Das Opernglas – Ausgabe 02/2021

Ungewohnte Bilder auch zum Jahreswechsel: Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker musste erstmals ohne Publikum stattfinden. Mit Aufführungen und Premieren nur für den Live-Stream halten die Opernhäuser den Betrieb aktuell zumindest am Leben: An der Wiener Staatsoper sang Anna Netrebko die Tosca vor leerem Haus, Leipzig zeigte einen neuen »Trovatore«, in München hatte Eduard Künnekes »Vetter aus Dingsda« Premiere, konzertant sangen Jonas Kaufmann und Elīna Garanča in Neapel »Cavalleria rusticana«, und am Opernhaus Zürich waren für die Premiere von »Simon Boccanegra« mit Christian Gerhaher in der Titelpartie letztmalig 50 Zuschauer zugelassen.

Die Interviews: Marina Rebeka, ein Sopranstar, der ausgesprochen gelassen die Krisenmonate durchlebt, Cameron Shahbazi, aus Kanada stammender Countertenor mit iranischen Wurzeln, der in allen Elementen das Sinnliche zu erspüren sucht, und die junge jugendlich-dramatische Sopranistin Signe Heiberg.

Nachfolgend finden Sie einen ersten Überblick über die wichtigsten Themen dieser Ausgabe. Eine ausführliche Übersicht bietet das Inhaltsverzeichnis.

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INHALTSVERZEICHNIS

INHALTSVERZEICHNIS

Ausgabe: 2/2021

Das Inhaltsverzeichnis mit allen Themen und Beiträgen
EDITORIAL
STREAMING
  • LEIPZIG Il Trovatore
  • ZÜRICH Simon Boccanegra
  • WIEN Tosca (Staatsoper) Der Rosenkavalier (Staatsoper)
  • NEAPEL Cavalleria rusticana
  • MÜNCHEN Der Vetter aus Dingsda (Staatstheater am Gärtnerplatz)
  • OSLO Le Nozze di Figaro
  • DAS INTERVIEW
  • MARINA REBEKA
  • KONZERT
  • JAHRESWECHSEL IN BERLIN & WIEN
    IM BLICKPUNKT
  • HOCHSCHULEN
  • VORGESTELLT
  • SIGNE HEIBERG
  • LESERBRIEFE
    TV-TIPPS
    STREAMING-TIPPS
    NAMEN UND DATEN
    IM GESPRÄCH
  • CAMERON SHAHBAZI
  • ERINNERT AN
  • RITA STREICH
  • VORSCHAU
    NACHRUF
    DVD / BLURAY
  • Pietro Antonio Cesti LA DORI
  • Samuel Barber VANESSA
  • Franz Lehár DAS LAND DES LÄCHELNS
  • Alban Berg WOZZECK
  • Vincenzo Bellini I CAPULETI E I MONTECCHI
  • Jules Massenet WERTHER
  • AUDIO / GESAMT
  • Leoš Janáček THE CUNNING LITTLE VIXEN
  • Gaetano Donizetti IL PARIA
  • Giacomo Meyerbeer ROMILDA E COSTANZA
  • AUDIO / SOLO
  • Samuel Hasselhorn STILLE LIEBE
  • Marie-Nicole Lemieux MER(S)
  • Marina Rebeka CREDO
  • Louis Spohr KAMMERMUSIK FÜR KLARINETTE, SOPRAN UND KLAVIER
  • Nathalie Stutzmann CONTRALTO
  • Pia Davila O LUNA MIA
  • Eva Zaïcik ROYAL HANDEL
  • Ludovic Tézier VERDI
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EDITORIAL

