Das Opernglas – Ausgabe 03/2019

Ballett-Legende John Neumeier inszenierte Glucks »Orphée et Eurydice« an der Hamburgischen Staatsoper, Piotr Beczala gab an der Wiener Staatsoper ein umjubeltes Rollendebüt als Cavaradossi in »Tosca«, in Paris sorgte die Premiere von Hector Berlioz‘ »Les Troyens« für erhitzte Gemüter, in Prag begeisterte Kreneks »Jonny spielt auf«. Die Bayreuther Festspiele gaben ein hochkarätiges Gastspiel in Abu Dhabi, Miguel Gómez Martínez erhielt in Madrid die Ehrendoktorwürde, Anna Netrebko und Yusif Eyvazov luden ein zu einer intimen Präsentation eines großen Open-Air-Spektakels. In Berlin gab es an der Deutschen Oper mit Bellinis »La Sonnambula« eine Belcanto-Premiere, an der benachbarten Staatsoper eine Uraufführung, und in Sofia präsentierte sich die russische Starsopranistin Maria Guleghina als Kundry erfolgreich in einer Wagner-Partie.

Die Interviews: Counter-Tenor Philippe Jaroussky, der ein Cavalli-Album vorstellt und sich auf Händels »Giulio Cesare« an der Mailänder Scala freut, der wandlungsfähige deutsche Bassbariton Andreas Bauer Kanabas, dessen Name eine interessante Familiengeschichte reflektiert, das Regieteam Aron Stiehl und Frank Philipp Schlößmann, die im März in Wien mit dem »Fliegenden Holländer« Premiere haben und bei den Festspielen in St. Gallen Verdis »Il Trovatore« inszenieren werden, sowie Mezzosopranistin Okka von der Damerau, die in dieser Produktion als Azucena debütiert.

Nachfolgend finden Sie einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen dieser Ausgabe. Eine ausführliche Liste bietet das Inhaltsverzeichnis.

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INHALTSVERZEICHNIS

INHALTSVERZEICHNIS

Ausgabe: 3/2019

Das Inhaltsverzeichnis mit allen Themen und Beiträgen
EDITORIAL
AUFFÜHRUNGEN
  • BRÜSSEL La Gioconda
  • WIEN Tosca (Staatsoper)
  • PARIS Les Troyens (Opéra Bastille) Il primo omicidio (Palais Garnier)
  • HAMBURG Orphée et Eurydice
  • BERLIN La Sonnambula (Deutsche Oper) Violetter Schnee (Staatsoper)
  • LONDON Pique Dame (Royal Opera House) Die Walküre (Royal Festival Hall)
  • PRAG Jonny spielt auf (Nationaltheater)
  • OSLO Billy Budd
  • LINZ Elektra
  • SOFIA Parsifal
  • WIESBADEN Rigoletto
DAS INTERVIEW
  • Philippe Jaroussky
IM GESPRÄCH
  • Andreas Bauer Kanabas
NAMEN UND DATEN
SPECIAL
  • ST. GALLER FESTSPIELE
  • PETER HEILKER / FLORIAN SCHEIBER
  • MICHAEL BALKE
  • ARON STIEHL / FRANK PHILIPP SCHLÖSSMANN
  • OKKA VON DER DAMERAU
IM BLICKPUNKT
  • DIE BAYREUTHER FESTSPIELE IN ABU DHABI
MILLIARDEN FÜR DIE KUNST
  • Grossinvestitionen am Golf
REPORT
  • london / Bremerhaven / Schwerin
REPORT
  • Miguel Á. Gómez Martínez
RUNDBLICK
  • WÜRZBURG Ariadne auf Naxos
  • LAUSANNE Anna Bolena
  • BADEN Die geschiedene Frau
  • KREFELD Les dialogues des Carmélites
  • SALZBURGER MOZARTWOCHE T.H.A.M.O.S. (Felsenreitschule)
  • SALZBURG La Gazzetta (Landestheater)
  • NORDHAUSEN Cendrillon
  • BRAUNSCHWEIG The Turn of the Screw
  • KARLSRUHE Elektra
  • BIELEFELD Dead Man Walking
  • TALLINN Die Zarenbraut
  • WEIMAR Così fan tutte
  • REGENSBURG Elizabetta
VORSCHAU
SPIELPLÄNE
RARITÄTEN
TV-TIPPS
IMPRESSUM
SPIELPLÄNCHEN
  • Musiktheatertipps für Kinder und Jugendliche
NEUE CDs
  • Max Bruch DIE LORELEY
  • Georg Friedrich Händel SERSE
  • Emmerich Kálmán EIN HERBSTMANÖVER
  • Giuseppe Verdi I LOMBARDI
  • Franz Liszt SARDANAPALO
CD-NEWS
  • Broadway statt Opernbühne von Renée Fleming, neue Alben auch von Stéphane Degout, Anna Lucia Richter und Xavier Sabata
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EDITORIAL

