besonderen Raumsituationen arbeitet und wie sie die Rolle der „Ehebrecherin“ in Verdis Oper beurteilt.
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Der Dririgent: MAXIM EMELYANYCHEV – Neue Einspielung der »Agrippina«

Autor: M. Schabel · Ausgabe 3/2020

Mitte Dezember dirigierte er zum ersten Mal im Berliner Konzerthaus und nahm sich während der Proben Zeit für ein Gespräch, bei dem jede Antwort von einem lebensfroh optimistischen Charakter zeugt.
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Auftakt: MATTHIAS GOERNE & JAN LISIECKI - Beethoven 2020

Autor: Y. Han · Ausgabe 3/2020

Matthias Goerne stellt die erste CD aus einer Reihe mit Beethoven-Liedern vor, mit denen er ab März auch auf dem Konzertpodium zu erleben sein wird. Am Klavier jeweils: Jan Lisiecki.
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AUFFÜHRUNGEN

BERLIN Der Rosenkavalier

9. Februar ∙ Staatsoper ∙ Autor: T. Rauchenwald · Ausgabe 3/2020

Zubin Mehta am Pult und der österreichische Künstler André Heller als Regisseur – die Staatsoper präsentierte eine in allen Belangen hochkarätig besetzte Strauss-Premiere, während an der Deutschen Oper Britten und Meyerbeer gefeiert wurden und an der Komischen Oper ein Operetten-Erfolg in der Regie von Barrie Kosky.
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HAMBURG Falstaff

19. Januar · Staatsoper · Autor: M. Wilks · Ausgabe 3/2020

„Fette Steuern für die Fetten“ – etwas plump geriet die »Falstaff«-Regie von Calixto Bieito an der Hamburgischen Staatsoper, in der Titelpartie war mit Ambrogio Maestri jedoch ein Meister seines Faches aufgeboten.
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MÜNCHEN Judith: Konzert für Orchester / Herzog Blaubarts Burg

1. Februar ∙ Nationaltheater · Autor: M. Schabel · Ausgabe 3/2020

Blaubart ein Serienmörder und Judith die Kommissarin – möglich machte diesen Regieeinfall die Koppelung von Bartóks Oper mit seinem berühmten Orchesterkonzert als Vorspiel. Große Stimmen in den Hauptpartien: John Lundgren und Nina Stemme.
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DRESDEN Die Meistersinger von Nürnberg

26. Januar ∙ Semperoper · Autor: U. Ehrensberger · Ausgabe 3/2020

Einmal gänzlich unpolitische »Meistersinger« hatte Christian Thielemann sich gewünscht. Die Produktion von Jens-Daniel Herzog, erstmals gezeigt bei den Osterfestspielen in Salzburg, hatte nun Premiere auch in Dresden.
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FRANKFURT Tristan und Isolde

19. Januar ∙ Opernhaus · Autor: S. Barnstorf · Ausgabe 3/2020

Schönster Einfall: Der Liebestrank ist ganz einfach guter irischer Whiskey, dem (zu) eifrig zugesprochen wird. Eine große Premiere, aber nicht durchweg glücklich besetzt.
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WIEN Salome

18. Januar · Theater an der Wien ∙ Autor: T. Rauchenwald · Ausgabe 3/2020

Die Salome der Marlis Petersen ist immer wieder beeindruckend. Im Theater an der Wien zeigte man die Strauss-Oper in einer alternativen Orchesterfassung, die nicht durchweg überzeugte.
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ZÜRICH Iphigénie en Tauride

2. Februar · Opernhaus ∙ Autor: T. Baltensweiler · Ausgabe 3/2020

Bereits vor fünf Jahren hatte sich Cecilia Bartoli in Salzburg Glucks Iphigénie zugewandt. Wie die neuerliche Auseinandersetzung in Zürich zeigte, braucht die Mezzosopranistin keine Koloraturkaskaden, um ihr Publikum in den Bann zu ziehen.
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LONDON Siegfried

1. Februar ∙ Royal Festival Hall ∙ Autor: M. Lehnert · Ausgabe 3/2020

Im kommenden Jahr soll es mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter Vladimir Jurowski zwei komplette »Ring«-Zyklen geben. Nachdem man in diesem Jahr beim »Siegfried« angekommen war – ein ehrgeiziges Projekt.
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SPECIALS / INFO

IM FOKUS

SALZBURGER MOZARTWOCHE 2020

Highlights des von Rolando Villazón verantworteten Festivals: Ein Mozart, der im Grunde gar kein originärer Mozart ist, kam in der bildmächtigen Umsetzung durch Robert Wilson im Haus für Mozart zur Aufführung, und in der Felsenreitschule begeisterte ein »Figaro« unter der musikalischen Leitung von András Schiff.

SPECIAL

ST. GALLER FESTSPIELE

Ein protestantischer Pastor als Opernheld vor der imposanten Kulisse einer Kathedrale. Bei den St. Galler Festspielen steht in diesem Jahr Giuseppe Verdis Oper »Stiffelio« im Mittelpunkt eines ambitionierten Programms, das im sakralen Raum der Stiftskirche zudem ein neues Tanzstück präsentiert. Interviews zur diesjährigen Opernproduktion.

REPORT

Toll bei Stimme

Zusammen mit der Pianistin Alexandra Dariescu war Operndiva Angela Gheorghiu am 17. Januar mit einem Liederabend in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin zu erleben. Das bunte Programm des Recitals orientierte sich im Wesentlichen an dem kürzlich erschienenen Album „Plaisir d'amour“ der beiden Künstlerinnen. In den hier ausgewählten Liebesliedern, die vom Barock bis zum Verismo reichten, bestach die Sopranistin sowohl sängerisch als auch darstellerisch mit ihren breitgefächerten Gestaltungsmöglichkeiten. Minutenlange Standing Ovations gab es am Ende, bevor sie sich mit einem a capella vor dem Vorhang gesungenen „Guten Abend, gute Nacht“ verabschiedete.

