Das Opernglas - Ausgabe 02/2015

Operettenfest zum Jahreswechsel: Während in Dresden ein Staraufgebot um Anna Netrebko und Juan Diego Flórez mit Emmerich Kálmáns »Csárdásfürstin« begeisterte, brachte die New Yorker Met als Silvestergala eine kaum minder prominent besetzte »Lustige Witwe« mit Renée Fleming in der Titelpartie heraus. Große Stimmung auch bei der Wiederentdeckung einer Fußball-Operette von Paul Abraham in Dortmund. Turbulenzen dagegen gab es bei der »Rigoletto«-Premiere an der Wiener Staatsoper: Simon Keenlyside in der Titelpartie musste während der Vorstellung aufgeben und verließ die Bühne. In Berlin punkteten gleich beide großen Opernhäuser mit bemerkenswerten Aufführungen von zwei vergleichsweise selten gespielten Opern Benjamin Brittens: Die Deutsche Oper zeigte die Kammeroper »The Rape of Lucretia«, die Staatsoper »The Turn of the Screw«. In München konnte man mit Max Bruchs Oper »Loreley« konzertant ebenfalls eine Rarität erleben, in Aachen große Emotionen bei der Deutschen Erstaufführung von »Brokeback Mountain«.

Die Interviews: Die Sopranistin Sonya Yoncheva, die nur 5 Wochen nach der Geburt ihres Sohnes schon wieder auf der Bühne der Metropolitan Opera stand, Countertenor Philippe Jaroussky, der von Liedern des 19. Jahrhunderts bis zu Chanson-Vertonungen des französischen Dichters Paul Verlaine zusammengestellt hat, Bassbariton Gerd Grochowski, der den Wotan im Linzer »Ring« singt, und Dirigent und Komponist Johannes Harneit, von dem im Februar gleich zwei Opern in Heidelberg Premiere haben.

Nachfolgend finden Sie einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen dieser Ausgabe. Eine ausführliche Liste aller Inhalte bietet das Inhaltsverzeichnis.

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INHALTSVERZEICHNIS

INHALTSVERZEICHNIS

Ausgabe: 2/2015

Das komplette Inhaltsverzeichnis mit allen Themen
EDITORIAL
AUFFÜHRUNGEN
  • DRESDEN Die Csárdásfürstin (Semperoper)
    Königskinder (Semperoper)
  • NEW YORK The Merry Widow (Metropolitan Opera)
  • LONDON Un ballo in maschera (Royal Opera House)
  • WIEN Rigoletto (Staatsoper)
  • BERLIN The Rape of Lucretia (Deutsche Oper)
    The Turn of the Screw (Staatsoper)
  • STUTTGART Chowanschtschina
  • MÜNCHEN Loreley (Prinzregententheater)
  • ZÜRICH Die Zauberflöte
  • LIÈGE Luisa Miller
  • BRESLAU Der Rosenkavalier
  • RIGA Valentina
DAS INTERVIEW
  • SONYA YONCHEVA
IM GESPRÄCH
  • PHILIPPE JAROUSSKY
DAS PORTRÄT
  • GERD GROCHOWSKI
NAMEN UND DATEN
RUNDBLICK
  • AACHEN Brokeback Mountain
  • KARLSRUHE Fantasio
  • TIROLER FESTSPIELE ERL WINTER Fidelio
  • WINTER IN SCHWETZINGEN Fetonte (Rokokotheater)
  • ST. GALLEN Gräfin Mariza
  • BASEL Otello
  • DÜSSELDORF Aida
  • DUISBURG Werther
  • DORTMUND Roxy und ihr Wunderteam
  • HAGEN Ball im Savoy
VORGESTELLT
  • JOHANNES HARNEIT
VORSCHAU
REPORT
  • HANNOVER / LEVERKUSEN / KÖLN
SPIELPLÄNE
RARITÄTEN
TV-TIPPS
IMPRESSUM
NACHRUF
BÜCHER
  • Christoph Schwandt CARL MARIA VON WEBER UND SEINE ZEIT
  • Eva Gesine Baur MOZART: GENIUS UND EROS
  • Malte Korff TSCHAIKOWSKY: LEBEN UND WERK
DVDs
  • Richard Strauss ARABELLA
  • Giuseppe Verdi FALSTAFF
  • Jean-Philippe Rameau HIPPOLYTE ET ARICIE
CD-SPECIAL
  • Operetten-Seligkeit
NEUE CDs
  • Giuseppe Verdi MESSA DA REQUIEM
  • Camille Saint-Saëns LES BARBARES
  • Agostino Steffani NIOBE REGINA DI TEBE
  • Nico Muhly TWO BOYS
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EDITORIAL