EDITORIAL

Autor: R. Tiedemann · Ausgabe 3/2019

Klassische Musik und Oper als Pflichtprogramm im Unterricht! Das klingt doch eigentlich nach einer Lehrplan-Selbstverständlichkeit an deutschen Schulen. Ist es nicht, leider. Die Vorgabe ist dennoch ganz real und aktuell – im fernen Abu Dhabi am Persischen Golf. Diese erstaunliche Erkenntnis zählt zu den prägnantesten Eindrücken während meines Besuches in den Vereinigten Arabischen Emiraten Ende Januar anlässlich des Gastspieles der Bayreuther Festspiele. Damit nicht genug, denkt die dortige Bildungspolitik noch eine ganze Stufe weiter und erhebt das aktuelle Programm des lokalen Veranstalters für westliche klassische Musik gleich zum verbindlichen Unterrichtsthema. Und das in einem vom Islam geprägten Land im Nahen Osten. Da kann man sich schon mal verwundert die Augen reiben angesichts einer derartigen Offensive, die ein zwar kleiner, aber nicht unwesentlicher Teil eines groß gedachten Ganzen ist: „Die Strategie der Scheichs“ – nur eines von vielen spannenden Themen dieser März-Ausgabe.
Der Zusammenhang ist offensichtlich. Bildung ist die Grundlage von allem. Auch wir Europäer, die wir doch so gern mit Stolz auf unsere Traditionen und Errungenschaften als große Kulturnationen blicken, wissen an sich sehr wohl um die Notwendigkeit der Vermittlung einer breiten Wissensbasis, die ganz wesentlich auch Themenbereiche einbezieht wie Musik, Theater, Literatur, Kunst... Unsere Kultur als umfassend gemeinter Sammelbegriff ist dennoch immer mehr zu einem stiefmütterlich gepflegten Sorgenkind in unserem Bildungssystem geworden. Heutzutage ist keineswegs mehr sicher, dass ein Konzertpublikum „seinen“ Beethoven kennt. Wer im schulischen Kontext keine Chance bekommt auf eine Begegnung mit den Sinfonien, dem Klavierwerk, der »Missa solemnis« oder »Fidelio«, um beim Beispiel zu bleiben, wird im späteren Leben weniger leicht für Oper und Konzert zu gewinnen sein. Längst wird daher ein Gutteil des „Bildungsauftrages“ von den Theatern, Opernhäusern und Orchestern selbst übernommen. Sie widmen sich dieser Aufgabe inzwischen derart kreativ und engagiert, dass die aufgelegten Programme durchaus nennenswerte Erfolge erzielen. Neues, interessiertes Publikum stellt sich ein, nicht selten mit langfristiger Bindung ans Haus.
Und doch ist es ein Armutszeugnis, wenn wir diese gesellschaftlich relevante Aufgabe einfach wegdelegieren und zusehen, wie Bund und Länder sich hier immer mehr aus der Verantwortung stehlen. Es ist eine Frage des politischen Willens, wie unser Bildungsniveau in diesem Bereich aussehen soll. Und, überspitzt formuliert, ob ein sachkundiges Publikum in Zukunft überhaupt noch gewünscht ist. Jede Investition in die Rettung eines Dreispartenhauses, die Tarifabsicherung eines A-Orchesters, in teure Theatersanierungen oder prestigeträchtige Neubauten – all diese nicht selten hart erkämpften Kulturinvestitionen sind letztlich unsinnig, wenn sie nicht einhergehen mit einer konstanten, konsequenten Hinführung an eben diese unsere Kultur.
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INTERVIEWS

Das Interview: PHILIPPE JAROUSSKY – Ein großer Spaß

Autor: Y. Han · Ausgabe 3/2019

Pünktlich zur Karnevalssaison überrascht Philippe Jaroussky in augenzwinkernder Kostümierung. Sein neues Album bietet dazu das passende Programm.
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Im Gespräch: ANDREAS BAUER KANABAS – Der Wandlungsfähige

