Das Opernglas - Ausgabe 04/2013

Die Oper Leipzig präsentierte Wagners Frühwerk »Die Feen«, die New Yorker Met das Spätwerk »Parsifal« mit Jonas Kaufmann in der Titelpartie. In Dresden dirigierte Christian Thielemann mit »Manon Lescaut« seine erste Premiere als Chef der Staatskapelle, Hamburg zeigte eine neue »Traviata« und die Händel-Festspiele Karlsruhe eine interessante Kombination aus Alt und Neu. Zum 250. Geburtstag des Komponisten konnte man in München eine Oper von Johann Simon Mayr erleben, spannende Uraufführungen gab es in Regensburg, Erfurt und Heilbronn.

Die Interviewthemen: Ian Bostridge, der sich wie kaum ein anderer Sänger für die Vokalmusik Benjamin Brittens einsetzt, Karl-Heinz Steffens, der als Chefdirigent der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz mit seinem Orchester erstmals den kompletten »Ring« erarbeitet hat, und die junge Julia Lezhneva, die sich kürzlich auf dem Semperopernball einem großen TV-Publikum präsentieren durfte.

Dazu ein großes Special zu den St. Galler Festspielen mit weiteren interessanten Interviews, u.a. mit Mary Elizabeth Williams, dem aufstrebenden Verdi-Star.

Nachfolgend erhalten Sie einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen dieser Ausgabe. Eine ausführliche Liste aller Inhalte finden Sie im Inhaltsverzeichnis.

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INHALTSVERZEICHNIS

Inhaltsverzeichnis

Das komplette Inhaltsverzeichnis mit allen Themen

EDITORIAL
AUFFÜHRUNGEN
  • HAMBURG La Traviata
  • LEIPZIG Die Feen
  • DRESDEN Manon Lescaut
  • BERLIN Wagner-Gala (Philharmonie)
  • MÜNCHEN Adelasia ed Aleramo (Prinzregententheater)
  • Boris Godunow (Nationaltheater)
  • KÖLN Anna Bolena (Palladium)
  • HÄNDEL-FESTSPIELE KARLSRUHE The Triumph
  • ROM Das Rheingold (Auditorium Parco della Musica)
  • NEW YORK Parsifal (Metropolitan Opera)
DAS INTERVIEW
  • IAN BOSTRIDGE
IM GESPRÄCH
  • KARL-HEINZ STEFFENS
DAS PORTRÄT
  • JULIA LEZHNEVA
NAMEN UND DATEN
REPORT
  • DÜSSELDORF / WIEN / HEIDELBERG
SPECIAL
  • ST. GALLER FESTSPIELE
HOMMAGE
  • MONTSERRAT CABALLÉ
  • AKTUELL
    RUNDBLICK
    • REGENSBURG Lola rennt
    • GELSENKIRCHEN Lady Macbeth von Mzensk
    • WIEN Die verkaufte Braut (Volksoper)
    • LUXEMBURG Il Segreto di Susanna / La voix humaine
    • LÜNEBURG Madama Butterfly
    • MEININGEN Tristan und Isolde
    • ERFURT Die Frauen der Toten
    • WÜRZBURG Des Teufels Lustschloss
    • ULM Dialogues des Carmélites
    • HEILBRONN Minsk
    IM BLICKPUNKT
    • DER FRÜHE VERDI
    NACHRUF
    VORSCHAU
    LESERBRIEFE
    SPIELPLÄNE
    TV-TIPPS
    RARITÄTEN
    IMPRESSUM
    DVDs
    • Engelbert Humperdinck KÖNIGSKINDER
    • Luigi Cherubini MÉDÉE
    • GALA LIRICA DESDE SEVILLA
    NEUE CDs
    • Jules Massenet LE PORTRAIT DE MANON
    • Ermanno Wolf-Ferrari IL SEGRETO DI SUSANNA
    • Alban Berg LULU
    • Luigi Nono INTOLLERANZA 1960
    • Stella Doufexis NUITS D’ÉTÉ / POÈMES
    • Georg Friedrich Händel GIOVE IN ARGO
    • Marco da Gagliano LA DAFNE
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EDITORIAL