EDITORIAL

Autor: R. Tiedemann · Ausgabe 2/2015

Kaum begonnen konfrontiert uns das noch junge Jahr 2015 auf schmerzvolle, albtraumhafte Weise mit den Abgründen dieser Welt. Die hat sich keineswegs erst mit den Anschlägen in Paris so beängstigend verändert; aber sie hat uns an diesem 7. Januar überdeutlich eines ihrer abscheulichsten Gesichter gezeigt.
Da gehörte es sicher nicht zu den unpassendsten Gelegenheiten in diesen Tagen der erfreulich zahlreichen symbolträchtigen Gesten, in der französischen Hauptstadt ein großes Konzerthaus zu eröffnen und somit auch kulturell ein Zeichen zu setzen. Genau eine Woche nach den Anschlägen sorgte das Eröffnungskonzert in der neuen Philharmonie de Paris für den angemessenen Rahmen, der Terroropfer zu gedenken, Einigkeit zu demonstrieren, dabei die so wesentliche Bedeutung kultureller Grundlagen zu betonen und in diesem Sinne bei aller Trauer, Angst und Bestürzung auch ganz bewusst und selbstbewusst nach vorn zu schauen.
Es ist die Realisierung eines über Jahrzehnte geplanten und gegen manche Widerstände durchgesetzten Großprojektes, das, wie viele ähnliche Bauvorhaben, im Entstehungsprozess mit etlichen Problemen zu kämpfen hatte. Der Architekt Jean Nouvel ist den Feierlichkeiten am Ende gar demonstrativ ferngeblieben, da er den Eröffnungstermin immer noch für verfrüht hielt, obwohl nach ursprünglicher Planung gerechnet die Fertigstellung des multifunktionalen Musentempels, der mit seiner flexiblen Saalstruktur neben klassischen auch Rock- und Popkonzerten ideale akustische Bedingungen bieten soll, bereits um einiges zu spät dran ist. Um ein Dreifaches teurer ist der Bau auch geworden. Frankreichs Staatspräsident François Hollande ließ diesen heiklen Punkt in seiner Eröffnungsrede nicht aus, Leuchtturmprojekte seien halt sehr, sehr teuer, viel teurer, als geplant – und erlaubte sich nonchalant mit der Relativierung „weniger als anderswo“ einen Seitenhieb auf den großen Nachbarn im Norden: Ähnliche Projekte wären in Deutschland doppelt so teuer.
Konkret gemeint war Hamburg mit seiner Elbphilharmonie, für die es derweil ebenfalls einen konkreten Eröffnungstermin gibt. Im Januar 2017, fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem prachtvollen französischen Neubau im Parc de la Villette, soll auch das neue Wahrzeichen an der Elbe in den aktiven Konzertmodus schalten. Dass das bald sieben Jahre nach dem ursprünglich avisierten Termin liegt, wird dann wohl ähnlich schnell vergessen sein wie die vielen langwierigen, teils hochpolitischen Debatten um die Pariser Philharmonie, deren Grundgedanke als wesentlicher Bestandteil der einst von Pierre Boulez maßgeblich initiierten Cité de la musique ja bis weit in die 1980er-Jahre zurückreicht. So gesehen ist das Hanseatische Pendant planungstechnisch geradezu im grünen Bereich.
Das Bemerkenswerteste hier wie dort ist eine offenbar unwiderstehliche Sogwirkung im kulturellen Sektor, die an Elbe und Seine einen regelrechten Bauboom ausgelöst hat: In Paris ist im November mit dem Auditorium de Radio France bereits ein weiterer neuer Konzertsaal eingeweiht worden (1461 Plätze), in Planung ist außerdem ein großangelegtes Kunstareal auf der Seine-Insel Seguin, ebenfalls kreiert von Nouvel und ebenfalls mit einem Auditorium. In Hamburg sind gerade ein zweites großes Musicaltheater im Hafen sowie ein kleiner, nach Tschaikowsky benannter Konzertsaal eröffnet worden, Anfang März 2015 wird das multifunktional angelegte Theater am Großmarkt (2400 Plätze) mit einem Konzert des London Symphony Orchestra seinen Spielbetrieb aufnehmen, im Mai soll südlich der Elbe im Harburger Binnenhafen noch eine weitere, vielfältig nutzbare Kultureinrichtung folgen. Das sind, zumal in dieser geballten Fülle, großartige Neuigkeiten, nicht allein für die Bewohner der beiden Metropolen. Nun wollen all diese lobenswerten Projekte auch langfristig mit Leben gefüllt werden und sich als sinnvolle Investitionen rechtfertigen, die ihre Bedeutung neben etwaiger überregionaler Strahlkraft auch und vor allem in der lokalen Verankerung der jeweiligen Institutionen finden müssen. Hier hat die neue Pariser Philharmonie zweifellos eine vorbildhafte Rolle übernommen, ganz so, wie es ihr – programmatisch wie strukturell – durch ihre Positionierung innerhalb der Cité de la musique von Beginn an zugedacht war. Seit Jahren nimmt man sich hier beispielhaft offensiv der Herausforderungen unserer Zeit an, und so verwundert es nicht, dass auch im Jahresbudget des neuen Konzertsaales eine beträchtliche Summe für diverse „Education“-Projekte vorgesehen ist, mit denen man nicht nur jüngeres Publikum rekrutieren, sondern vor allem auch kulturelle Brücken bauen will zu den unmittelbar vor der Tür liegenden ärmeren Stadtgebieten mit ihrem hohen Migrantenanteil. Auch dies ist fraglos eine wichtige Investition in unsere Zukunft.
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INTERVIEWS