EDITORIAL

Autor: Y. Han · Ausgabe 2/2021

Ein neues Jahr ist angebrochen, die Lage aber ist trotz der an den Impfstoff geknüpften Hoffnungen noch die gleiche wie zum Jahresende. Wir haben mehr Zeit denn je, sind häuslicher denn je, hängen – zwangsläufig – mehr am digitalen Angebot denn je. Wo für den Konsumenten das Gefühl von Unzulänglichkeit wächst, ohne dass er aber angebotstechnisch eine andere Wahl hat, als den Live-Streamings und TV-Übertragungen beizuwohnen, überwiegt bei Künstlern für den Moment in ebenso fatalistischer Manier die Dankbarkeit, in diesen Zeiten überhaupt auf einer Bühne stehen und für jemanden „performen“ zu können – selbst wenn dieser jemand nicht real anwesend, sondern nur eine imaginäre Variable ist.
Sich anstelle der Kameralinsen die Augenpaare von zugewandten Zuschauern vorstellen – so macht es der junge Countertenor Cameron Shahbazi, der kürzlich im Kölner Live-Stream von »Written on Skin« zu erleben war, um das Energielevel zu erreichen, das normalerweise nur ein voll besetzter Saal auslöst. Um einen weiteren treffenden Vergleich von ihm heranzuziehen: Überall geht derzeit nur „Take-Away“, auf das volle Restaurant müssen wir noch warten. Das Gefühl von Ungerechtigkeit, das die Kulturbranche begleitet hat, ist derweil abgeflacht in seinem anfänglichen Schmerz, jetzt wo der „Shutdown“ sich auf alle Branchen ausgeweitet hat und man nicht mehr verwundert und fragend nach links und rechts blicken muss. Die Perspektive ist dennoch desolat, wenn man sieht, wie viele Bühnen nicht länger im Gleichschritt mit den politischen Vorgaben zu gehen versuchen, sondern frühzeitig (und mit Weitsicht) bis Ende Februar, wenn nicht noch länger, ihre Türen geschlossen haben – das ist eine lange Zeit, die sich gefühlt lang und länger streckt. Sicher empfinden auch Sie das so. Droht auch uns am Ende das Szenario einer weitestgehend gecancelten Spielzeit 2020/21 oder können die Frühjahrsfestivals, die aktuell noch in fast verwegen anmutender Zuversicht ihre Programme teilen, tatsächlich stattfinden? Die kommenden Wochen werden zeigen, wie weit es aufwärts geht! Wie nutzen Sie diese biedermeierliche Zeit bis dahin, liebe Leser? Gibt es neue Themen, neue Werke, neue Komponisten, die Sie während des Corona-Jahres ganz neu oder näher kennen gelernt oder für die Sie erstmals seit langem die gebührende Zeit und Muße gefunden haben? Den Kontakt zur Musikwelt zu halten erfordert derzeit große eigene Initiative, von Seiten der Künstler, die sich online engagieren, ebenso wie von ihren Fans und Zuhörern, die sich ihre Daheim-Programme findig zusammenstellen müssen – eine Erfahrung, die auch wir, das „Opernglas“, in den vergangenen Monaten gemacht haben, wenn Leser uns zu verstehen gaben, wie sehr sie von der monatlichen Lektüre gezehrt haben. Es zeigt sich also wieder einmal so nachdrücklich wie selten zuvor, wie wichtig es ist, rege zu bleiben, die Augen offen und die Hand ausgestreckt zu halten. Wir freuen uns, für Sie der Kontakt zur Welt der Oper sein zu dürfen.
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INTERVIEWS

Das Interview: MARINA REBEKA - Vielfältige Herausforderungen

Autor: Th. Baltensweiler · Ausgabe 2/2021

Die lettische Sopranistin Marina Rebeka hat aus der Corona-Krise die Idee zu einem neuen Album entwickelt. Den Wendungen des Lebens sieht der Opernstar geerdet entgegen.
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Im Gespräch: CAMERON SHAHBAZI - Die Sinne anregen

Autor: Y. Han · Ausgabe 2/2021

Der aus Kanada stammende Countertenor Cameron Shahbazi hat bei zahlreichen europäischen Gesangswettbewerben auf sich aufmerksam gemacht. In der Saison 2017/18 gab er sein Amerika-Debüt und trat erstmals bei den Händelfestspielen in Karlsruhe auf. An der Oper Köln gastierte er im Dezember in George Benjamins »Written on Skin«. Ein Gespräch über die Sinnlichkeit – nicht nur seines Stimmfachs.
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Vorgestellt: SIGNE HEIBERG - Jung und dramatisch

Autor: P. Melchert · Ausgabe 2/2021

Signe Heiberg wurde in Kopenhagen geboren und singt seit ihrer frühesten Kindheit. Nach dem Studium in Dänemark und Deutschland trat sie 2016 ihr erstes Engagement am Theater Lüneburg an. Wie geht eine junge Sängerin mit einer dramatischen Stimme um?
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STREAMING