Editorial

Autor: R. Tiedemann · Ausgabe 4/2013

Ganz ohne geht es natürlich nicht. An Richard Wagner kommt man einfach nicht vorbei, schon gar nicht im Jahr der 200. Wiederkehr seines Geburtstages. Und so ist der Bayreuther Meister einmal mehr ein Thema auch in dieser Ausgabe, mit etlichen Berichten und einem interessanten Gespräch. Ebenso, selbstredend, Giuseppe Verdi: von der neuen »Traviata« an der Hamburgischen Staatsoper zu einem großen Sonderteil im Vorfeld des »Attila« bei den St. Galler Festspielen.

Damit korrespondierend haben wir für Sie, liebe Leser, aus gegebenem Anlass den Fokus einmal auf jene Werke gelegt, die vor der so beliebten, viel gespielten „Trilogia popolare“ einst den Grundstein für den Ruhm des Komponisten gelegt hatten. Eine Reiseroute in Sachen früher Verdi, der für meine Begriffe selbst im Jubiläumsjahr noch viel zu selten aufgeführt wird, haben diese Werke doch fast alle einen unwiderstehlichen musikalischen „Drive“, zünden meist unmittelbar und können geradezu süchtig machen. Hier sind aufregende (Wieder-) Begegnungen garantiert! Ganz bewusst haben wir diesmal den Blick auch auf den Dritten im Bunde der großen Jubilare 2013 gelenkt: Benjamin Britten, im deutschsprachigen Raum zwar mit einigen Werken dauerhaft präsent, gleichwohl aber noch nicht in jener Vielfalt und Breitenwirkung, die ihm eigentlich gebührt. In England dagegen gehören seine Opern und Lieder zum Allgemeingut. Ein Ungleichgewicht, das es zu korrigieren gilt. Und wer könnte dem britischen Komponisten ein besserer Fürsprecher sein als Ian Bostridge, der aktuell zweifellos einer der versiertesten Spezialisten auf diesem Gebiet ist? Ich freue mich sehr, dass wir den Künstler, der sich selbstbewusst den Mechanismen einer „großen Karriere“ entzieht, für ein exklusives Interview gewinnen konnten. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass im Sog dieser großen Drei manch anderes Jubiläum unterzugehen droht. Gerade die weniger bekannten Komponisten hätten eine besondere Hinwendung verdient, und so ist es sehr erfreulich, dass es auch hier durchaus immer wieder ambitionierte Projekte gibt. Im Juni wird sich beispielsweise der Geburtstag von Johann Simon Mayr zum 250. Mal jähren. Während die Mailänder Scala, für die der Komponist ja einige seiner gut 60 (!) Opern geschrieben hatte, trotz mehrfacher Initiative der Internationalen Simon-Mayr-Gesellschaft nicht reagiert hat, war der runde Geburtstag Anlass genug für Wiederaufführungen seiner Werke in München und Hamburg. Ohnehin ließe sich ein Gutteil dieser April-Ausgabe wie ein Fortspinnen eines Gedankens im Editorial des Vormonats lesen. Die dort in anderem Zusammenhang herausgestellte Kreativität und Innovationsfreude insbesondere der deutschen Opernhäuser manifestiert sich nun in einer Fülle von entsprechenden Premierenberichten. Rares in Würzburg, eine ungewöhnliche Kombination aus Alt und Neu bei den Händel-Festspielen Karlsruhe, spannende Uraufführungen in Erfurt, Heilbronn, Regensburg... Eindrückliche Beweise für die Lebendigkeit der Kunstform Oper. Ganz wesentlicher Baustein für den Erfolg dieses Systems sind die zweiten und dritten Aufführungsserien neuer Werke. Mag auch der Glanz der „Ersten Nacht“ stets die höchste Aufmerksamkeit, den größten Ruhm einfahren, so gebührt den nachspielenden Häusern nicht minder Aufmerksamkeit, wenn sie – wie jetzt im April in Dortmund mit Mark Anthony Turnages am Royal Opera House London uraufgeführter »Anna Nicole« oder in Hagen mit Poul Ruders am Königlichen Opernhaus Kopenhagen aus der Taufe gehobener »Selma Jezková« – neue Opern in deutscher Erstaufführung präsentieren. Auch das Mittelsächsische Theater in Döbeln (Lorenzo Ferreros »Charlotte Corday«) und das „junge forum“ der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg (Christian Josts »Die Arabische Nacht«) widmen sich aktuell dem Zeitgenössischen. Wer offen und neugierig ist, kann also viel erleben – auch schon mal sehr weit über den eigenen Radius hinaus. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen aufregenden, abwechslungsreichen April!