Das Interview: SONYA YONCHEVA – Perfektes Timing

Autor: Ursula Ehrensberger · Ausgabe 2/2015

Gerade erst glückliche Mutter geworden, steht sie bereits wieder erfolgreich auf der Bühne. Ein Gespräch über ihr neues Leben - und eine Liebeserklärung an Paris.
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Im Gespräch: PHILIPPE JAROUSSKY – Mein geheimer Garten

Autor: Yeri Han · Ausgabe 2/2015

Die Gedichte Paul Verlaines haben unzählige Komponisten zu faszinierenden Vertonungen inspiriert. Philippe Jaroussky ist auf Spurensuche gegangen.
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Das Porträt: GERD GROCHOWSKI – Vom Choristen zum Wotan

Autor: Martina Lode-Gerke · Ausgabe 2/2015

Seine jahrelange Praxis als Chorsänger hat ihm das nötige technische wie mentale Rüstzeug mitgegeben. Heute ist Gerd Grochowski erfolgreich als Solosänger im Geschäft.
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Vorgestellt: JOHANNES HARNEIT – Uraufführung im Doppelpack

Autor: Gabriele Helbig · Ausgabe 2/2015

Das Theater Heidelberg setzt sein Engagement für das zeitgenössische Musiktheater mit gleich zwei neuen Opern von Johannes Harneit fort. Ein Gespräch mit dem Komponisten, der seine Werke auch selbst dirigieren wird.
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AUFFÜHRUNGEN