NAMEN UND DATEN

Saimir Pirgu singt Franco Faccios Hamlet. »Amleto« hat im Teatro Filarmonico von Verona am 29. März Premiere. Ausführliche Termine des albanisch-italienischen Tenors sowie Meldungen, Termine und Infos von Albina Shagimuratova, Juan Diego Flórez, Nadine Sierra, Dinara Alieva, Joseph Calleja, Jakub Józef Orlinski, John Osborn und anderen.

NACHRUF

Wie so ganz anders eine Repertoirevorstellung von Giuseppe Verdis »Un ballo in maschera«, »Il Trovatore«, »Nabucco« oder »Otello« klingen konnte, wenn Nello Santi am Dirigentenpult stand, und wie richtig, das wurde mir schon als ganz jungem Opernbesucher in Hamburg, in München und Zürich deutlich. Da war eine suggestive Kraft in einer Autorität vorhanden, die in einer über mehr als sechzig Jahre währenden Dirigentenkarriere unvermindert wirkte.
Dass sie auch im hohen Alter trotz mancher körperlichen Gebrechlichkeit so unnachahmlich funktionierte, war gerade in den letzten Jahren noch einmal zu beobachten, als Santi, inzwischen über 85 Jahre alt, an der Mailänder Scala nun doch noch seinen Verdi präsentieren durfte - nunmehr mit Tempi, wie sie einst ein greiser Sergiu Celibidache bei Bruckner anschlug und wie sie heute auch nur eine Anna Netrebko als Violetta (wir berichteten in OG 4/2017) zelebrieren konnte. Deren großen hochdramatischen Ausbruch im 2. Akt steigerte er mit einzigartigem Effekt: eine Sternstunde der Oper. Geschichte schrieb er in Zürich: In vierundneunzig Premieren hat er das Zürcher Publikum begeistert, darunter allein fünf Premieren der Oper »Rigoletto« dirigiert, jener Oper, die der am 22. Februar 1931 in Adria Geborene als Dreijähriger erstmals mit seinen Eltern besucht und sie anschließend fast manisch, wie es überliefert wird, immer und immer wieder angehört hatte. Nello Santi ist nun am 6. Februar 2020 in Zürich an den Folgen einer Blutvergiftung, wie es heißt, verstorben.

Mirella Freni ist am 9. Februar 2020 im Alter von 84 Jahren nach längerer degenerativer Erkrankung und einigen Schlaganfällen verstorben, wie es in einer Mitteilung ihres langjährigen Managers Jack Mastroiannis hieß. Sie starb friedlich in ihrem Heim in Modena umgeben von ihrer Tochter Micaela, zwei Enkelkindern, ihrer Schwester Marta und der langjährigen Freundin Fausta Mantovani. In erster Ehe mit dem Dirigenten Leone Magiera verheiratet, war die Sopranistin anschließend bis zu dessen Tod im Jahre 2004 mit dem unvergessenen bulgarischen Bass Nicolai Ghiaurov verheiratet. Im Jahr 1963 hatte sie in der Premiere von »La Bohème« unter der Leitung von Herbert von Karajan in einer legendären Zeffirelli-Inszenierung ihren großen internationalen Durchbruch. Sie war Karajans Aida und Elisabetta in »Don Carlo« in Salzburg und Wien. Unvergesslich aber auch ihre Amelia in Claudio Abbados Wiederentdeckung des »Simon Boccangera« an der Seite von José Carreras und Piero Cappuccilli. Stets darauf bedacht, die kostbare Stimme nicht zu überfordern, war sie konsequent im Ablehnen von zu dramatischen Partien. Erst im fünften Jahrzehnt und damit gegen Ende ihrer langen Karriere wagte sie sich an die Manon Lescaut, die Fedora oder die Tatjana in Tschaikowskys »Eugen Onegin«, die Lisa in »Pique Dame«, ohne dabei ihre „Signature role”, die Mimì, aufzugeben. Freni wird vielen Opernfreunden immer als das unsterbliche „Mädchen“ auf der Bühne in Erinnerung bleiben.
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VORSCHAU

Erstmals seit ihrer Hamburger Uraufführung im Jahr 1718 wieder in der Hansestadt zu erleben: Händels »Agrippina« mit Alice Coote in der Titelpartie gilt eine der Premieren der neuen Saison 2020/21 an der Hamburgischen Staatsoper. Prominent besetzter Händel natürlich auch bei den kommenden Festspielen zum 100-jährigen Jubiläum in Göttingen, und auch San Francisco hat die neue Saison vorgestellt.

AUDIO

AUDIO / GESAMT

Händels »Agrippina« ist auch eine der spannendsten Neuveröffentlichungen unter den Operngesamteinspielungen: Joyce DiDonato singt hier neben weiteren Stars wie Jakub Józef Orlinski und Franco Fagioli. Es dirigiert der junge russische Dirigent Maxim Emelyanychev.

AUDIO / SOLO

Überzeugt mit den »Vier letzten Liedern«: Diana Damrau auf einem Strauss-Album unter Leitung des kürzlich verstorbenen Mariss Jansons. Wie stets mit viel Esprit und Einfallsreichtum: das neue Album von Simone Kermes, die Barock mit Lady Gaga und Udo Jürgens ergänzt. Experiment gelungen.