Autor: Y. Han · Ausgabe 3/2019

Die bemerkenswerte Vielfalt seines Repertoires und die interessante Geschichte hinter dem neuen Namen: ausreichend Gesprächsstoff für ein aufschlussreiches Interview.
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St. Galler Festspiele: ARON STIEHL & FRANK PHILIPP SCHLÖSSMANN – Starke Theaterfiguren

Autor: U. Ehrensberger · Ausgabe 3/2019

Ein eingespieltes Team für den neuen »Trovatore« im St. Galler Klosterhof. Regisseur und Bühnenbildner erläutern ihr Konzept und geben nebenbei höchst amüsant Einblick in die gemeinsamen Entstehungsprozesse.
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St. Galler Festspiele: OKKA VON DER DAMERAU – Herausforderungen

Autor: A. Laska · Ausgabe 3/2019

Sie debütiert bei den St. Galler Festspielen als Azucena. Eine Traumrolle für jeden dramatischen Mezzosopran?
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AUFFÜHRUNGEN

HAMBURG Orphée et Eurydice

3. Februar ∙ Staatsoper ∙ Autor: M. Lehnert · Ausgabe 3/2019

Der Mythos vom Künstler Orpheus lässt John Neumeier nicht los. Nach 1978 inszenierte er Glucks Oper nun ein zweites Mal in Hamburg – eine Koproduktion, die im vergangenen Jahr bereits in Los Angeles und Chicago Premiere hatte.
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PARIS Les Troyens

25. Januar · Opéra Bastille · Autor: R. Tiedemann · Ausgabe 3/2019

Doppelpremiere zum großen 350-Jahr-Jubiläum der Oper in Paris: An der Opéra Bastille, die vor 30 Jahren eröffnet worden war, entfachte die Neuproduktion von Hector Berlioz‘ »Les Troyens« eine wahre „Saalschlacht“, während im Palais Garnier eine Barock-Oper von Alessandro Scarlatti bejubelt wurde. Eine Koproduktion auch mit Berlin.
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WIEN Tosca

7. Februar · Staatsoper · Autor: Th. Rauchenwald · Ausgabe 3/2019

Großes Rollendebüt im Wiener Repertoire: Piotr Beczala sang neben der Tosca von Sondra Radvanovsky und dem Scarpia von Thomas Hampson seinen ersten Cavaradossi.
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BRÜSSEL La Gioconda

29. Januar ∙ Théâtre de la Monnaie ∙ Autor: M. Fiedler · Ausgabe 3/2019

Unkonventionell, aber aufwühlend: Ponchiellis opulente »Gioconda« in einer Inszenierung von Olivier Py und mit Béatrice Uria-Monzon in der Titelrolle.
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LONDON Pique Dame

25. Januar ∙ Royal Opera House · Autor: J. Bartels · Ausgabe 3/2019

Tschaikowskys Oper um drei magische Spielkarten als das Ringen des Komponisten mit seiner eigenen Homosexualität – das konnte nicht gefallen. Ganz anders eine konzertante »Walküre« des London Philharmonic Orchestra unter der musikalischen Leitung des designierten Münchner Chefdirigenten Vladimir Jurowski in der Royal Festival Hall.
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PRAG Jonny spielt auf

24. Januar · Nationaltheater ∙ Autor: B. Gruhl · Ausgabe 3/2019

Gnome, tanzende Eisblumen und Eisbären, der Vergnügungsdrang des Kabaretts und der Revuen, der Geist der großen Oper – erstaunlich, wie sich Klang- und Bildwelten in dieser Prager Neuinszenierung von Ernst Kreneks Oper aus dem Jahr 1928 ergänzten.
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SOFIA Parsifal

1. Februar · National Opera ∙ Autor: S. Mauß · Ausgabe 3/2019

Ein Höhepunkt des Abends: Maria Guleghinas Kundry. Die russische Sopranistin will sich künftig stärker dem Wagner-Fach widmen.
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SALZBURGER MOZARTWOCHE T.H.A.M.O.S.

24. Januar · Felsenreitschule ∙ Autor: W. Kutzschbach · Ausgabe 3/2019

Eine spektakuläre Umsetzung durch „La Fura dels Baus“. Imposanter hätte der Einstand von Rolando Villazón als Intendant der Salzburger Mozartwoche gar nicht ausfallen können.
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MELDUNGEN / INFO

IM BLICKPUNKT

Die Bayreuther Festspiele in Abu Dhabi

Kultur, Kunst, Kirche – wie die Vereinigten Arabischen Emirate mit westlicher Hochkultur und symbolträchtigen Bildern die eigene Gesellschaft verändern. Zum Auftakt des „Jahres der Toleranz“ in Abu Dhabi waren, unmittelbar vor dem Papst-Besuch, auch die Bayreuther Festspiele zu Gast am Persischen Golf.