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INTERVIEWS

Das Interview: IAN BOSTRIDGE – Benjamin Britten ist ein faszinierender Komponist

Autor: Ursula Ehrensberger · Ausgabe 4/2013

Wie kaum ein anderer Sänger setzt sich Ian Bostridge für die Vokalmusik von Benjamin Britten ein. Nicht nur im Jubiläumsjahr.

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Im Gespräch: KARL-HEINZ STEFFENS – Eine tolle Entwicklung

Autor: Markus Wilks · Ausgabe 4/2013

Die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz spielt Wagners »Ring«; im April ist die Produktion in Ludwigshafen zu sehen. Ein Gespräch mit dem Chefdirigenten.

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Das Porträt: JULIA LEZHNEVA – Eine große Ehre

Autor: Brigitte Kempen · Ausgabe 4/2013

Sie hat noch kaum Erfahrungen in szenischen Opernproduktionen, macht aber schon in jungen Jahren von sich reden. Beim Semperopernball im Februar hatte Julia Lezhneva ihren ganz großen Auftritt.

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Festspielinterview: MARY ELIZABETH WILLIAMS – Eine unglaubliche musikalische Reise

Autor: Dr. Thomas Baltensweiler · Ausgabe 4/2013

Von Beginn an große Partien: Nach einem fulminanten Karrierestart freut sich die Sopranistin auf ihr Rollendebüt als Odabella bei den St. Galler Festspielen.

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AUFFÜHRUNGEN

HAMBURG La Traviata

17. Februar · Staatsoper · Autor: S. Martens · Ausgabe 4/2013

Johannes Eraths neue Lesart und die alte, klassisch-konventionelle Inszenierung von Folke Abenius aus dem Jahr 1975 des Dauerbrenners und Kassenschlagers »La Traviata« hätten gegensätzlicher kaum sein können.

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LEIPZIG Die Feen

16. Februar · Opernhaus · Autor: S. Barnstorf · Ausgabe 4/2013

Im Wagnerjahr 2013 ist die Neuproduktion in Leipzig die weltweit einzige szenische Deutung dieses Frühwerkes.

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BERLIN Wagner-Gala

13. Februar · Philharmonie · Autor: U. Ehrensberger · Ausgabe 4/2013

Genau 130 Jahre nach dem 13. Februar 1883, an dem Richard Wagner im Palazzo Vendramin in Venedig verstorben ist, leitete Daniel Barenboim ein Konzert, das ausschließlich dem dritten Aufzug des »Parsifal« galt.

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MÜNCHEN Boris Godunow

13. Februar · Nationaltheater · Autor: J.-M. Wienecke · Ausgabe 4/2013

Für seine letzte musikalische Einstudierung als Chef des Bayerischen Staatsorchesters vertraute Kent Nagano noch einmal auf seine Kernkompetenz: die dezidierte musikalische Analyse.

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ROM Das Rheingold

27. Februar · Auditorium Parco della Musica · Autor: M. Lehnert · Ausgabe 4/2013

Probelauf für den deutschen Festspielsommer 2013: Kirill Petrenko dirigierte konzertante Aufführungen von Wagners »Rheingold«. Ein eher unausgeglichenes musikalisches Erlebnis.