DRESDEN Die Csárdásfürstin

28. Dezember · Semperoper · Autor: R. Tiedemann · Ausgabe 2/2015

Große Divengesten und temperamentvolle Tanzeinlagen – so und nicht anders hatte man sich den Auftritt von Anna Netrebko als Csárdásfürstin vorgestellt, und das Publikum tat lautstark kund, wie gern es sich davon mitreißen ließ.
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NEW YORK The Merry Widow

3. Januar · Metropolitan Opera · Autor: F. Plotkin · Ausgabe 2/2015

Attraktive Bühnenbilder und umwerfende Kostüme: Die Met brachte extra für Renée Fleming eine neue »Lustige Witwe« heraus – dabei wäre auch die „alte“ Produktion noch tadellos gewesen.
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LONDON Un ballo in maschera

22. Dezember · Royal Opera House · Autor: M. Lehnert · Ausgabe 2/2015

Es bleibt „Luft nach oben“ für Neuproduktionen und Besetzungen auch in London: Joseph Calleja als Riccardo in einem unglücklich sitzenden Karnevalskostüm und die aus Deutschland stammende Produktion enttäuschten.
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WIEN Rigoletto

20. Dezember · Staatsoper · Autor: T. Rauchenwald · Ausgabe 2/2015

Das hatte Seltenheitswert: Ein berühmter Titelinterpret muss während der Premiere einer Neuproduktion die Bühne verlassen - und ward für den Rest der gesamte Serie nicht wieder gesehen.
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BERLIN The Rape of Lucretia

14. November ∙ Deutsche Oper / Haus der Berliner Festspiele · Autor: U. Ehrensberger · Ausgabe 2/2015

Die bereits anlässlich ihrer Premiere in Glyndebourne viel gerühmte Inszenierung von Fiona Shaw zog für nur zwei Vorstellungen in das letzte Ausweichquartier der Deutschen Oper, bevor das Haus an der Bismarckstraße Ende November wieder bezogen werden konnte.
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AACHEN Brokeback Mountain

4. Januar ∙ Theater · Autor: M. Fiedler · Ausgabe 2/2015

Nach der Uraufführung in Madrid hat das Theater Aachen »Brokeback Mountain« als deutsche Erstaufführung auf die Bühne gebracht. Große Emotionen waren vorprogrammiert.
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KARLSRUHE Fantasio

13. Dezember ∙ Staatstheater · Autor: J.-M. Wienecke · Ausgabe 2/2015

Die Chance zu einem kleinen Coup lag zum Greifen nah: Die Karlsruher Oper lieferte die erste szenische Aufführung der erst ein Jahr zuvor mit großem Erfolg in London konzertant uraufgeführten Rekonstruktion von Jacques Offenbachs »Fantasio«.
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TIROLER FESTSPIELE ERL WINTER Fidelio

3. Januar ∙ Festspielhaus · Autor: W. Kutzschbach · Ausgabe 2/2015

Im dritten Jahr ihres Bestehens finden die Winterfestspiele im 1500-Seelen-Dorf Erl ungebrochenen Zuspruch. Die eigentliche Attraktion bildet dabei nach wie vor das Orchester unter der musikalischen Leitung von Gustav Kuhn.
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DORTMUND Roxy und ihr Wunderteam

29. November ∙ Opernhaus · Autor: M. Lode-Gerke · Ausgabe 2/2015

Eine „Bombenstimmung“ im Publikum, fast wie im Fußballstadion nach einem seltenen Sieg des BVB. Den Dortmunder Philharmonikern hörte man bei der Premiere den Spaß förmlich an.
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MELDUNGEN / INFO

NAMEN UND DATEN

KARITA MATTILA will mit ihrem geplanten Rollendebüt als Küsterin in »Jenufa« die Weichen für einen Fachwechsel stellen. Die Partie wird sie erstmals im Juni 2016 an der San Francisco Opera singen – in der gleichen Inszenierung von Olivier Tambosi, in der sie 1998 auch ihr Rollendebüt als Jenufa an der Hamburgischen Staatsoper gegeben hatte. Weitere Pläne der Sopranistin sowie Termine und Infos u.a. zu Ingo Metzmacher, der Festspielintendant wird, Andreas Schager, der in Bayreuth als Parsifal angekündigt ist, und Kristine Opolais, die in München gleich in zwei Premieren singen soll.