LEIPZIG Il Trovatore

6. Dezember ∙ Opernhaus ∙ Autor: M. O‘Neill · Ausgabe 2/2021

Theater und Künstler geben ihr Bestes – zur Not eben ohne Live-Publikum. Eine neunzigminütige Fassung der Verdi-Oper und eine schillernde Besetzung sorgten für Begeisterung vieler Opernfreunde via Live-Stream.
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ZÜRICH Simon Boccanegra

6. Dezember · Opernhaus · Autor: Th. Baltensweiler · Ausgabe 2/2021

Auch das Opernhaus Zürich musste letztendlich aus wirtschaftlichen Gründen – es waren nurmehr 50 Zuschauer erlaubt – seine Pforten schließen. Bis auf eine Ausnahme: Die auch im Internet gestreamte Premiere von »Simon Boccanegra« durften letztmalig 50 Personen vor Ort miterleben.
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WIEN Tosca

13. Dezember ∙ Staatsoper · Autor: Th. Rauchenwald · Ausgabe 2/2021

Mit Spannung aufgeladen war der Abend vor allem, weil sich die russische Starsopranistin Anna Netrebko mit dieser zentralen Rolle für große Operndiven nun auch ihrem Wiener Publikum vorstellen wollte. Und was wurde das für ein Opernabend für das Fernsehpublikum!
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NEAPEL Cavalleria rusticana

4. Dezember ∙ Teatro San Carlo · Autor: U. Ehrensberger · Ausgabe 2/2021

Für einen symbolischen Preis von 1,09 Euro lud das Teatro San Carlo ab dem 4. Dezember auf seiner Facebook-Seite zum Stream einer konzertanten Aufführung mit Jonas Kaufmann und Elīna Garanča ein, der genaugenommen nicht live stattfand, sondern bereits am 1. Dezember aufgezeichnet worden war.
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MÜNCHEN Der Vetter aus Dingsda

17. Dezember ∙ Staatstheater am Gärtnerplatz ∙ Autor: E. Engler · Ausgabe 2/2021

Lukas Wachernigs Inszenierung dieser Revueoperette der 1920er-Jahre ist eine wahrlich schräge Interpretation mit unzähligen Referenzen zu Popkulturklassikern der vergangenen Jahre.
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OSLO Il barbiere di Siviglia

12. Dezember · Den Norske Opera · Autor: E. Engler · Ausgabe 2/2021

Dieser »Barbier« unterhält vor allem durch seine inhaltliche wie musikalische Leichtigkeit. In der Inszenierung wird Freundschaft großgeschrieben, Liebe verdient und charmante Sonderbarkeit gefeiert. Es gibt es also doch noch, das glückliche Ende ohne Verlierer.
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SPECIALS / INFO

KONZERT

Auch die berühmten Konzerte zum Jahreswechsel mussten diesmal ohne Publikum stattfinden: Im goldenen Saal des Wiener Musikvereins versuchte Riccardo Muti am Pult der Wiener Philharmoniker beim diesjährigen Neujahrskonzert trotzdem für Stimmung zu sorgen. In der leeren Berliner Philharmonie hatte tags zuvor Kirill Petrenko die Berliner Philharmoniker beim traditionellen Silvesterkonzert geleitet.

NAMEN UND DATEN

Annalisa Stroppa soll in der neu in Szene gesetzten »Norma« am Teatro Real in Madrid die Adalgisa singen. In der alternierenden Besetzung wird sie an der Seite von John Osborn und Hibla Gerzmava in den Vorstellungen am 4., 7., 10., 13., 17., 19. März auf der Bühne stehen.

ERINNERT AN

RITA STREICH

Zahlreiche Tonaufnahmen von Opern, Operetten, Konzerten und Liedern bezeugen ihre tadellos geführte helle und schwerelose Koloraturstimme. Eine Würdigung anlässlich der Wiederkehr des 100. Geburtstages der Sopranistin am 18. Dezember 2020.