NAMEN UND DATEN

ANNA NETREBKO und YUSIF EYVAZOV präsentierten gut gelaunt im Wiener Palais Coburg ihr großes Open-Air-Projekt, das im September im westfälischen Halle stattfinden soll. Aber auch im Rest der Saison werden beide oft gemeinsam zu erleben sein. Weitere Termine und Infos von Brandon Jovanovich, dem Pariser Aeneas, der als Parsifal und Florestan zu hören sein wird, Albina Shagimuratova, die in London konzertant eine weitere Belcanto-Rarität präsentiert, sowie von Petra Lang, Christoph Pohl, Anita Rachvelishvili und vielen anderen.

SPECIAL

ST. GALLER FESTSPIELE

Überraschung im Klosterhof: Mit Giuseppe Verdis »Il Trovatore« bricht Operndirektor Peter Heilker das Raritäten-Profil der St. Galler Festspiele auf. Konzertdirektor Florian Scheiber hat dazu das passende Programm von den Troubadouren des Mittelalters zu den Songwritern der 70er zusammengestellt – Sonderfall Troubadour(e).

REPORT

Judith Kuhn als Butterfly

Mit Giacomo Puccinis »Madama Butterfly« wusste man an der Wesermündung in Bremerhaven eindrücklich zu punkten: Auf der Bühne hatte man Solisten versammelt, die an großen Gefühlen und Dramatik nichts schuldig blieben, allen voran begeisterte bei ihrem Rollendebüt Judith Kuhn mit einer Stimme, die den rund-dunklen Verismo-Ton in der ohne jeden Druck strömenden Mittellage ebenso mitbringt wie mühelose Höhen im großen dramatischen Ausbruch wie im zurückgenommenen Piano. Das hört man an größeren Bühnen leider meist nicht annähernd so gut. Überzeugen konnte aber auch die Inszenierung der jungen Regisseurin Béatrice Lachaussée, die bereits beim Grazer RINGAWARD auf sich aufmerksam gemacht hatte. Noch eine Vorstellung am 3. März.

EHRUNG

Ehrendoktor für Miguel Gómez Martínez

Anerkennung einer langen, erfolgreichen Karriere: Am 29. Januar wurde Miguel Ángel Gómez Martínez die Ehrendoktorwürde der Universidad Politecnica de Madrid verliehen. Eine internationale Karriere führte ihn in sehr jungen Jahren bereits an die wichtigsten Opernhäuser der Welt. Als Gastdirigent leitete er u.a. die Staatskapelle Dresden, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und die Wiener Philharmoniker, war Chefdirigent des Spanischen Rundfunks in Madrid, der Madrider Oper und am Mannheimer Nationaltheater sowie langjähriger Chef der Hamburger Symphoniker, deren Ehrendirigent er ist.

VORSCHAU

Marina Rebeka als Norma und Ambrogio Maestri als Falstaff – zwei große Namen für zwei Neuinszenierungen an der Hamburgischen Staatsoper in der kommenden Saison. In San Francisco werden Lianna Haroutounian und Brian Jagde in »Manon Lescaut« zu erleben sein, und auch die Oper von Houston hat die neue Spielzeit bekannt gegeben – ihre 65. Saison. In Salzburg präsentierte Rolando Villazón seine Pläne für die Mozartwoche 2020.

NEUE CDs

Ein echtes romantisches Schauerstück hat Max Bruch mit seiner 1863 uraufgeführten Oper »Loreley« hinterlassen, die der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung aus München von ihrer besten Seite zeigt. Gelungen auch Händels »Serse« mit Franco Fagioli, als Produktion vom Stadttheater Gießen kann man Emmerich Kálmáns »Herbstmanöver« kennenlernen, aus Heidenheim Verdis »I Lombardi«, und eine ganz besonderer Rarität ist ein frühes Opernfragment von Franz Liszt: »Sardanapalo«.

CD- NEWS

Broadway statt Opernbühne: Renée Fleming, die sich von der Opernbühne zurückgezogen hat, stellt eine neue CD mit 17 Broadway-Songs aus der Welt von Rogers & Hammerstein, Cole Porter, Stephen Sondheim und Andrew Lloyd Webber vor. Neue Alben gibt es auch von Stéphane Degout, Anna Lucia Richter und Xavier Sabata.