VORSCHAU

Missionar in Sachen Oper: Plácido Domingo wird am National Center of the Performing Arts in Beijing als Simon Boccanegra gastieren. Die neue Saison bringt neben internationalen Koproduktionen auch eine Wiederaufnahme der 2014 uraufgeführten Oper »Rickshaw Boy«. Bei den Münchner Opernfestspielen ist in den Aufführungen aus dem Staatsopernrepertoire noch einmal „Frauenpower“ angesagt: Waltraud Meier will zum letzten Mal in ihrer Karriere die Isolde singen, Edita Gruberova noch einmal die Elisabetta in »Roberto Devereux«, Sondra Radvanovsky wird als Norma zu hören sein.

NACHRUF

Elena Obraztsova, die bereits seit einigen Jahren unter gesundheitlichen Problemen litt, ist am 12. Januar 2015 im Alter von 75 Jahren in einem Krankenhaus in Leipzig verstorben. Sie galt als eine der prägendsten Sängerpersönlichkeiten ihrer Zeit und wurde weltweit gefeiert für die Qualitäten ihrer üppig timbrierten Mezzostimme. Ein Gastspiel des Bolschois in Mailand verhalf ihr 1964 zum Debüt am Teatro alla Scala und dem weltweiten Durchbruch. Es folgten Engagements in den internationalen Metropolen wie an der Metropolitan Opera New York, in Paris, London, Wien, Salzburg, Berlin oder Barcelona. Ein Höhepunkt ihrer Karriere war das Debüt als Carmen an der Wiener Staatsoper in einer fürs Fernsehen aufgezeichneten und auf DVD erhältlichen Neuproduktion von Franco Zeffirelli aus dem Jahr 1978 mit Carlos Kleiber am Pult und Plácido Domingo als Don José. Doch auch ihre Santuzza in »Cavalleria rusticana« wenige Jahre später, erneut unter Zeffirelli und an der Seite von Domingo, markierte einen Meilenstein ihrer Laufbahn. Die ungewöhnlich kraftvolle, gleichzeitig klangvolle und farbenreiche Tiefe bei dennoch gut ausgeprägter Höhe prädestinierte die Russin besonders für Verdi-Partien wie die Amneris in »Aida« oder die »Troubadour«-Azucena – unvergessen wie etwa in Hamburg ihre Vorstellungen mit den gleichrangigen Stimmkalibern von Piero Cappuccilli, Franco Bonisolli und Eva Marton – sowie am Ende ihrer Karriere die Gräfin in Tschaikowskys »Pique Dame« in Wien. Bereits in den 1970er-Jahren hatte Obraztsova begonnen, sich auch für den Sänger-Nachwuchs zu engagieren, nahm vor allem in ihrer Heimat, insbesondere in dem nach ihr benannten Kulturzentrum in St. Petersburg, Lehrtätigkeiten an und saß in Jurys von Gesangswettbewerben. 1999 rief sie in St. Petersburg einen nach ihr benannten Wettbewerb ins Leben.