VORSCHAU

„Gluck-Festspiele“ in und um Nürnberg im Miniformat vom 29. April bis 2. Mai – „Mozart und Berlioz, Wagner und Strauss haben um den Schatz gewusst, den Gluck hinterlassen hat – und dennoch ist dieser bis heute nicht wirklich gehoben“, schwärmt Michael Hofstetter, der neue Intendant der Gluck-Festspiele. Da diese nur alle zwei Jahre stattfinden, sollen sie 2021 auf keinen Fall ausfallen, zumal die Planung schon vor Corona weit fortgeschritten war und großartige Ensembles, Künstler und Künstlerinnen verpflichtet worden sind.

IM BLICKPUNKT

HOCHSCHULEN

Kaum ein Studiengang braucht so sehr das Miteinander wie das Musikstudium. Wie sich das in Zeiten von Lockdowns und Kontaktbeschränkungen anfühlt, beschreiben für uns Studierende und Lehrende an der Musikhochschule Hannover. Dazu ein Bericht über die Aufführung von »Venus und Adonis« an der Hamburger Musikhochschule.

NACHRUF

Die Kanadische Sopranistin Erin Wall ist am 8. Oktober 2020 mit nur 44 Jahren an den Folgen einer Brustkrebserkrankung gestorben. 2003 kam sie beim Cardiff Singer of the World Wettbewerb in Wales unter die ersten fünf Fina-listinnen. Als festes Ensemblemit-glied der Lyric Opera of Chicago trat sie dort unter anderem als Marguerite in Gounods »Faust«, als Donna Anna (»Don Giovanni«), Pamina (»Die Zauberflöte«), Fiordiligi (»Così fan tutte«), Konstanze (»Die Entführung aus dem Serail«) und als Helena in Brittens »A Mid-summer Night’s Dream« auf. 2006 sang sie am Theater an der Wien die Rolle der Fiordiligi und gab mit der Rolle der Donna Anna 2009 ihr Debüt an der Metropolitan Opera in New York. Erin Wall lebte mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihrer Tochter in Toronto. Die Familie gründete nach ihrem Tod den Erin Wall Tribute Fund bei der Canadian Opera Company.

AUDIO

AUDIO / GESAMT

Wer bislang der Meinung war, allmählich sollten alle Opern der bedeutenden Komponisten (wieder) entdeckt sein, darf sich weiterhin über unerwartete Ausgrabungen freuen. So auch über den neuesten „Opera Rara“-Streich, die Oper »Il Paria« von Gaetano Donizetti – ein Werk, das vor Melodienreichtum und hörenswerten Belcanto-Nummern nur so strotzt. Nicht weniger interessant: die erste Oper von Giacomo Meyerbeer, »Romilda e Costanza«. Wenn man die Meisteropern Giacomo Meyerbeers in den vergangenen Jahren in zahlreichen ausgezeichneten Produktionen vor allem in London, Berlin und Paris genießen und in aller Ausführlichkeit verinnerlichen konnte, ist es besonders spannend, einen Blick zu werfen oder besser gesagt, das Ohr zu leihen jenen vorausgegangenen italienischen Frühwerken, die dieses Komponistengenie zu Beginn seiner beispiellosen Laufbahn geschaffen hat. Weniger selten ist da fast schon Janáčeks »Schlaues Füchslein«. Sir Simon Rattle hat eine Neueinspielung vorgelegt.

AUDIO / SOLO

Nur mal eben reinhören ist nicht: Das neue Schumann-Album von Samuel Hasselhorn lässt den Hörer nicht mehr los. Ein geistliches Programm ohne Sentimentalität hat Marina Rebeka mit einem Mix aus Lied und Opernfragmenten gewagt, und Bariton Ludovic Tézier bietet ein reines Verdi-Programm an.

DVD / BLURAY

DVD / BLURAY

Das Opernhaus Zürich zählt zu den Kulturanbietern, die schon seit vielen Jahren ausgewählte Produktionen digital vermarkten; inzwischen sind zahlreiche Streaming-Angebote hinzugekommen. Einen schönen Einblick in die jüngere Vergangenheit bietet eine Box mit vier bekannten Opern-Produktionen, die zwischen 2015 und 2017 live mitgefilmt wurden: »Das Land des Lächelns« mit Piotr Beczala, Massenets »Werther« mit Juan Diego Flórez, Bellinis »I Capuleti e i Montecchi« mit Joyce DiDonato und Alban Bergs »Wozzeck« in der bildmächtigen Homoki-Inszenierung.