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NEW YORK Parsifal

15. Februar · Metropolitan Opera · Autor: F. Plotkin · Ausgabe 4/2013

In einer durchweg erstklassigen Besetzung gab Jonas Kaufmann einen Parsifal, der musikalisch wie darstellerisch wunderbar komplex und mit starker Menschlichkeit ausgeformt war.

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MELDUNGEN / INFO

HOMMAGE

MONTSERRAT CABBALÉ – Gratulation zum 80. · Autor: B. Kempen

2013 ist nicht nur das Jahr der großen Komponisten-Jubiläen. Auch in den Sängerreihen gibt es erfreuliche Feste: So feiert am 12. April mit Montserrat Caballé eine der berühmtesten Sängerinnen unserer Zeit ihren 80. Geburtstag. Doch wer tatsächlich geglaubt hätte, dass sich die legendäre Sopranistin aus dem schönen Barcelona nun gemütlich „Rentner-like“ zurücklehnen würde, sieht sich getäuscht. Zwar zwangen sie ein Armbruch und eine weitere Erkrankung im letzten Oktober zu einigen Monaten Rekonvaleszenz und Erholung, doch bereits Ende April zieht es sie wieder auf die Konzertbühne, um dort im Kreise ihrer zahlreichen Fans und treuen Bewunderer das tun zu können, was sie immer noch am meisten liebt: zu feiern in ihrer Welt aus Musik: 28.4. Luzern, 30.4. Wien (Konzerthaus), 5.5. Nürnberg, 19.5. Linz.