NACHRUF

Janis Martin ist am 13. Dezember 2014 verstorben. Im Jahr 1962 hatte sie als Mezzosopran die National Council Auditions der Metropolitan Opera gewonnen und anschließend an der Met als Flora in »La Traviata« an der Seite von Anna Moffo debütiert. Mit ihrem letzten Auftritt als Brünnhilde 1997 in der »Walküre« neben Deborah Voigt (Sieglinde) und Plácido Domingo (Siegmund) hat sie insgesamt 147 Vorstellungen am Haus gesungen, war aber seit Beginn der 1970er-Jahre auch gern gehörter Gast in Europa, vor allem an der Deutschen Oper Berlin, deren Ensemblemitglied sie 1970 wurde und der die am 16. August 1939 im kalifornischen Sacramento als Tochter eines Radioproduzenten geborene Sängerin bis 1996 verbunden war. Eine glühende, sichere Stimme, die sich in Partien des Zwischenfaches besonders wohl fühlte. Ihre Interpretationen der Tosca, der »Wozzeck«-Marie, Ariadne, Brünnhilde, Ortrud und Venus sind in Erinnerung geblieben. Martins Zuverlässigkeit war sprichwörtlich, ihre Musikalität die Grundlage für rundum stimmige vokale Interpretationen. Vor allem als Kundry setzte sie Maßstäbe, in Bayreuth erstmals 1970 und von da an überall, wie etwa an der Hamburgischen Staatsoper unter Eugen Jochum, in Berlin, Zürich und München: Janis Martin hat Operngeschichte geschrieben in dieser Rolle, noch einmal mehr 20 Jahre später in drei weiteren Bayreuther Festspielsommern von 1995-97. Als Kundry wie übrigens auch bei ihren Auftritten als Färberin in Wien und Berlin konnte die amerikanische Sopranistin eine Lehrstunde an kultivierter und tief gehender Interpretation allein auf der Grundlage ihres beseelten Gesangs erteilen.

BÜCHER

Zeit und Muße sollte man mitbringen für neue Biografien über berühmte Komponisten. Für die über Carl Maria von Weber von Christoph Schwandt im Beck Verlag etwa, der die Persönlichkeit Webers fast akribisch kriminalistisch freilegt, aber auch zwei neue Bücher über Wolfgang Amadeus Mozart und Peter Tschaikowsky.

DVDs

Richard Strauss ARABELLA

C MAJOR 717208, 2 DVDs ∙ Autor: M. Wilks ∙ Ausgabe 2/2015

Die Produktion der Salzburger Osterfestspiele 2014 nun auf DVD: Renée Fleming und Thomas Hampson bescheren Strauss-Glück unter der Musikalischen Leitung von Christian Thielemann. Ebenfalls neu: Giuseppe Verdis »Falstaff« mit Ambrogio Maestri von den Salzburger Festspielen 2013.

CDs

CD-SPECIAL

Operetten-Seligkeit

„Die ganze Welt ist himmelblau“ – historische und neue Aufnahmen bereichern das Angebot für den Operettenfan. Sony bringt in einer Box eine Sammlung von Querschnitten mit den charmanten originalen „Eurodisc“-Covern heraus. Margit Schramm und Rudolf Schock – eine ganze Generation ist mit diesem Traumpaar der Operette aufgewachsen – dominieren die Einspielungen, aber auch René Kollo, Anna Moffo und Ingeborg Hallstein sind vertreten. Aus Mörbisch gibt es einen neuen »Bettelstudenten«, aus Wien eine »Madame Pompadour« mit Annette Dasch und vieles mehr.

Camille Saint-Saëns LES BARBARES

PALAZZETTO BRU ZANE ISBN 978-84-617-1290-9, 2 CDs ∙ Autor: C. Fischer ∙ Ausgabe 2/2015

Von den insgesamt 12 Opern von Camille Saint-Saëns gehört »Samson et Dalila« zum Standardrepertoire – die meisten anderen zählen zu den unbekanntesten der Opernliteratur. Auf CD ist nun eine mustergültige Einspielung seiner Oper »Die Barbaren« erschienen. Wie bei allen Veröffentlichungen des Labels Palazzetto Bru Zane üblich, hält der Käufer ein liebevoll gestaltetes Hardcover-Buch in Händen, welches neben Libretto und englischer Übersetzung mehrere höchst lesenswerte Artikel enthält.