Die Musik hat das Leben der in jeder Hinsicht beeindruckenden Katalanin schon von früher Kindheit an geprägt, und der profes-sionelle Operngesang ist ihre lebenslange Leidenschaft geblieben. Nach der Ausbildung am Gran Teatre del Liceu in Barcelona kamen die ersten Engagements in Basel, Saarbrücken und Bremen mit Mozart-Partien, Prokofjew, Strauss, d’Albert. In Deutschland gastierte sie damals schon an vielen mittelgroßen Häusern: „ein ausgezeichnetes Training“, wie sie später zu Protokoll gab.
Der Belcanto, ihre spätere Domäne, gehörte da noch nicht zu ihrer favorisierten Musikliteratur. Das änderte sich 1965 durch ein spektakuläres Einspringen in der New Yorker Carnegie Hall für die schwangere Marilyn Horne in der Titelpartie von Donizettis »Lucrezia Borgia«. Noch im selben Jahr folgten das Met-Debüt mit Gounods Margarethe, »Figaro«-Gräfin und »Rosenkavalier«-Marschallin in Glyndebourne. Als Caballé sich mit der Opernliteratur Bellinis, Donizettis und Verdis auf die künstlerischen Spuren von Maria Callas begab, war ihr weltweiter Durchbruch perfekt. „Only Caballé!“ soll die Callas höchstpersönlich geantwortet haben auf die Frage, wen sie als ihre Nachfolgerin sähe.
Montserrat Caballé vereint Gegensätze in sich, die sich manchmal zu widersprechen scheinen, aber letztlich das Geheimnis des „Gesamtkunstwerks Caballé“ ausmachen. So will ihre kräftige Statur, auf die sie auch als Donna Anna für eine Salzburger »Don Giovanni«-Produktion mit Herbert von Karajan am Pult nicht verzichten wollte, im ersten Moment so gar nicht passen zur der ätherisch feinen Pianokultur ihres lichten, warmsilbrigen Soprans, der sich in einer derartigen Schwerelosigkeit vermittelt, dass sich Engelsvergleiche einstellen. Die raumgreifende Persönlichkeit ist sprichwörtlich – ebenso ihr unvergleichlicher Humor. Ansteckend gute Laune und Spaß an Witzen und Selbstironie hat ihr früh die Herzen eines auch mit klassischer Musik sonst weniger befassten Publikums gesichert. Bonmots wie „You can sing without technique. You can sing without voice. But you can’t sing without teeth!” sind zu Klassikern geworden.
Auf der Bühne erwartet sie Respekt vor dem Werk und Perfektion in schöner Ästhetik, insofern kann sie progressiven Regieexperimenten nicht viel abgewinnen (siehe auch das OG-Interview in 4/2008). Musikalische Berührungsängste hatte sie hingegen nie: Mit Freddie Mercury und dem Song „Barcelona“ 1987 rockte sie auf seinem gleichnamigen Album ab; die Barcelona-Hymne platzierte sich 1992 zu den Olympischen Spielen sogar in den Charts.
Wer ihre Repertoire-Partien durchzählt, kommt auf knapp 80 Rolleninterpretationen zwischen Händel und dem Zeitgenossen Balada, zwischen Mozart und Mussorgsky, Wagner und Verdi, aber auch Richard Strauss; ein besonderes komödiantisches Schmankerl war ihre Rückkehr an die Wiener Staatsoper 2007 mit dem Jodelpart der Duchesse de Crakentorp aus Donizettis »La fille du régiment«. Selbstverständlich beherrscht sie auch das traditionelle Kulturgut; vor allem die Volksmusik ihres Landes, die Zarzuelas liegen ihr am Herzen. Viel von dieser Repertoirevielfalt ist auf Tondokumenten festgehalten, hat sich ein Großteil ihrer Karriere doch während der Hochkonjunktur des Langspielplattenzeitalters abgespielt. Die Anzahl ihrer Tonträgeraufnahmen ist beachtlich, sowohl bei den Operngesamtaufnahmen als auch im Recital-Bereich. Wer sich aus gegebenem Anlass einen kompakten Überblick verschaffen möchte, ist mit den Geburtstagseditionen von EMI und Sony gut bedient; beide Label haben ihren jeweiligen, breit gefächerten Fundus großzügig durchforstet und attraktive Specials auf den CD-Markt gebracht. Trotz ihrer Berühmtheit und der zahlreichen Auszeichnungen – wie in Deutschland dem Bambi (1998) und dem Klassik Echo für ihr Lebenswerk (2007) – hat die Caballé die Bodenhaftung nie verloren, engagiert sich in Stiftungen und für karitative Einrichtungen und ist immer noch der warmherzige Star zum Anfassen, der schon mal einem niesenden Zuschauer während eines Konzertes ganz selbstverständlich „Gesundheit!“ vom Podium herunter wünscht. Ihre Selbsteinschätzung definiert sie sympathisch schlicht: „Ich bin weder jetzt, noch war ich früher eine Diva. Ich bin nur Montserrat.“
In diesem Sinne, Herzlichen Glückwunsch, Montserrat!

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NAMEN UND DATEN

ANNA NETREBKO wird im September dieses Jahres zum dritten Mal in Folge die glanzvolle Saisoneröffnung der Metropolitan Opera in New York bestreiten. Nach »Anna Bolena« und »L’elisir d’amore« ist sie als Tatjana in »Eugen Onegin« am Lincoln Center zu erleben. Deborah Warners Neuinszenierung mit Mariusz Kwiecien in der Titelpartie feiert am 23.9. Premiere. Außerdem kann sich das Publikum an der Met im kommenden Frühjahr erneut auf ihre Adina im »Liebestrank« freuen. Derzeit gastiert Netrebko an der Wiener Staatsoper, wo sie als Tatjana ihr Rollendebüt gibt: 12., 15., 18., 22. April. Am Royal Opera House in London wird sie in der kommenden Saison die Marguerite in Charles Gounods »Faust« singen. Als Faust ist Joseph Calleja, als Méphistophélès Bryn Terfel und als Valentin Simon Keenlyside angekündigt: 4., 7., 11., 14., 17., 22., 25.4.2014.

REPORT

THEATERSPASS

Dreieinhalb Stunden Barockoper, die nach ihrem Highlight gleich zu Beginn mit der Arie „Ombra mai fu“ nur noch musikalische Meterware abspult: Was sich zunächst nach einem Härtetest anhört, entpuppt sich in Düsseldorf in Händels »Xerxes« als umjubelter Publikumsmagnet. Tatsächlich stimmt an dieser Koproduktion der Rheinoper mit der Komischen Oper Berlin, wo die Premiere bereits im Mai vorigen Jahres stattgefunden hatte, so ziemlich alles. Konrad Junghänels Dirigat lässt noch bei der konventionellsten Phrase in Händels Partitur aufhorchen, stupst sie aus der Belanglosigkeit in die Lebendigkeit, in jenen großen Theaterspaß, auf den sich die auf historischen Instrumenten spielende „Neue Düsseldorfer Hofmusik“ und das Sängerensemble bereitwillig einlassen. Allen voran in der Titelpartie Countertenor-Shootingstar Valer Barna-Sabadus, dem schauspielerisch der Schalk im Nacken zu sitzen scheint. Regisseur Stefan Herheim lässt dazu die Drehbühne rotieren, ein Theaternachbau aus der Entstehungszeit dieser 1738 uraufgeführten Oper mit Garderoben, Schnürboden sowie ständig wechselnden Kulissen und Prospekten (Bühne: Heike Scheele). Und so entfaltet sich eine prachtvolle Amüsiermaschinerie, augenzwinkernd barocke Repräsentationslust und Ausstattungsopulenz zitierend (mit den fantastischen, bis ins Detail durchgestalteten Kostümen von Gesine Völlm), die auch noch die platteste Komödienmechanik in Gang setzen kann, ohne selbst platt zu werden: dreieinhalb Stunden Barockoper – doch nicht eine Sekunde zu viel! (GR)

NACHRUF

WOLFGANG SAWALLISCH · Autor: M. Lehnert

Nur einen Monat nach dem Tod seines Sohnes Jörg im Alter von neunundsechzig Jahren und 15 Jahre nach dem Tod seiner Frau Mechthild ist am 22. Februar 2013 der Dirigent Wolfgang Sawallisch in Grassau im Chiemgau verstorben, wo er seit mehr als 50 Jahren gelebt hatte. Am 26. August dieses Jahres wäre er neunzig Jahre alt geworden.

Gesundheitliche Probleme hatten ihn bereits 2005 nach einem letzten Konzert in Bad Kissingen gezwungen, sich von Konzertpodium und Opernbühne zurückzuziehen. Wohl wie kein anderer berühmter Dirigent war Sawallisch gleichermaßen an beiden Orchesterpulten zu Hause, obwohl seine Bayreuther Produktionen in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts – Liveaufnahmen des »Lohengrin« und »Tannhäuser« erinnern eindrucksvoll an seine sprichwörtlich flüssige Musizierweise – und 21 Jahre als Generalmusikdirektor (und zeitweise auch als Intendant oder Operndirektor) an der Bayerischen Staatsoper in München von 1971 bis 1992 noch immer im Fokus des Bewusstseins vieler Opernfreunde stehen. Viele glanzvolle Abende und eine sprichwörtliche Kontinuität auf höchstem Niveau sind damit verbunden, doch haben auch einige Orchester von Sawallischs langjährigem Wirken im Konzert besonders nachhaltig profitiert. Die Wiener Symphoniker etwa, die er von 1960 bis 1970 als Chefdirigent leitete und prägte. Mit ihnen hat er allein 165 Werke für die Schallplatte eingespielt. Nach Unstimmigkeiten und einer zehnjährigen Pause war er 1980 wieder an deren Pult zurückgekehrt. Von 1961 bis 1973 war Sawallisch Generalmusikdirektor des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg, wo er mehr als 300 Konzerte dirigiert hat und mit dem er 1964 als erstem deutschen Klangkörper nach dem zweiten Weltkrieg wieder in Polen gastierte. Gemeinsame Tourneen führten nach Skandinavien, Großbritannien, Italien und in die Schweiz. Im Jahr 2003 wurde ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen und der damals 80-jährige bedankte sich: „Die Jahre mit den Philharmonikern zählen zu den schönsten meines sinfonischen Lebens“. Mit einer Schweigeminute hatte das Orchester am 25. Februar die zweite Hälfte eines Konzertes begonnen. Die Nachricht vom Tode war in der Pause eingetroffen, und Generalmusikdirektorin Simone Young resümierte: „Wolfgang Sawallisch prägte das Hamburger Musikleben mehr als ein ganzes Jahrzehnt. Bis heute ist er allen unvergessen. Wir trauern um einen großen Künstler“. Während in Rom die konzertante »Rheingold«-Aufführung mit dem Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia am 27. Februar dem auch diesem Orchester über ebenfalls lange Jahre verbundenen Dirigenten gewidmet wurde, hatte sich in Florenz Zubin Mehta zu Wort gemeldet, einer seiner Nachfolger als musikalischer Opernchef in München: „Wolfgang Sawallisch war sicherlich einer der größten Dirigenten der Nachkriegszeit und hat die Bayerische Staatsoper auf das höchste internationale Niveau gebracht. Sein Geist in diesem Sinne ist bis heute in diesem Haus lebendig“. Und Ulrich Wilhelm, der Intendant des Bayerischen Rundfunks, betrauerte den Verlust einer der bedeutendsten Musikerpersönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte und Kulturbotschafter Bayerns in der Welt: „Jeder Starkult war ihm fremd. Ihm ging es vielmehr darum, höchsten künstlerischen Anspruch mit sorgfältig erarbeiteten Interpretationen und tiefer Menschlichkeit zu verbinden.“ Von diesem Anspruch profitieren auch die wichtigsten seiner Operneinspielungen wie das frühe »Capriccio« von Richard Strauss mit Elisabeth Schwarzkopf, eine »Elektra« mit Eva Marton sowie der live aufgezeichnete »Ring des Nibelungen« aus der Bayerischen Staatsoper mit René Kollo und Hildegard Behrens (alle bei EMI). Seine Einspielungen legen Zeugnis ab von der gleichermaßen akribischen und detailverliebten wie dabei musikantisch zupackenden Interpretation. Selbstverständlich gehörte zu seinem Opernhandwerk das Repetieren mit Sängern und Sängerinnen und das Begleiten am Klavier in Liederabenden von Peter Schreier und Dietrich Fischer-Dieskau, um nur zwei Beispiele zu nennen. Operngeschichte schrieb Sawallisch 1982/83, als er in München das komplette Opernwerk Richard Wagners (inklusive der Frühopern) dirigierte anlässlich dessen einhundertjährigen Todestages und noch einmal 1988, als er als Operndirektor auch alle Opern von Richard Strauss auf den Plan der „Münchner Opernfestspiele“ setzte und selbstredend die meisten selbst dirigierte. Beide Komponisten wurden in den einundzwanzig Sawallisch-Jahren nachhaltig gepflegt, was der Bayerischen Staatsoper (Ehrenmitgliedschaft seit 1992) ein international unverwechselbares Profil verliehen hatte. Das konnte wohl nur einem so uneitlen, oft ein wenig pedantisch wirkenden, sich so vollkommen in den Dienst der Musik stellenden und gleichermaßen dem Starrummel abgeneigten Musiker wie ihm gelingen. Wenn man das Wort „unprätentiös“ in seinem allerbesten Sinne versteht und auf profundes musikalisches Können überträgt, so gewinnt diese eigene und seltene Erstklassigkeit Kontur, für die der Name Wolfgang Sawallisch über seinen Tod hinaus ein Beispiel ist. Sein Vater war Versicherungsdirektor gewesen, er selbst als junger Mann Soldat im zweiten Weltkrieg und nach musikalischem Staatsexamen 1946 Dirigentenschüler von Hans Rosbaud und Igor Markevitch. In kontinuierlicher Folge war es auf der Karriereleiter als Kapellmeister in Augsburg (1947-53), GMD in Aachen(1953-58), Wiesbaden(1958-60) und Musikdirektor in Köln (1960-64) bald rasch bergauf gegangen. Seit 1969 reiste Sawallisch regelmäßig nach Japan, wo er mit dem NHK Symphony Orchestra zusammenarbeitete, das ihm bereits 1967 die Ehrenmitgliedschaft verliehen hat. Und in den USA war er noch im fortgeschrittenen Alter von 1993 bis 2003 musikalischer Chef des Philadelphia Orchestra geworden. Zu seinen Ehrungen zählen unter anderem das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, die Ritterschaft der französischen Ehrenlegion, das österreichische Ehrenkreuz, der Orden der Aufgehenden Sonne in Japan. Auch heute noch ist der Titel seiner Autobiografie, die 1988 bei Hoffmann und Campe erschien, Programm: „Im Interesse der Deutlichkeit“. – Sie fehlt uns in der klassischen Musik heute mehr als je zuvor.

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SPECIAL

ST. GALLER FESTSPIELE

Mit Giuseppe Verdis »Attila« bieten die St. Galler Festspiele im großen Jubiläumsjahr die seltene Begegnung mit einem der zu Unrecht weniger gespielten, gleichwohl musikalisch besonders mitreißenden Frühwerke des Komponisten. Stefano Poda inszeniert die Open-Air-Vorstellungen vor der Fassade der berühmten Klosterkirche: „Meine Regiearbeiten gehen immer von der Magie der Musik aus“ verspricht er im Interview.
Außerdem in ausführlichen Gesprächen: Mary Elizabeth Williams, die Odabella-Interpretin, und Otto Tausk, der zum Finale seiner ersten Saison als neuer Chefdirigent in St. Gallen im Rahmen der Festspiele Verdis »Requiem« leiten wird.

CDs

Jules Massenet LE PORTRAIT DE MANON

OPERA RARA ORC 47, 1 CD ∙ Autor: M. Lehnert ∙ Ausgabe 4/2013

Der Welterfolg seiner Oper »Manon« hatte Jules Massenet zu einem Nachschlag inspiriert: Der alternde Liebhaber hängt in Gedanken der verstorbenen Manon hinterher und hat seinen 18-jährigen Neffen unter seine Fittiche genommen. Selbstverständlich gibt es in der nicht einmal einstündigen Oper zahlreiche melodische Reminiszenzen an das große vorausgegangene fünfaktige Werk.

Alban Berg LULU

EMI 50999 9 12330 2, 2 CDs ∙ Autor: G. Schunk ∙ Ausgabe 4/2013

Diese »Lulu« war der große Erfolg der Anneliese Rothenberger, die mit verzehrender Perfektion auch jene Facetten zeigen konnte, die später von ihrem massenmedientauglichen Operettenimage eher in den Hintergrund gedrängt werden sollten.

DVDs

Engelbert Humperdinck KÖNIGSKINDER

DECCA 074 3438 DH, 2 DVDs ∙ Autor: B. Kempen ∙ Ausgabe 4/2013

Ein „traurig Stück“ ohne gerechte Moral, das sehr nachdenklich macht. Im Jahr 2007 sorgte eine Produktion des Opernhauses Zürich für Furore. 2010 gab es eine Wiederaufnahme, deren Aufzeichnung nun als erste »Königskinder«-DVD überhaupt auf den Klassikmarkt kommt. Den Prinzen singt Jonas Kaufmann.

Luigi Cherubini MÉDÉE

BELAIR BAC 076, 2 DVDs ∙ Autor: Th. Baltensweiler ∙ Ausgabe 4/2013

Eine sehr radikale Sicht auf das Werk, die die Dialoge umgeschrieben und mit zahlreichen Ausdrücken der Alltags- und Vulgärsprache angereichert hat. Nadja Michael schreitet in Amy Winehouse-Maske den ganzen Radius seelischer Zerstörung aus.